Allianz gegen Schottlands Unabhängigkeit

Sebastian Borger
25. Juni 2012, 19:34
  • Folklore ist den Nationalisten als Ausdruck schottischer Identität zu wenig: Straßenszene in der Hauptstadt Edinburgh.
    foto: reuters/david moir

    Folklore ist den Nationalisten als Ausdruck schottischer Identität zu wenig: Straßenszene in der Hauptstadt Edinburgh.

Britisches Dreiparteienbündnis lanciert die Kampagne "Besser gemeinsam"

Edinburgh/London - Mit vereinten Kräften und positiven Slogans wollen sich die drei gesamtbritischen Parteien - Labour, Konservative und Liberaldemokraten - der schottischen Unabhängigkeit in den Weg stellen. Bei der Vorstellung der Kampagne "Besser gemeinsam" (Better together) argumentierte der frühere Londoner Finanzminister Alistair Darling am Montag in Edinburgh, es gehe um eine historische Entscheidung für zukünftige Generationen: "Wer Schottland liebt, muss deshalb noch lange nicht das Vereinigte Königreich verlassen." Die von der nationalistischen Regionalregierung unter Ministerpräsident Alex Salmond angepeilte Unabhängigkeit stelle "die Reise zu einem völlig unklaren Ziel" dar.

Das Thema dominiert die politische Debatte in Schottland, seit Salmonds Scottish National Party (SNP) vor Jahresfrist die absolute Mehrheit im Edinburgher Landtag gewann. Dass die Unionisten den weithin angesehenen Labour-Politiker Darling als Vormann gewinnen konnten, gilt in Edinburgh als Pluspunkt. Die dortigen Regionalpolitiker können dem gewitzten Strategen Salmond allesamt nicht das Wasser reichen, Liberaldemokraten und Konservative sind zudem durch die Sparpolitik der Londoner Koalitionsregierung beschädigt.

Der Auftaktveranstaltung nach zu urteilen wollen sich die drei Parteien umso disziplinierter an die gemeinsame Botschaft halten. "Wir bringen ein positives Argument vor, zusammen zu bleiben", sagte Darling. "Dafür spricht die gemeinsame Geschichte und die größere Wirtschaftskraft Großbritanniens." Den Propagandakrieg gegen den konservativen Premier David Cameron hatte Salmond zu Jahresbeginn noch klar gewonnen. Wie sein Labour-Vorgänger Tony Blair klingt der Engländer Cameron stets herablassend und ein wenig drohend, wenn er die Schotten von den wirtschaftlichen und kulturellen Nachteilen der Unabhängigkeit zu überzeugen versucht.

Referendum 2014 geplant

Salmonds SNP betont hingegen Schottlands Identität als stolze Nation, lang vor der Union mit England (1707), und verweist auf die Einnahmen aus dem Nordseeöl. Die nominell unabhängige Lobbygruppe "Yes Scotland" wirbt seit vergangenem Monat für ein Ja im Referendum, das im Herbst 2014 abgehalten werden dürfte. "Wir werden alle Fragen beantworten und die Vorteile der Unabhängigkeit erläutern", gibt sich SNP-Kampagnenchef Angus Robertson optimistisch. In den vergangenen Monaten kommen in Schottland aber zunehmend Fragen an die Öffentlichkeit, auf die Salmond und seine Strategen bisher keine klare Antwort geben.

So soll das unabhängige Schottland zwar der EU, nicht aber dem Euro beitreten, wie es Neumitgliedern eigentlich zwingend vorgeschrieben ist. Stattdessen werde man die Währungsunion mit England beibehalten. Das kritisiert Finanzexperte Darling: "Worin besteht der Vorteil, sich als eigenes Land zu gerieren, wenn man weniger Einfluss auf seine Währung hat als zuvor?"

Die populäre Queen werde schottisches Staatsoberhaupt bleiben, beteuert Salmond. Hingegen sollen die schottischen Einheiten aus der gesamtbritischen Armee herausgelöst und die U-Boot-Flotte mit ihrer Atombewaffnung aus Schottland verlegt werden. "Lächerlich" findet dies Verteidigungsminister Philip Hammond. (Sebastian Borger, DER STANDARD, 26.06.2012)

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Ganz schoen "clever" diese Schotten.....

bei der Abstimmung duerfen alle die sich in Schottland aufhalten dabei sein. Auch EU Buerger, also geehrte Poster schnell eine Wahlreise buchen.
leider, duerfen aber Schotten die sich ausserhalb Schottlands befinden, nicht abstimmen.

Falsch

"Aufenthalt" allein reicht nicht, Sie müssen "resident" sein, d.h. Sie müssen Ihren ständigen Wohnsitz dort haben und sich in die Wählerlisten eintragen.

Was ist los England,

bei der Unabthängigkeit Kosovos von Serbien waren sie noch enthusiastisch engagiert um Völkerselbstbestimmungsrechte, aber wenns im eigenen Haus brennt beschwört man Multikulti und Gemeinsamkeit?

Nennt man das nicht Doppelmoral

Ist ja nicht so das Serbien den Kosovo ohne vorgehaltene Pistole hätte gehen lassen...

Wenn die Briten vorhaben so zu handeln, dürfen sie ihren Enthusiasmus gerne wieder hinterfragen.

Alba gu bràth

Ich bin normalerweise ein strikter Gegner von Kleinstaaterei.

Kleinstaaterei ist ein Rückschritt in der gesellschaftlichen Entwicklung. "Soziale Deevolution" sozusagen. Je kleiner der Staat, desto unwichtiger und bedeutungsloser. Mehr als Flaggenanbetung, stolze Volkstänze und verrückte Historiker, welche die "alte Größe" beschwören, bleibt nicht übrig. Und an einem gewissen Punkt ist die Bedeutungslosigkeit dann derart groß geworden (Montenegro), daß der Staat kaum noch wahrgenommen wird oder der Gesandte nicht zu einer UNO-Sitzung rein darf, weil ihn dort keiner (er-)kennt.

Doch Großbritannien ... dem großen Kleinstaatenfreund auf fremdem Lande, denen würde ich eine solche Watsch'n von ganzem Herzen gönnen :)

So soll das unabhängige Schottland zwar der EU, nicht aber dem Euro beitreten, wie es Neumitgliedern eigentlich zwingend vorgeschrieben ist

eigentlich ist Schottland kein Neumitglied, da es jetzt Teil der EU ist.

das referendum ist 2014

sie glauben doch nicht, dass es dann noch den euro in seiner heutigen form gibt?
da treten die schotten eher der d mark bei...

nachdem eine politische union (die vereinigten staaten von europa) zurzeit unrealistisch...

...und von einer breiten mehrheit der europ. bevölkerung abgelehnt wird (und ohne die geht´s nun mal nicht), wird es eine weiche und eine harte variante des euro geben (wie immer die auch heißen).
girechenland war gestern und ist egal (weil klein) aber auch italien und spanien (& somit auch portugal) müssen extern abwerten können, da interne abwertung wie in gr zu inneren unruhen und destabilisierung (siehe gr - und dabei stehen die erst am anfang der konsolidierung) führen würden. auch eine fiskalunion macht zw. aut, de und nl mehr sinn und ist einfacher zu bewerkstelligen, als zw. allen euro staaten. es wird auf ein kerneuropa oder europa der 2 geschwindigkeiten hinauslaufen, alles andere sehe ich realistischerweise derzeit einfach nicht.

"in der heutigen form" ... Was soll das bedeuten.

Den Euro gibt es sicher noch. Die Frage ist ob Griechenland Teil des Euroraums ist. Oder sehen Sie noch weitreichendere Konsequenzen der derzeitigen Krise?

sie glauebnw enn die griechen austreten gibst den euro noch .... liab

Ist bei Dir jeder "liab" der nicht Deine Weltuntergangs-Theorien vertritt?

Oder willst Du etwa mit mir flirten?

meine freundin kommt aus einer ehemaligen sowjetrepublik und hat in nicht mal 3 jahrzehnten mit drei verschiedenen währungen bezahlt....und die welt steht immer noch.
ob man mit muscheln oder euros einkaufen geht ist irrelevant...solange man einen entsprechenden gegenwert erhält.

Stimme zu. Glaube aber nicht dass eine Grexit Event das Ende des Euro bedeutet.

Fuer Oesterreich, Finnland, Deutschland und Frankreich koennten sich ja auf einen andere gemeinsame Waehrung einigen. Fuer ein kleines Land ist es besser in ein groesseres Waehrungssystem eingebunden zu sein.

hab mich vertippt...

..antwort oben!
sorry

es müsste den gesamten Beitrittsprozess durchlaufen!

Seit Thatcher haben Konservative bei den Schotten generell verschissen.

Aber es stellt sich natürlich auch die Frage, wieso ein talentierter Politiker wie Salmond keine führende Rolle in Großbritannien spielt. Wird wohl wahrscheinlich an dem vorherrschenden Nepotismus liegen, weswegen er sich wohl dachte: "Fuck this shit, I start my own country"

Und herablassend ist gar kein Ausdruck. Die meisten Argumente gegen die Unabhängigkeit kann man auf "lächerlich" kürzen.
Währungsunion - lächerlich
U-Boote - lächerlich

Was dem Kanadier sein Quebec ist, das ist dem Großbritannier das Schottland.

...
Ja, stimmt nicht wirklich, aber mir machts Spaß, Quebec und Schottland anzunähern.

richtig so,freiheit für schottland

alles was man sich einst zusammenraubte müßen sie wieder herausrücken.bald ist es soweit dann kann man von der spitze des Big Ben die wahre größe engellands erkennen.

Großbritannien, Großbritannien...

sind das nicht die Heuchler, die Kosovo anerkannt hatten?

die engländer würden schottland ziehen lassen, wenn sie wollen. die serben den kosovo nicht.

klar würden sie schottland ziehen lassen... so wie sie 1982 die falklandinseln haben ziehen lassen...

Äh... die Falkländer wollten aber nicht weg. Deren Inseln wurden überfallen!

Schottland will ja nicht ziehen

sondern nur einen lockeren Verbund! Die Erdöleinnahmen werden wohl eine Rolle spielen, obwohl Schottland insgesamt wohl eher eine Nehmerregion ist....

lobe nicht den tag vor dem abend

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