Im Hausboot in Amsterdam

  • Die Prinsengracht ist der von der Altstadt am weitesten entfernte und mit 3,2 Kilometern längste künstlich angelegte Kanal Amsterdams.
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    foto: massimo borchi / corbis

    Die Prinsengracht ist der von der Altstadt am weitesten entfernte und mit 3,2 Kilometern längste künstlich angelegte Kanal Amsterdams.

  • Anreise: Amsterdam Schiphol ist der viertgrößte Flughafen Europas und das meistgenutzte Einfallstor in die Stadt. Von Wien aus fliegen direkt Austrian Airlines und KLM. Für die Fahrt in das Zentrum Amsterdams empfiehlt sich die Bahn. Schiphol liegt direkt auf dem Schienenweg Amsterdam-Rotterdam, die Züge stoppen entsprechend oft und sind von der Ankunftshalle mittels Rolltreppe oder Aufzug leicht erreichbar. Um 4,30 Euro ist man dann nach drei Zugstopps in 15 Minuten in der Centraal Station. Der rote Backsteinbau, errichtet Ende des 19. Jahrhunderts, ist eines der Wahrzeichen der Stadt.
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    Anreise: Amsterdam Schiphol ist der viertgrößte Flughafen Europas und das meistgenutzte Einfallstor in die Stadt. Von Wien aus fliegen direkt Austrian Airlines und KLM. Für die Fahrt in das Zentrum Amsterdams empfiehlt sich die Bahn. Schiphol liegt direkt auf dem Schienenweg Amsterdam-Rotterdam, die Züge stoppen entsprechend oft und sind von der Ankunftshalle mittels Rolltreppe oder Aufzug leicht erreichbar. Um 4,30 Euro ist man dann nach drei Zugstopps in 15 Minuten in der Centraal Station. Der rote Backsteinbau, errichtet Ende des 19. Jahrhunderts, ist eines der Wahrzeichen der Stadt.

  • Unterkunft: Hotels und kleine Pensionen gibt es in der niederländischen Hauptstadt 
im Überfluss. Zum Beispiel: Hotel Tulip Inn Amsterdam Centre in 
zentraler Lage (3 Nächte im DZ mit Frühstück ab 213 Euro pro Person). 
    foto: tulip inn

    Unterkunft: Hotels und kleine Pensionen gibt es in der niederländischen Hauptstadt im Überfluss. Zum Beispiel: Hotel Tulip Inn Amsterdam Centre in zentraler Lage (3 Nächte im DZ mit Frühstück ab 213 Euro pro Person). 

  • 
Hotel Best Western Blue Tower, 15 Fahrminuten vom Zentrum entfernt (3 
Nächte im DZ mit Frühstück ab 181 Euro pro Person). 
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    foto: best western

    Hotel Best Western Blue Tower, 15 Fahrminuten vom Zentrum entfernt (3 Nächte im DZ mit Frühstück ab 181 Euro pro Person). 

  • Eine günstige 
Alternative: Hotel Ibis Amsterdam Airport in Flughafennähe (3 Nächte im 
DZ mit Frühstück ab 150 Euro pro Person). 
    foto: ibis hotel

    Eine günstige Alternative: Hotel Ibis Amsterdam Airport in Flughafennähe (3 Nächte im DZ mit Frühstück ab 150 Euro pro Person). 

  • Und auf dem Wasser: Amstel 
Botel Hotelschiff mit kostenloser Fähre zum Hauptbahnhof (3 Nächte in 
der Doppelkabine mit Frühstück ab 137 Euro pro Person). 
www.neckermann.at
    foto: botel

    Und auf dem Wasser: Amstel Botel Hotelschiff mit kostenloser Fähre zum Hauptbahnhof (3 Nächte in der Doppelkabine mit Frühstück ab 137 Euro pro Person).
    www.neckermann.at

  • Weitere Informationen: Das typische Grachtenhaus aus dem 17. und 18. Jahrhundert ist schmal 
und tief, weil man Steuern damals nach der Breite der Straßenfront 
zahlen musste. Amsterdam wirkt nicht nur wie ein quirliges, begehbares 
Museum, es hat auch viele: Neben dem wegen Umbaus derzeit nur partiell 
zugänglichen Rijksmuseum mit der Rembrandt-Sammlung ist vor allem das 
Van-Gogh-Museum einen Besuch wert. Wer sich ein Bild machen will, wie es
 sich auf einem Hausboot lebt, kann einen Eindruck im Hausbootmuseum 
Hendrika Maria gewinnen.
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    Weitere Informationen: Das typische Grachtenhaus aus dem 17. und 18. Jahrhundert ist schmal und tief, weil man Steuern damals nach der Breite der Straßenfront zahlen musste. Amsterdam wirkt nicht nur wie ein quirliges, begehbares Museum, es hat auch viele: Neben dem wegen Umbaus derzeit nur partiell zugänglichen Rijksmuseum mit der Rembrandt-Sammlung ist vor allem das Van-Gogh-Museum einen Besuch wert. Wer sich ein Bild machen will, wie es sich auf einem Hausboot lebt, kann einen Eindruck im Hausbootmuseum Hendrika Maria gewinnen.

Aus purer Wohnraumnot sind viele Amsterdamer in den 1970er-Jahren auf das Wasser ausgewichen. Manche von ihnen sind noch immer dort

"Nenn mich einfach Willy, Willy van de Boot!" Der bärtige, wohl auf die siebzig zugehende Hüne - offenes Hemd, eine Kette mit undefinierbarem Zeugs um den Hals, den Rücken leicht gekrümmt - steht auf dem Dach seines Hauses und raucht.

Sein Haus ist ein Boot, eines von insgesamt 2500 Hausbooten, die den Grachten von Amsterdam ihr ganz spezielles Kolorit verleihen. Nicht alle haben eine Lizenz. Willy, der seinen richtigen Namen nicht nennen mag, weil er auch nicht auf Facebook ist und alles schon so sehr überwacht sei, dass man sich nicht auch noch aktiv in die Auslage stellen müsse, macht drei Schritte zum verlassenen Essplatz auf seinem Bootsdach. Zwei Biergläser stehen dort, Schaumreste an den Rändern.

Auch etliche Teller sowie eine Kerze, deren Flamme im Abendwind flackert, sind auf dem Tisch. Die Straßenbeleuchtung rundherum taucht das Boot in ein spezielles Licht und ist halbwegs stark, sodass man die Uhrzeit auf Willys Swatch zu erkennen glaubt. Der Stundenschlag der nahen Westerkerk, die mit 85 Metern über den höchsten Turm Amsterdams verfügt, schafft Gewissheit: 22 Uhr. Ein halbes Leben habe er hier bereits zugebracht, "meistens schön, manchmal auch etwas anstrengend", sagt Willy. Wenn man Pech mit den Nachbarn habe, sei es mitunter nicht so lustig.

Mit Nachbarn meint der Bootsbesitzer die Bewohner der prächtigen Grachtenhäuser, die sich - nur durch die schmale Uferstraße von den an der Kaimauer festgezurrten Hausbooten getrennt - in die Höhe recken. Die Fassaden sind leicht nach vorne geneigt, als habe der Untergrund im Laufe der Jahrhunderte nachgegeben.

Tatsächlich sind die schiefen Außenmauern aber gewollt: Bei Schlechtwetter schlägt der Regen nicht gar so unbarmherzig gegen Fenster und Mauerwerk. Außerdem hilft die Bauweise bei Übersiedelungen: Nachdem die engen, steilen Stiegenhäuser das Schleppen sperriger Güter durch die Häuser unmöglich machen, werden die Möbel mittels Flaschenzug an den dafür vorgesehenen Galgen in die Höhe gehievt und durch die Fensteröffnung in den Innenraum geschwungen. Die gekippten Fassaden vergrößern den Spielraum am Galgen.

Willy hat ausgeraucht, schaut auf die Uhr, nimmt jeden der an Deck befindlichen vier Stühle einzeln in die Hand, lehnt sie an den Tisch, sammelt die Reste ein und ist schon halb im Bootsbauch verschwunden. "Ich glaube, es wird regnen heute Nacht", ruft er noch vom Treppenabsatz und schließt die Luke.

Das Leben auf dem Wasser wurde in Amsterdam in den Siebziger-Jahren des vorigen Jahrhunderts populär - anfangs noch aus purer Not. "Immer mehr Leute zogen in die Stadt, fanden aber nichts Adäquates zum Wohnen", sagt Cor Ligthert. Breitbeinig steht er hinter dem Empfangstresen der Hendrika Maria, verkauft Eintrittstickets und verteilt in Plastikfolie verschweißte Infoblätter.

Sein 1914 gebauter Kahn diente einst als Frachtschiff, bis er 1960 in ein Hausboot umfunktioniert wurde. Wo früher Kohle, Sand und Kies lagerten, wird heute unter anderem Kaffee serviert. Ligthert spricht englisch, wenn Mr. und Mrs. Jones aus New Jersey einen Blick hineinwerfen wollen. Er spricht französisch, wenn Yvonne aus der Dordogne hereinschneit. Und er spricht deutsch, wenn Uwe aus Hamburg herausfinden will, ob so ein Hausboot nicht auch etwas für ihn wäre.

100 Kilometer Wasserweg

Die Hendrika Maria ist heute ein Hausbootmuseum. Fest verankert liegt es an der Prinsengracht. Sie ist eine der prominentesten unter den mehr als hundert künstlich angelegten Kanälen, die Amsterdam, die Stadt an der Amstel, wie ein Spinnennetz durchziehen. Insgesamt sind die Wasserwege durch Amsterdam fast hundert Kilometer lang.

Also, wie war das mit der Wohnungsnot? "Die gibt es noch immer", sagt Ligthert, "daran hat sich bis heute nichts geändert." Fünf Tage pro Woche gibt er das sprechende Lexikon im Hausbootmuseum. Die Nächte und Wochenenden verbringt der mittlerweile 30-Jährige mit Freunden auf einem eigenen Hausboot in der Nähe. Auch schon seine Kindheit und Jugendjahre hatte er mit seinen Eltern auf einem Grachtenboot verbracht. "Einmal Hausboot, immer Hausboot", sagt Ligthert.

Er freut sich über seinen Besitz, denn für Hausboote werden heute keine neuen Lizenzen ausgegeben. Allerdings können bestehende Lizenzen am Wasser gehandelt werden. Das wird auch rege in Anspruch genommen, wobei jede einzelne Transaktion genehmigungspflichtig ist. "Die Stadt muss ihre Zustimmung geben, sonst läuft das nicht", erklärt Ligthert. Zurzeit gibt es exakt 2256 legale Hausboote in der Stadt. Davon haben rund 900 einen Liegeplatz im Zentrum Amsterdams.

Untrennbar verbunden ist die Amsterdamer Hausbootszene mit der Hippiebewegung. Liebe, Sex & Rock 'n' Roll lautete damals die Devise - und das alles auf wenigen Quadratmetern mitunter schwankender Bootsfläche. "Das war weit vor der Zeit, als die Stadt mit Ausgabe von Lizenzen versucht hat, etwas Ordnung in die Sache zu bringen", erklärt Ligthert. Anfangs sei es der Freiheitsgedanke gewesen: In den eigenen vier Wänden leben zu können - das habe viele junge Leute bewogen, den Schritt auf das Wasser zu machen. Viele der Hippies hätten ihren Platz längst schon in der Gesellschaft gefunden und seien im Laufe der Zeit gesettelt und wohlhabend geworden. "Jetzt sind es vor allem Young Professionals, die auf Hausbooten zu finden sind", sagt Ligthert. "Du brauchst viel Geld, um dir das leisten zu können."

Wasser, Strom, Gas, Kabel-TV, Internet - wer in einem Hausboot wohnt, muss hinsichtlich Komfort kaum noch Abstriche machen. Das Brauchwasser landete früher in der Gracht. Dass es nicht zum Himmel stank, verdankte sich dem Umstand, dass die Kanäle zweimal am Tag durch Schleusenöffnung geflutet wurden. Inzwischen ist das "Entwässern" in die Kanäle verboten.

Es sei eine Art "Work in Progress", meint Herta. Sie spricht deutsch, englisch und spanisch. Bei Bedarf kann sie auch noch ein paar Brocken Russisch dazwischenstreuen. Herta arbeitet als City-Guide. Eine Amsterdam-Tour ohne Grachtenfahrt, meint sie, sei wie ein Venedig-Besuch, bei dem man kein einziges Mal mit dem Vaporetto gefahren ist. Gondeln wie am Originalschauplatz sucht man im "Venedig des Nordens", wie Amsterdam auch genannt wird, allerdings vergeblich. Es gibt sie schlicht nicht.

Fahrräder füllen die Grachten

Eine Art "Work in Progress" sei es, weil noch immer nicht jedes Hausboot an die öffentliche Kanalisation angeschlossen sei. "Die Grachten sind im Durchschnitt knapp drei Meter tief - ein Meter Wasser, ein Meter Schlamm und ein Meter an Fahrrädern, die im Lauf der Jahrzehnte in den Kanälen gelandet sind."

Wenn die Hausboote die Grachten prägen, sind es die Fahrräder, die das Stadtbild dominieren. Offiziellen Schätzung zufolge kommen mehr als 600.000 Fahrräder auf die rund 780.000 Einwohner. Amsterdam gilt nicht zu Unrecht als die Fahrradmetropole Europas. Auch die Hausbootbewohner treten in die Pedale, wenn sie Besorgungen machen.

Ligthert, der Museumsmann auf der Hendrika Maria, kann einige Geschichten von Konflikten mit Bewohnern der nahen Grachtenhäuser erzählen. Viele von ihnen fühlten sich um den schönen Ausblick und um einen eigenen Bootsanlegeplatz gebracht. Ein häufiger Streitgrund ist auch die Rauchentwicklung beim Heizen im Winter. "Mit etwas Respekt und Entgegenkommen lässt sich das aber lösen", so Ligthert.

Dasselbe gelte für den Verkehr auf den Grachten. Boote dürften nicht schneller als 7,5 km/h fahren. Manche ignorieren das - mit der Folge, dass die Hausboote ins Schaukeln geraten. Willy van de Boot, der mit dem falschen Namen, hat auf seinem Boot inzwischen finster gemacht. Im Schein der Straßenlaterne schaukelt sein Haus leicht hin und her. (Günther Strobl, Album, DER STANDARD, 23.6.3012)

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