Forscher erhebt Wanderungsbewegungen auf Basis von E-Mails

25. Juni 2012, 15:54
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Digitale Daten zur Analyse globaler Migrationsströme herangezogen

Rostock - Bei der Untersuchung der weltweiten Bevölkerungswanderung setzen Forscher nun auch auf den E-Mail-Verkehr. Dank der digitalen Daten gebe es erstmals realistische Eindrücke über das Wanderungsverhalten in Regionen, die bisher kaum untersucht werden konnten, wie das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock am Montag mitteilte. Demnach analysierte der Bevölkerungsforscher Emilio Zagheni Millionen weltweit versandter E-Mails und erstellte daraus einen Datensatz globaler Migrationsströme.

Die bisherigen Erhebungen zu Wanderungsbewegungen seien zwischen den Ländern kaum vergleichbar und "oft veraltet", erklärte der Forscher. Zudem seien offizielle Wanderungszahlen meist problematisch, weil Migranten beispielsweise dazu tendierten, sich nach einem Umzug nicht oder erst sehr spät bei den Behörden anzumelden.

Studie basiert auf Yahoo-Konten

Der MPI-Forscher wertete gemeinsam mit dem Yahoo-Experten Ingmar Weber den weltweiten E-Mail-Verkehr von 43 Millionen Benutzerkonten des Internetdienstleisters aus. Für zwischen September 2009 und Juni 2011 geschriebene Nachrichten wurde anonymisiert der Wohnort des Absenders ermittelt. Dazu wurden sogenannte IP-Adressen genutzt, aus denen sich für jedes Gerät das Ursprungsland der Mails bestimmen lässt. Verwendet wurden auch Geburtstag und Geschlecht des Absenders, die dieser in seinem Benutzerkonto angegeben hatte. Die Forscher arbeiteten nach eigenen Angaben ausschließlich mit anonymisierten Daten und konnten weder den Autor einer Nachricht, noch deren Titel oder Inhalt erkennen.

Gesteigerte Mobilität nach der Finanzkrise

Im Ergebnis konnte demnach zum Beispiel für die USA erstmals die Auswanderung nach Geschlecht und Alter beziffert werden. Dabei habe sich auch gezeigt, dass die Mobilität nach der Finanzkrise deutlich zugenommen habe. Das selbe Phänomen zeigte sich laut Max-Planck-Institut bei fast allen entwickelten Staaten, mit wenigen Ausnahmen wie der Schweiz oder Taiwan.

Die Gruppe der E-Mail-Nutzer in einem Land ist freilich nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung, weil etwa ältere Menschen weniger Mails schreiben. Um solche Verzerrungen zu beheben, verwendeten die Forscher ein mathematisches Korrekturmodell. Wie gut die berechneten Korrekturfaktoren sind, erhoben die Forscher anhand von Wanderungsdaten aus Europa, wo die offiziellen Zahlen verhältnismäßig gut sind.

Potenzial

"Was wir herausgefunden haben, ist nur die Spitze des Eisbergs", sagte Zagheni. Mit verfeinerten mathematischen Korrekturen und weiteren digitalen Daten wie etwa Twitter-Nachrichten ließen sich auch schwierigere Fragen beantworten. Zum Beispiel ließen sich dann die kurz- und langfristigen Bevölkerungsbewegungen in einer Krisenregion wie Fukushima sichtbar machen; und es gebe realistische Eindrücke über das Wanderungsverhalten in Regionen, über die bisher nur spekuliert werden konnte: "Das größte Potenzial liegt in den sich gerade entwickelnden Ländern. Dort verbreitet sich das Internet viel schneller als es ein verlässliches demografisches Meldewesen geben wird", so der Forscher. (APA/red, derStandard.at, 25.6.2012)

  • Wie die Forscher anhand von E-Mails zeigen konnte, stiegen die Auswanderungen aus den USA nach der Finanzkrise an: In den ersten Monaten des Jahres 2011 verschickten etliche Frauen und Männer, die noch in den letzten Monaten 2010 hauptsächlich aus den USA mailten, ihre Nachrichten mehrheitlich aus einem anderen Land. Im Jahr zuvor hatten im gleichen Zeitraum spürbar weniger Menschen die USA verlassen.
    foto: max-planck-institut für demografische forschung

    Wie die Forscher anhand von E-Mails zeigen konnte, stiegen die Auswanderungen aus den USA nach der Finanzkrise an: In den ersten Monaten des Jahres 2011 verschickten etliche Frauen und Männer, die noch in den letzten Monaten 2010 hauptsächlich aus den USA mailten, ihre Nachrichten mehrheitlich aus einem anderen Land. Im Jahr zuvor hatten im gleichen Zeitraum spürbar weniger Menschen die USA verlassen.

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