"Gute Masterpläne brauchen wir überall"

25. Juni 2012, 16:28
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Ein Gespräch mit Vladimir Ivanov, Eigentümer und Geschäftsführer der russischen Immobilienberatung Spectrum

Die Immobilienberatung Spectrum trägt die Spannbreite des gesamten russischen Immobilienmarktes im Namen. Mit dem Eigentümer und Geschäftsführer Vladimir Ivanov sprach Andreas Schiller.

STANDARD: Wo steht derzeit der russische Immobilienmarkt?

Ivanov: Um die Frage richtig zu beantworten, muss man sich einige aktuelle politische und administrative Entscheidungen in unserem Land ins Gedächtnis rufen. Denn diese haben auf den Immobilienmarkt einen großen Einfluss. Regionale Führungspersönlichkeiten, also Gouverneure, werden künftig nicht mehr berufen, sondern direkt gewählt. Damit sind sie gezwungen, sich sehr viel stärker mit der lokalen Wirtschaftsförderung auseinanderzusetzen. Zudem wird die öffentliche Kontrolle durch die Direktwahl in Zukunft strenger werden.

STANDARD: Was hat das für Konsequenzen?

Ivanov: Im besten Fall führt das zu einer offeneren Wirtschaftspolitik, die stärker investorenfreundlich sein kann. Gute Erfahrungen, wie sie beispielsweise in Kaluga gemacht wurden, lassen sich dann auch leichter auf andere Regionen übertragen.

STANDARD: Was muss sich ändern?

Ivanov: Ganz wichtig wäre, dass "Masterpläne" nicht nur in Moskau und in St. Petersburg zur Anwendung kommen - das brauchen wir überall in der Russischen Föderation! Diese Pläne sind es, die Projektentwicklern und Investoren eine gewisse Planungssicherheit geben können. Zudem sorgen sie für Transparenz - aber nur, wenn sie verbindlich eingehalten werden.

STANDARD: Konkret: Welche Chancen haben die Marktteilnehmer in Moskau?

Ivanov: Besonders bei der Vermittlung der Planungen für die Erweiterung des Stadtgebiets zeichnet sich die Moskauer Stadtregierung durch hohe Transparenz aus. Das ist mittlerweile schon vorbildhaft. Bei den Marktchancen für Investoren nenne ich zuallererst Parkhäuser. Hier besteht ein hoher Bedarf und gibt es eine große Unterstützung seitens der Stadt. Natürlich ist auch Wohnen ein wichtiges Thema. Gerade in einer so großen Stadt wie Moskau spielt eine entscheidende Rolle die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

STANDARD: Welchen Rat können Sie internationalen Entwicklern und Investoren mitgeben?

Ivanov: Ganz einfach: Sich dessen bewusst zu sein, dass Russland nicht nur aus Moskau und St. Petersburg besteht. Aber man muss achtsam sein, denn mehr als in anderen Ländern spielt die Erreichbarkeit und Infrastruktur eine große Rolle. Jekaterinenburg ist so ein Beispiel, wo sich bereits vieles getan hat. Es gibt Direktflüge von Wien und Hotelprojekte der österreichischen Warimpex. Vielleicht wird man den Ural ja eines Tages nicht mehr nur als Ölregion wahrnehmen. (DER STANDARD, 23./24.6.2012)

Vladimir Ivanov gründete die Spectrum Group 1998. Der Fokus richtet sich auf Begleitung internationaler Handelsketten, die nach Russland expandieren.

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