Sieben Prozent klagen über Mobbing

26. Juni 2012, 14:40
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Anstieg in Österreich in den letzten Jahren - EU-Schnitt bei nur 4,1 Prozent - AK fordert Maßnahmen

Wien - Mobbing kann jeden treffen. Neben dem menschlichen Leid entstehen auch für Unternehmen erhebliche Schäden. Mehr Krankenstandstage und weniger Produktivität sind die Folgen. Zudem gibt es noch eine strafrechtliche Komponente, denn der Oberste Gerichtshof hat entschieden, dass durch Mobbing hervorgerufene gesundheitliche Beeinträchtigungen als Körperverletzung zu werten sind. Am Montag informierte die Arbeiterkammer über "Mobbing am Arbeitsplatz". In einer Aussendung werden Maßnahmen gefordert.

Die unmittelbarsten psychischen Folgen von Mobbing sind Stress, Depression und Angstzustände. Die Ergebnisse der Arbeitskräfteerhebung der Statistik Austria (2009) zeigen, dass 44 Prozent der Betroffenen erst einen Monat später oder noch später an den Arbeitsplatz zurückkehren, so die Arbeiterkammer. Rund drei Prozent kehren überhaupt nicht mehr in ihren Job zurück. Rund 23 Prozent bleiben ihrem Arbeitsplatz mindestens zwei bis vier Wochen fern, fast 20 Prozent tun dies vier bis 13 Tage. Lediglich rund 11 Prozent bleiben maximal bis zu drei Tage von der Arbeit fern.

"Psychiatrische Erkrankungen"

Laut Fehlzeitenreport 2011 wurden 2010 österreichweit fast 2,6 Millionen Krankenstandstage durch die Krankengruppe "psychiatrische Erkrankungen" verursacht. Das entspricht rund sieben Prozent aller durch Krankheit entfallener Arbeitstage. Die durchschnittliche Krankenstandsdauer beträgt knapp elf Tage, bei psychischen Krankheiten mit fast 36 Tagen mehr als deutlich darüber.

Die Zahl der Mobbing-Betroffen ist im Steigen. Nach den neuesten Ergebnissen des Working Condition Survey (EWCS) von 2010 liegt die Mobbingrate in Österreich (7,2 Prozent) drastisch über jener der EU-27 (4,1 Prozent). Die Tendenz ist in Österreich steigend.

Forderungskatalog

Zwar haben Arbeitgeber die Verpflichtung, Mobbing im Betrieb abzustellen, die AK möchte aber noch mehr Prävention. Das soll in ein Gesetz gegossen werden. Sensibilisierungsmaßnahmen sollten in Unternehmen zur Pflicht werden, genauso wie eine Person, die als zentraler Ansprechpartner fungiert. Eine weitere Forderung ist eine fixe Betriebsvereinbarung für Mobbingpräventionsmaßnahmen und Regelungen zur Konfliktbearbeitung. (red, derStandard.at, 26.6.2012)

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    Mobbing ist in Österreich im Vormarsch.

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