Studie: Frühförderung hilft sowohl Kindern als auch dem Staat

  • Kinder, die eine qualitativ hochwertige Frühförderung besuchten, zeigen eine höhere Lernfreude und Lernbereitschaft.
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    foto: apa/schneider

    Kinder, die eine qualitativ hochwertige Frühförderung besuchten, zeigen eine höhere Lernfreude und Lernbereitschaft.

Leitl: Ausbau aus Budgetplus finanzieren - Kurz will innerhalb von drei Jahren mindestens zweites verpflichtendes Kindergartenjahr

Wien - Investitionen in frühkindliche Betreuung und Förderung nützen sowohl den Kindern als auch der Volkswirtschaft und der Gesellschaft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studienanalyse des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw). Jeder in die Frühförderung investierte Euro bringe volkswirtschaftlich gesehen - je nach Studie betrachtet - den doppelten bis "mindestens den achtfachen Nutzen". Darüber hinaus gebe es Hinweise auf positive Effekte auch auf Gesundheits- und Kriminalitätsentwicklung.

"Investitionen in frühkindliche Betreuung und Förderung bringen zunächst einmal hohe Nutzeneffekte auf Ebene der Kinder, ganz stark im kognitiven Bereich", so Studienautor Kurt Schmid bei einer Pressekonferenz am Montag. So zeigten Kinder, die eine qualitativ hochwertige Frühförderung besuchten, höhere Lernfreude und Lernbereitschaft. "Das überträgt sich in eine höhere Wahrscheinlichkeit eines guten Schulerfolgs." Frühgeförderte Kinder hätten in US-Studien etwa bessere Chancen auf einen Highschool-Abschluss bzw. auf den Besuch eines Colleges gezeigt und seltener Klassen wiederholt bzw. ihre Bildungskarriere abgebrochen. Auch die soziale Integration der Kinder werde tendenziell gefördert.

Vorteile

Diese Effekte übertragen sich einerseits in eine bessere Humankapitalausstattung für die Wirtschaft durch besser ausgebildete Arbeitskräfte. Andererseits erhöhe eine adäquate Betreuung der Kinder die Beschäftigung jener Personen, die sich ansonsten um die Kinder kümmern müssten, also primär von Frauen, betonte Schmid. So steigen etwa die Kaufkraft und die Steuerleistung bzw. sinken Sozialtransfers. Hinweise gab es in den analysierten Studien auch darauf, dass Frühförderung positive Effekte auf die Gesundheit bzw. Kriminalitätsentwicklung hat (z.B. durch weniger Drogenkonsum).

Integrations-Staatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) wiederholte seine Forderung nach zumindest einem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr für alle Kinder, die Förderbedarf aufweisen. Dies sei innerhalb von zwei bis drei Jahren zu realisieren - auch die Einführung des ersten verpflichtenden Kindergartenjahrs habe drei Jahre gedauert. Gerade für Migranten sei dies wichtig: Derzeit könnten rund 80 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund, die nicht im Kindergarten waren, nach Schuleintritt dem Unterricht nicht folgen.

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl will weitere Kindergartenjahre für Kinder mit Förderbedarf durch den Rückgriff auf das Budget finanzieren. "Wir liegen deutlich über den budgetären Planungen - und zwar um Milliarden." Hier gehe es aber lediglich um Millionen. "Wer sagt, er hat das Geld nicht, der versündigt sich an der Zukunft." (APA, 25.6.2012)

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