Freutag, der 13.

13. Juli 2012, 05:30
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Wenn das Unglück zuschlägt, dann gerne richtig. Und so würde mancher am Freitag, dem 13., das Bett lieber erst gar nicht verlassen - doch das wäre schade

Freitag, der 13., hat keinen guten Ruf. Angeblich zieht er das Unglück an. Abergläubische lassen ihr Auto stehen und blicken dreimal in beide Richtungen, bevor sie sich - rechter Fuß voran - auf den Zebrastreifen wagen. Andere trauen sich erst gar nicht aus dem Haus. Denn der an sich normale Wochentag wird zum Alptraum für jene, die unter Paraskavedekatriaphobie leiden. Das schöne Wort leitet sich aus dem Griechischen ab: Paraskave = Freitag, Dekatria = 13, Phobie = Angst.

An einem bis maximal drei Tagen im Jahr fällt der Freitag auf den 13. eines Monats, heuer geschehen im Jänner, im April und am heutigen Freitag. Doch wer bislang nicht in sein Verderben gerannt ist, braucht sich nicht zu wundern: Er schwimmt mit im Strom der langjährigen Statistik. Demnach ist der vermeintlich unheilvolle Tag sogar einer der sichersten.

Eine Analyse der Zurich Versicherung Deutschland zeigt, dass im Vergleich zu allen anderen Wochentagen an Freitagen zwar grundsätzlich die meisten Versicherungsschäden verzeichnet werden. Diese Beobachtung gilt jedoch ausdrücklich nicht für Freitage, die auf den 13. eines Monats fallen: denn diese weisen eine signifikant geringere Zahl von Schadenfällen auf als alle übrigen Freitage im Jahresschnitt. So gingen im Beobachtungszeitraum 2009 bis 2011 an allen Freitagen, die nicht auf den 13. eines Monats fielen, mit rund 2.400 Fällen zehn Prozent mehr Schadensmeldungen ein als an Freitagen, die auf den 13. fielen.

Immer wieder montags

Ganz Ähnliches weiß Erich Leiß, Vorstandsdirektor der Wiener Städtischen, auf Anfrage von derStandard.at zu berichten: "Am Freitag, dem 13. April 2012 gab es weder eine Auffälligkeit zu vergangenen 13., die auf einen Freitag gefallen sind, noch zu herkömmlichen Freitagen." An Freitagen, die auf einen 13. fallen würden, sei die Anzahl an Schäden zwar gegenüber dem Wochendurchschnitt höher - dies liege jedoch am Freitag selbst und nicht am 13., da die Unfallwahrscheinlichkeit an Montagen und Freitagen am größten sei.

Warum? ÖAMTC-Verkehrsexperte Markus Schneider: "Am Freitag überschneidet sich der Pendlerverkehr mit dem Freizeitverkehr und trifft gleichzeitig auf den Erledigungsverkehr." Auf dem Weg ins Wochenende verließen viele Autofahrer ihre gewohnten Routen und seien mitunter auch unkonzentriert, so Schneider im Gespräch mit derStandard.at. Der leichte Anstieg an Unfällen zu Wochenbeginn habe wahrscheinlich auch mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen zu tun, mutmaßt der Experte.

Beim Schadensaufwand ergibt die Hochrechnung der Versicherungen ein absolut durchschnittliches Bild. Leiß: "Generell passieren am Wochenende die wenigsten Unfälle, da weniger Fahrzeuge unterwegs sind. Jedoch sind durch die geringere Verkehrsdichte am Wochenende die Durchschnittsgeschwindigkeiten höher, was sich mit um rund 30 Prozent teureren Durchschnittsschäden als unter der Woche bemerkbar macht." Mit anderen Worten: weniger Unfälle, aber höhere Schäden an Wochenenden.

Eine Anfrage bei der Uniqa ergab, dass zwar spezielle Auswertungen zu Freitag, dem 13., nicht durchgeführt würden, jedoch generell keine Häufung von Schadensfällen an diesem Tag festgestellt werde.

Die Zahl 13 allein steht demnach nicht für einen Unglückstag. Der Glaube mag Berge versetzen, der Aberglaube sicher nicht. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 13.7.2012)

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    In diesem Jahr gibt es den Freitag, den 13., dreimal, am 13. Jänner, 13. April und 13. Juli.

  • Straßenverkehrsunfälle 2011 zum Unfallgeschehen nach Wochentag (Statistik Austria).

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