Allianz gegen Schottlands Unabhängigkeit

  • Folklore ist den Nationalisten als Ausdruck schottischer Identität zu wenig: Straßenszene in der Hauptstadt Edinburgh.
    foto: reuters/david moir

    Folklore ist den Nationalisten als Ausdruck schottischer Identität zu wenig: Straßenszene in der Hauptstadt Edinburgh.

Britisches Dreiparteienbündnis lanciert die Kampagne "Besser gemeinsam"

Edinburgh/London - Mit vereinten Kräften und positiven Slogans wollen sich die drei gesamtbritischen Parteien - Labour, Konservative und Liberaldemokraten - der schottischen Unabhängigkeit in den Weg stellen. Bei der Vorstellung der Kampagne "Besser gemeinsam" (Better together) argumentierte der frühere Londoner Finanzminister Alistair Darling am Montag in Edinburgh, es gehe um eine historische Entscheidung für zukünftige Generationen: "Wer Schottland liebt, muss deshalb noch lange nicht das Vereinigte Königreich verlassen." Die von der nationalistischen Regionalregierung unter Ministerpräsident Alex Salmond angepeilte Unabhängigkeit stelle "die Reise zu einem völlig unklaren Ziel" dar.

Das Thema dominiert die politische Debatte in Schottland, seit Salmonds Scottish National Party (SNP) vor Jahresfrist die absolute Mehrheit im Edinburgher Landtag gewann. Dass die Unionisten den weithin angesehenen Labour-Politiker Darling als Vormann gewinnen konnten, gilt in Edinburgh als Pluspunkt. Die dortigen Regionalpolitiker können dem gewitzten Strategen Salmond allesamt nicht das Wasser reichen, Liberaldemokraten und Konservative sind zudem durch die Sparpolitik der Londoner Koalitionsregierung beschädigt.

Der Auftaktveranstaltung nach zu urteilen wollen sich die drei Parteien umso disziplinierter an die gemeinsame Botschaft halten. "Wir bringen ein positives Argument vor, zusammen zu bleiben", sagte Darling. "Dafür spricht die gemeinsame Geschichte und die größere Wirtschaftskraft Großbritanniens." Den Propagandakrieg gegen den konservativen Premier David Cameron hatte Salmond zu Jahresbeginn noch klar gewonnen. Wie sein Labour-Vorgänger Tony Blair klingt der Engländer Cameron stets herablassend und ein wenig drohend, wenn er die Schotten von den wirtschaftlichen und kulturellen Nachteilen der Unabhängigkeit zu überzeugen versucht.

Referendum 2014 geplant

Salmonds SNP betont hingegen Schottlands Identität als stolze Nation, lang vor der Union mit England (1707), und verweist auf die Einnahmen aus dem Nordseeöl. Die nominell unabhängige Lobbygruppe "Yes Scotland" wirbt seit vergangenem Monat für ein Ja im Referendum, das im Herbst 2014 abgehalten werden dürfte. "Wir werden alle Fragen beantworten und die Vorteile der Unabhängigkeit erläutern", gibt sich SNP-Kampagnenchef Angus Robertson optimistisch. In den vergangenen Monaten kommen in Schottland aber zunehmend Fragen an die Öffentlichkeit, auf die Salmond und seine Strategen bisher keine klare Antwort geben.

So soll das unabhängige Schottland zwar der EU, nicht aber dem Euro beitreten, wie es Neumitgliedern eigentlich zwingend vorgeschrieben ist. Stattdessen werde man die Währungsunion mit England beibehalten. Das kritisiert Finanzexperte Darling: "Worin besteht der Vorteil, sich als eigenes Land zu gerieren, wenn man weniger Einfluss auf seine Währung hat als zuvor?"

Die populäre Queen werde schottisches Staatsoberhaupt bleiben, beteuert Salmond. Hingegen sollen die schottischen Einheiten aus der gesamtbritischen Armee herausgelöst und die U-Boot-Flotte mit ihrer Atombewaffnung aus Schottland verlegt werden. "Lächerlich" findet dies Verteidigungsminister Philip Hammond. (Sebastian Borger, DER STANDARD, 26.06.2012)

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