Plastikkochlöffel geben Giftstoffe ab

25. Juni 2012, 14:14
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Die Hälfte der untersuchten Kochlöffel eignen sich nicht zum Kochen bei hohen Temperaturen, hier sind Produkte aus Holz oder Metall besser geeignet

Wien - Für viele ist der Plastikkochlöffel eine hygienische Alternative zum Holz-Pendant. Doch was viele nicht wissen: Der Kunststoff kann durch das starke Erhitzen ungewünschte chemische Substanzen ins Essen abgeben. Wie ein Test des Vereins für Kosumenteninformation (VKI) zeigte, sind bedenkliche Stoffe wie Melamin und Formaldehyd keine Seltenheit. Die Tester nahmen zehn Produkte zum Umrühren von Speisen unter die Lupe.

Hälfte der getesteten Produkte ungeeignet

Die Plastikkochlöffel und Pfannenwender wurden in Geschirrfachgeschäften, Einrichtungshäusern und Supermärkten in Wien und Umgebung eingekauft. Danach wurde das Zubereiten einer Speise simuliert und dazu mit den Kochlöffeln bei 100 Grad Celsius umgerührt. Das ernüchternde Ergebnis: Die Hälfte der untersuchten Kochutensilien eignet sich gar nicht zum Kochen bei einer so hohen Temperatur.

Melamin und Formaldehyd

Zwei Produkte - der Spitzlochlöffel von "TopHit" und der Kochlöffel von "zak" - gaben während des Kochvorgangs tatsächlich die Schadstoffe Melamin und Formaldehyd ab. Dabei lag die Melaminabgabe gerade an der Grenze des in der Kunststoffverordnung erlaubten Wertes von 30 Milligramm für diese chemische Substanz. Anders sieht die Situation ab 2013 aus, wenn der neue EU-Grenzwert für Melamin mit 2,5 Milligramm in Kraft tritt. Damit kämen die Kochlöffel von "TopHit" und "zak" auf eine fast zwölffache Überschreitung.

Gehörige Abweichungen vom vorgegebenen Limit der Kunststoffverordnung zeigten sich auch beim Schadstoff Formaldehyd: "TopHit" überschritt die geduldeten 15 Milligramm um das Achtfache, "zak" sogar um das Dreizehnfache. Ein weiteres Problem: Die Abgabe von Melamin und Formaldehyd hört auch nach mehrmaligem Verwenden der Kochlöffel nicht auf.

Melamin ist eine chemische Verbindung, die allgemein zur Herstellung von Harzen, Kunststoffen und Klebstoffen verwendet wird. Durch Synthese mit Formaldehyd entsteht ein harter bruchfester Werkstoff. Die Produkte von "TopHit" (Spitzlochlöffel) und "zak" (Kochlöffel) hatten etwa Melamin als Grundbestandteil. Ersterer war zwar als Melaminprodukt gekennzeichnet. Diese Herstellerkennzeichnung ist allerdings nur freiwillig. Wer sich also für einen Plastikkochlöffel entscheidet, weiß daher nicht unbedingt, woraus sich das Produkt zusammensetzt.

In einem zweiten Schritt analysierten die Tester die restlichen Produkte auf die bei Kunststoffen ebenfalls häufig verwendeten chemischen Substanzen Caprolactam und Hexamethylendiamin. Erfreulich zwar, dass Hexamethylendiamin bei keinem der getesteten Produkte nachweisbar war, bei Caprolactam wurden die Tester jedoch fündig: Die Löffel von "home", "koziol" und "Rosti Mepal" setzten diesen Stoff an die Testflüssigkeit ab.

Holz- oder Metallutensilien empfohlen

Bei welcher Temperatur wie lange umgerührt werden darf, entnahmen die Tester teils sehr umständlichen Beschreibungen. Eigentlich sollte ein Kochlöffel Anforderungen erfüllen, die sich weder durch Zeit- noch durch Temperaturvorgaben beschränken lassen. Schließlich stellt sich niemand mit Stoppuhr und Thermometer an den Herd.

Beim Zubereiten heißer Gerichte empfehlen die Tester zum guten alten Holzkochlöffel oder zu Produkten aus Metall zu greifen. "Solange es Herstellerbeschränkungen für Verwendungsdauer und Temperatur gibt, können wir Kochlöffel aus Kunststoff nicht wirklich empfehlen. Das gilt vor allem für Kochvorgänge mit langem Rühren bei hoher Hitze wie beispielsweise das Einkochen von Marmelade", heißt es seitens des VKI. Als unbedenklich erweist sich der Einsatz von Plastikkochlöffeln bei der Zubereitung kalter und mäßig warmer Speisen. (APA/red, 25.6.2012)

Weitere Infos in der Juli-Ausgabe des "Konsument" und in Kürze auf www.konsument.at

  • Die Abgabe von Melamin und Formaldehyd hört auch nach mehrmaligem Verwenden der Kochlöffel nicht auf.
    foto: derstandard.at/tin

    Die Abgabe von Melamin und Formaldehyd hört auch nach mehrmaligem Verwenden der Kochlöffel nicht auf.

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    Mit Holz- oder Metallprodukten ist man auf der sicheren Seite.

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