Studie: Frühförderung hilft sowohl Kindern als auch dem Staat

25. Juni 2012, 11:45
  • Kinder, die eine qualitativ hochwertige Frühförderung besuchten, zeigen eine höhere Lernfreude und Lernbereitschaft.
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    Kinder, die eine qualitativ hochwertige Frühförderung besuchten, zeigen eine höhere Lernfreude und Lernbereitschaft.

Leitl: Ausbau aus Budgetplus finanzieren - Kurz will innerhalb von drei Jahren mindestens zweites verpflichtendes Kindergartenjahr

Wien - Investitionen in frühkindliche Betreuung und Förderung nützen sowohl den Kindern als auch der Volkswirtschaft und der Gesellschaft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studienanalyse des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw). Jeder in die Frühförderung investierte Euro bringe volkswirtschaftlich gesehen - je nach Studie betrachtet - den doppelten bis "mindestens den achtfachen Nutzen". Darüber hinaus gebe es Hinweise auf positive Effekte auch auf Gesundheits- und Kriminalitätsentwicklung.

"Investitionen in frühkindliche Betreuung und Förderung bringen zunächst einmal hohe Nutzeneffekte auf Ebene der Kinder, ganz stark im kognitiven Bereich", so Studienautor Kurt Schmid bei einer Pressekonferenz am Montag. So zeigten Kinder, die eine qualitativ hochwertige Frühförderung besuchten, höhere Lernfreude und Lernbereitschaft. "Das überträgt sich in eine höhere Wahrscheinlichkeit eines guten Schulerfolgs." Frühgeförderte Kinder hätten in US-Studien etwa bessere Chancen auf einen Highschool-Abschluss bzw. auf den Besuch eines Colleges gezeigt und seltener Klassen wiederholt bzw. ihre Bildungskarriere abgebrochen. Auch die soziale Integration der Kinder werde tendenziell gefördert.

Vorteile

Diese Effekte übertragen sich einerseits in eine bessere Humankapitalausstattung für die Wirtschaft durch besser ausgebildete Arbeitskräfte. Andererseits erhöhe eine adäquate Betreuung der Kinder die Beschäftigung jener Personen, die sich ansonsten um die Kinder kümmern müssten, also primär von Frauen, betonte Schmid. So steigen etwa die Kaufkraft und die Steuerleistung bzw. sinken Sozialtransfers. Hinweise gab es in den analysierten Studien auch darauf, dass Frühförderung positive Effekte auf die Gesundheit bzw. Kriminalitätsentwicklung hat (z.B. durch weniger Drogenkonsum).

Integrations-Staatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) wiederholte seine Forderung nach zumindest einem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr für alle Kinder, die Förderbedarf aufweisen. Dies sei innerhalb von zwei bis drei Jahren zu realisieren - auch die Einführung des ersten verpflichtenden Kindergartenjahrs habe drei Jahre gedauert. Gerade für Migranten sei dies wichtig: Derzeit könnten rund 80 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund, die nicht im Kindergarten waren, nach Schuleintritt dem Unterricht nicht folgen.

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl will weitere Kindergartenjahre für Kinder mit Förderbedarf durch den Rückgriff auf das Budget finanzieren. "Wir liegen deutlich über den budgetären Planungen - und zwar um Milliarden." Hier gehe es aber lediglich um Millionen. "Wer sagt, er hat das Geld nicht, der versündigt sich an der Zukunft." (APA, 25.6.2012)

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was fällt denn unter den begriff "frühförderung"?

so wie das hier steht kann das alles sein. oder nicht viel mehr als kinderbetreuung, sobald die kleinen laufen können, damit die eltern mehr malochen können.

und der heute so schicke frühförderwahn mit sprachen, musik und pi-pa-po ab der schwangerschaft wird von mehr und mehr kinderpsychologen und anderen experten stark in zweifel gezogen. die bringen es nämlich immer auf einen simplen nenner:

die beste förderung für (kleine) kinder ist zeit und zuwendung durch die eltern. da braucht man keine großartigen lernprogramme wie sie gerade in den usa so in mode sind bei denen die es sich leisten können...

die beste förderung für (kleine) kinder ist zeit und zuwendung durch die eltern.

richtig und ab 3-4 als Ergänzung die Betreuung und Bildung durch PädagogInnen, die wissen was sie tun.

Zum Glück wird auch erwähnt, dass für die Kinder Positives herausschaut!

Es wird in diesem Artikel besonders hervorgehobn, dass, wenn Eltern "entlastet" sind, die KAUFKRAFT steigt. Das "Humankapital" der Wirtschaft wird besser...
Tadaaaa!

Man geht davon aus, dass ALLE Eltern froh sind, die Kleinen abzugeben.

Was Kindergärten können, sollen, müssen...ist einen anderen Artikel wert!

eine no-na-ned studie mehr...

...bringt nur alles nichts, wenn die qualität in der kinderbetreuungseinrichtung nicht passt.

stimmt. deswegen:
1. tertiäre ausbildung
2. viel mehr geld für den sektor

ginge es nach der wirtschaft und der politik, würden kinder mit dem ersten schritt teil der maschinerie werden. krippe, kindergarten, schule, lehre/uni, arbeiten, möglichst lang und mit minimaler pension.

das verstehe ich nicht unter einem leben.

Durchschnittsfalle

die Erziehung zum Durschnittsmenschen: leicht lenkbar, dankbar, Analphabet, unmündige Wähler, ans Rudel gewöhnt ja das erzieht sich die Industrie und die Politik = Leibeigene

ich entschuldige mich hiermit gleich vorab bei allen eltern, die wissen was sie tun, aber...

nachdem aus vielen elternhäusern immer weniger zu erwarten ist, wird es nur leider immer notwendiger, wenn die kinder noch eine chance haben sollen.

Ich glaube das wir hier ein falsches Bild von unqualifizierten Medien aufgedrückt bekommen. Die meisten Eltern geben doch ihr Bestes.
Sicher gibt es Einzelfälle, die dann ausgeschlachtet werden.

leider sind es nicht die medien sondern mein arbeitsalltag :-( tatsache ist, dass sich viele eltern mit ihren kindern nicht mehr wirklich auseinander und ihnen keine grenzen mehr setzen - manche sehr bewusst, weil sie glauben, ihrem kind damit zu schaden, andere aus -sry, die direktheit - aus dummheit und bequemlichkeit. im kindergarten merken wir sehr wohl, wie die kinder so in ihrer sozialen, emotionalen entwicklung darunter leiden. von jenen (leider nicht so wenigen), die daheim nicht mal mehr ein normales memory oder uno haben, aber dafür tv und playstation auswendig kennen, ganz zu schweigen.

mh seltsam. In meiner Umgebung finde ich es teilweise etwas zu viel, wie Eltern den Tagesablauf ihrer Kinder verplanen.
Eltern können auch nicht so leicht in die kindliche Fantasiewelt einsteigen.

da bin ich ganz bei ihnen. kinder brauchen freiräume, in denen sie sich entwickeln können und selbst ihre erfahrungen machen können, diese gut gemeinte freizeitverplanung wäre nicht notwendig, wenn sich die eltern bewusst mit ihren kindern auseinandersetzen würden. bilderbücher lesen, gesellschaftsspiele oder ein einfacher ausflug in den wald oder park... das ist frühförderung auf tatsächlich kindlichem niveau - da brauchts keine kurse für kindergartenkinder! (das ist auch ein teil von dem, was wir ja auch im kindergarten machen, nur mit konkreten zielsetzungen, um die kinder entsprechend fördern zu können. das hat mit leistungsorientiert nichts zu tun)

ja ich glaube wir sind da eh einer Meinung. Ich kann nur die Dinge aus meiner Sicht/Umgebung wiedergeben.
Als Kindergartenpädagoge/in haben Sie in die gesamte gesellschaftliche Entwicklung sicher einen sehr guten Einblick.
Ich bin trotzdem mit den medialen "Ausschlachtungen" immer etwas vorsichtig.
Wenn die Gesellschaft ihre Kinder "abgeben" will um noch mehr Geld zu verdienen, ist das für die Wirtschaft gut. Für die Familie aber eher schlecht. Die Elternschaft wird dadurch wieder stark abgewertet.

ja ne, ist ja grauenvoll die intellektuelle (und soziale) entwicklung von kindern zu fördern...

Prof. Dr. Gerald Hüther - Früh übt sich wenig

Lernprogramme fallen bei Forschern durch: http://youtu.be/g5hcV32c-Zs

guter mann, ja.

Das wichtigste ist das das Kind spielerisch nebenbei lernt, so lernt es natürlich auch viel leichter als wenn die Eltern den Kleinkindern schon sehr früh möglichst viel beibringen wollen. Wichtig ist KEIN Druck zu machen!

Zb. Im Kindebuch Sachen spielerisch zählen und wiederholen (wieviel Vöglein entdeckst du denn auf dieser Seite usw), oder auf Buchstaben zeigen und diese oft nebenbei wiederholen ohne Druck.

Daduch zB schaut meine Tochter (2J) von selbst bei jeder Hausstiege, bei der wir vorbeigehen nach dem Buchstaben der Stiegen und liest diese laut vor und freut sich wahnsinnig wenns richtig war.

ein muss in die massenabfertigung

... sehr schön für ihr kind!!! dass sie ihm zeit und aufmerksamkeit schenken können .....

und wie schafft man das im kindergarten alleine mit 20/24 kindern in der gruppe????
alleine bzw. mit einer halbtägigen assistentin, wie vom gesetz her vorgeschrieben???

und dann soll der kindergarten verpflichtend werden für alle?

außerdem fehlen kleinkindpädagoginnen und somit wird die gruppe von einer assistentin geleitet statt einer pädagogin...

usw.

missstand sondergleichen!!!!

zuerst bitte an den rahmenbedingungen und der qualität arbeiten dann ev. von besuchspflicht usw. sprechen!

Mein Kind geht in Finnland in den Kindegarten, 8 Kinder 3 Betreuerinnen, kein Problem.

Ich bin der Meinung, Kinder sollen ihre Kindheit ausleben dürfen, dafür soll das Schulsystem aber kritisch hinterfragt werden. Eine frühkindliche leistungsbezogene Erziehung der Kinder kann genau das Gegenteil bewirken.
In meiner Kindheit zählte leider nicht das Können der Kinder sondern der Status der Eltern.
Weiteres bin ich der Meinung Kinder brauchen dringend ihre Wurzeln wo sie essentielles für ihr Leben lernen.

lieber hr. kurz

Kein Kind verbessert wegen verpflichtender Kindergartenjahre seine Sprachkenntnisse . Wie schon im 1.Posting betont, kommt es auf die qualität der Betreuung an. Und die gehört endlich professionell gehoben und nicht dem Zufall überlassen. Wo gibt es professionelle sprachförderung in den Kindergärten?

Wo gibt es professionelle sprachförderung in den Kindergärten?

in vielen wiener kindergärten

Doch.
Die Praxis beweist es. Alle meine Schüler (alles Kinder von Migranten), die zumind. 1 Jahr KG und ev noch die VSKL besuchten, verfügen über weitaus bessere Dt.Kenntnisse als jene Jahrgänge, bei denen dies nicht der Fall war.

Niveaulevel

ja das stimmt schon, jedoch der Level sinkt sprich auch die Norm. Die Erwartungen werden massiv hinuntergeschraubt. Da werden heutige kids von Laien als Hochbegabt bezeichnet, welche vor 10 Jahren mit ihren Fähigkeiten noch unterer Durchschnitt waren!

Der Level wird so lange sinken, bis die Kinder über sehr gute Dt.Kenntnisse vor Schuleintritt verfügen.

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