Trendsport Klettersteige: Immer mehr - immer schwerer

  • Hoher Funfaktor bei größtmöglicher Risikominimierung, Klettersteige sind Ausdruck des alpinistischen Zeitgeists.
    foto: standard/neuhold

    Hoher Funfaktor bei größtmöglicher Risikominimierung, Klettersteige sind Ausdruck des alpinistischen Zeitgeists.

Der Klettersteigsport boomt. Manche Eisenwege sind an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Fallweise werden bereits Ausweichrouten gebaut. Manche der neuen Steige sind laut Alpenverein aber schlicht zu schwierig

Salzburg - Ob durch die Dachstein-Südwand auf den Dachsteingletscher oder über den Burgfelsen der Riegersburg direkt in die Burgtaverne - kaum ein Gebirgsstock in Österreich, durch dessen Wände sich nicht mindestens ein Klettersteig zieht. Rund 300 solcher Eisenwege gibt es laut Alpenverein derzeit in Österreich. Tendenz stark steigend. Klettersteige liegen voll im Trend.

Begonnen hat alles Mitte des 19. Jahrunderts auf dem Dachstein. Der Alpinpionier Friedrich Simony ließ den Normalweg auf den Dachstein mit Eisenseilen und Trittbügeln sichern. Viele andere Berge sollten in der Folge auch für Normalbergsteiger und Nichtkletterer zugänglich gemacht werden.

Start in den 1980er-Jahren

Dass sich die Klettersteigerei als eigene Spielart des Alpinismus quasi verselbstständigt hat, hat dann erst in den 1980er-Jahren begonnen, als in Italien ehemalige Kriegssteige in den Dolomiten zu touristisch interessanten Routen ausgebaut worden waren. An den Ausgangspunkt des Booms erinnert bis heute die weitverbreitete italienische Bezeichnung " Via ferrata" - Eisenweg. Entlang eines Drahtseils, das meist zur Sicherung, aber auch zur Fortbewegung dienst, geht es über natürliche wie auch künstliche Tritte und Griffe meist ziemlich luftig aufwärts.

Heute ermöglichen die Klettersteige vor allem Nichtkletterern und Alleingehern das Erleben der Senkrechten im steilen Fels bei möglichst geringem Risiko. Die Sportartikelindustrie hat reagiert und neue Sicherungsgeräte mit eigenen Falldämpfern entwickelt, die im Sturzfall zumindest einen Teil der frei werdenden Kräfte absorbieren. Jüngste Innovation am Markt: bei Sturz automatisch blockierende Sicherungskarabiner.

Kapazitätsgrenzen

Manche Klettersteige erleben einen derart großen Zulauf, dass sie längst an der Kapazitätsgrenze angelangt sind. Der "Drachenwand-Steig" am oberösterreichischen Mondsee etwa wird an einem schönen Wochenende von rund 1000 Bergbegeisterten regelrecht gestürmt. Der Ansturm ist so groß, dass im benachbarten Höllengebirge mit dem "Attersee-Steig" eine Ausweichroute in den Fels gelegt worden ist.

Die Seilbahnwirtschaft hat den Trend auch erkannt. In der näheren Umgebung vieler Bergstationen wurden Klettersteige errichtet; so etwa am Feuerkogel im oberösterreichischen Ebensee oder auch auf der Katrin hoch über Bad Ischl.

Die Investitionssummen halten sich jedenfalls in Grenzen. Der " Drachenwand-Steig" etwa hat in Summe gerade einmal 50.000 Euro gekostet.

Extreme Routen

Neben der rasanten Zunahme der Anzahl an Klettersteigen ist noch eine weitere Tendenz festzustellen. So mancher Errichter versucht durch immer spektakulärere Varianten die Schwierigkeit des Steigs zu erhöhen.

Eine Entwicklung, die der Alpenverein ablehnt: "Wer extrem klettern will, der braucht keine Eisenversicherung", hält Vizepräsident Andreas Ermacora in der aktuellen Ausgabe der AV-Zeitschrift bergauf fest. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 25.6.2012)

Bewertungsskala 

Die Angabe der Schwierigkeit eines Klettersteigs erfolgt in Österreich in Buchstaben. "A" steht für leicht, "B" für "mäßig schwierig", "C" für schwierig und so weiter. Die Bewertungsskala endet mit "E" für "extrem schwierig". Die Gesamtbewertung eines Steigs erfolgt nach dem anspruchsvollsten Teil - der Schlüsselstelle. Jüngste Tendenzen, die technischen Anforderungen noch weiter nach oben zu verschieben, erforderten eine Ausweitung der Skala auf den Buchstaben "F".

Share if you care