BIZ sieht Notenbanken an Grenze der Belastbarkeit

24. Juni 2012, 18:19

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sieht schwarz, laut aktuellem Jahresbericht wächst das Risiko neuer Krisen

Frankfurt/Basel - Die wegen der Finanz- und Schuldenkrise seit fünf Jahren aus allen Rohren feuernden Zentralbanken sind nach Ansicht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bald an den Grenzen ihrer Belastbarkeit angekommen. Da in vielen Volkswirtschaften hohe Arbeitslosigkeit und schwaches Wirtschaftswachstum herrschten, scheine es zwar "naheliegend und unvermeidlich", dass Fed, EZB & Co. ihre Politik des billigen Geldes noch für eine Weile fortsetzen müssen. "Die Gefahr, die Geldpolitik zu überlasten, nimmt jedoch zu", warnt die BIZ in ihrem am Sonntag in Basel veröffentlichten Jahresbericht.

Die europäischen Banken drohen wegen des mangelnden Vertrauens der Finanzmärkte in einen Teufelskreis zu geraten. Sie müssten immer größere Teile ihrer Anlagebestände als Sicherheit anbieten, um noch Käufer für neue Anleihen anzulocken, heißt es im Jahresbericht der BIZ weiter.

Doch das ginge im Fall einer Pleite zulasten der unbesicherten Gläubiger und mache daher besicherte Schuldtitel umso begehrter. "Und wenn sich private Mittelgeber aus den Märkten zurückziehen, setzen die Banken Sicherheiten ein, um sich verstärkt über die Zentralbank zu refinanzieren, womit sie ihre Bilanzen noch mehr belasten", beschreibt die Baseler "Zentralbank der Zentralbanken" das Dilemma. Dies mache die Geldhäuser noch verwundbarer für externe Schocks.

Aktiva

Nach Branchenschätzungen sei im vergangenen Jahr ein Fünftel aller Aktiva der Banken in Europa hinterlegt worden, um an neue Refinanzierungsmittel zu kommen - unter anderem von Notenbanken, erklärte die BIZ. Bei den griechischen Banken sei es sogar ein Drittel. Bei Banken in Irland, Italien und Portugal habe sich der Anteil belasteter Aktiva von 2005 bis 2011 verdoppelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im Dezember und im Februar 2012 gegen Sicherheiten insgesamt eine Milliarde Euro an Kreditinstitute verliehen, um deren Geschäft in Schwung zu halten. Es gebe Anzeichen dafür, dass den Banken allmählich die nötigen Sicherheiten von ausreichender Qualität ausgingen, so dass sie mehrfach belegt würden, warnt die BIZ. "Die Mehrfachverwendung von Sicherheiten ist zwar ein Schmiermittel für Finanztransaktionen, sie untergräbt jedoch die Systemstabilität."

Die BIZ malt einmal mehr ein düsteres Bild von der Lage der Bankenbranche. In diesem Jahr ähnele der Zustand des Sektors "wieder demjenigen nach dem Kollaps von Lehman Brothers" 2008, heißt es in dem Bericht. Viele Banken hingen am Tropf der Zentralbanken. Auch die Märkte gingen nicht davon aus, dass die Krise überstanden sei. Trotz der doppelten Geldspritze der EZB seien die Kreditausfallversicherungen (CDS) für Banken im Euro-Raum im Frühjahr so teuer - oder sogar noch teurer - gewesen als im Herbst 2008.

Kein Vertrauen

"Auch die Banken selbst vertrauen einander nicht mehr, insbesondere im Euro-Raum", schlägt die BIZ Alarm. In ihren Bilanzen steckten immer noch belastende Bestände an faulen Aktiva, vor allem riskante Staatsanleihen aus den Ländern am Rand der Euro-Zone schürten das Misstrauen. Bei vielen Instituten, die dort ihren Sitz hätten, seien diese Bestände sogar höher als das Kernkapital. Auch an der Stichhaltigkeit der Methoden, mit der viele Banken ihre Bilanzrisiken bewerten, hegen die Experten der BIZ Zweifel.

Einen Ausweg aus der Krise biete nur eine beschleunigte Sanierung der Bilanzen, schreibt die BIZ. Denn zurzeit seien die Geldhäuser oft zu nachsichtig mit säumigen Schuldnern, um sie über Wasser zu halten und eigene Abschreibungen zu vermeiden. Das gehe aber auf Kosten der soliden Kreditnehmer. "Sobald die Banken Verluste aus notleidenden Aktiva ausgewiesen und ihr Eigenkapital wieder aufgestockt haben, werden ihre Bilanzen solider und transparenter sein." Erst dann könnten sie sich auch unbesichert wieder Finanzmittel beschaffen.

Die Staaten müssten entsprechenden Druck auf die Banken ausüben und ihnen mit Eigenkapitalspritzen aus dem Steuersäckel helfen, fordert die BIZ. Langfristig müsse sich die öffentliche Hand aber wieder aus dem Sektor zurückziehen.

Beruhigung

Die Notenbanken in aller Welt haben seit Ausbruch der Krise 2007 nicht nur über Zinssenkungen und hohe Liquiditätsspritzen versucht die Lage zu beruhigen, sondern auch durch den Ankauf von Wertpapieren. Im Falle der EZB sorgte etwa der Kauf von Staatsanleihen überschuldeter Euro-Länder für heftige Kritik vor allem aus Deutschland. "Berücksichtigt man auch die beispiellose Ausweitung der Zentralbankbilanzen, so ergibt sich das Bild einer deutlich stärkeren Lockerung des geldpolitischen Kurses", schreibt die BIZ.

Und sie rechnet vor: "Die von den Zentralbanken insgesamt gehaltenen Aktiva haben sich in den letzten vier Jahren mehr als verdoppelt und erreichten Ende 2011 rund 18 Billionen Dollar." Das viele Geld führte unter anderem zu Kapitalflüssen aus den Industrie- in die Schwellenländer mit teils schädlichen Nebenwirkungen für deren Exporte. Zudem besteht nach Ansicht der BIZ die große Gefahr, dass sich der Finanzsektor durch die enormen Liquiditätsmaßnahmen zu riskanten Wetten an den Börsen verleiten lässt - mit unabsehbaren Folgen.

Billiges Geld der Notenbanken, das zu lange in Umlauf ist, kann schwere Nebenwirkungen haben: Eine durch die jahrelange laxe Geldpolitik der Federal Reserve mitverursachte Blase war 2007 im US-Bausektor geplatzt und hatte damals die erste Finanzkrise ausgelöst. Diese war dann nach Europa geschwappt, hatte einige Banken in schwere Turbulenzen gestürzt und war nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 in eine weltweite Vertrauenskrise samt tiefer Rezession umgeschlagen.

Vertrauen

Eine halbwegs gute Nachricht haben die BIZ-Ökonomen immerhin was das Vertrauen von Bürgern und Märkten in die Geldpolitik angeht: "Die Stabilität der Inflationserwartungen lässt darauf schließen, dass die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken nach wie vor hoch ist." Jedoch dürfe dies nicht als selbstverständlich vorausgesetzt und derart missinterpretiert werden, dass die Notenbanken noch viel Spielraum für weitere geldpolitische Lockerungsübungen hätten. "Ein Teufelskreis könnte entstehen, bei dem die Diskrepanz zwischen dem, was von den Zentralbanken erwartet wird, und dem, was sie tatsächlich leisten können, immer größer wird."

Inflation

Dies könnte nach Lesart der BIZ auch dazu führen, dass sich der Rückzug der Zentralbanken aus den Krisenmaßnahmen länger hinzieht als dies wegen der möglichen Nebenwirkungen ihrer Politik wünschenswert wäre. Zweifel an der Bereitschaft der Zentralbanken, das von ihnen in Umlauf gebrachte Geld eines Tages wieder einzusammeln, könnten zudem dazu führen, "dass die Inflationserwartungen global allmählich aus ihrer Verankerung gerissen werden", heißt es in dem Bericht, der jedes Jahr anlässlich der Generalversammlung der BIZ im Sommer publiziert wird.

Bei dieser Gelegenheit Notenbanker aus aller Welt in Basel zusammen und beraten über die Lage der Weltwirtschaft und des globalen Finanzsystems. Mit dabei sind prominente Vertreter von Fed, EZB und Bank von England. Die wichtigsten westlichen Zentralbanken stehen kurz vor einer neuen Runden von Stützungsmaßnahmen: Die Bank of England hätte beinahe schon Anfang dieses Monats erneut die Notenpresse angeworfen und auch Fed-Chef Ben Bernanke ist drauf und dran, ein drittes Mal für viele Milliarden Dollar Staatsanleihen zu kaufen und auf diese Weise die darbende US-Wirtschaft mit Geld zu fluten. Bei der EZB scheint Anfang Juli eine weitere Zinssenkung möglich.

Die BIZ fungiert als Plattform des Austausches für Notenbanker in aller Welt. Sie wurde zunächst zur Abwicklung der deutschen Schulden aus dem Ersten Weltkrieg gegründet, übernahm aber später zunehmend andere Aufgaben. Unter anderem verwaltet sie heute einen nicht unbeträchtlichen Teil der Goldreserven zahlreicher Zentralbanken. (APA/Reuters, 24.6.2012)

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22 Postings
Ich bezweifle sehr,

dass Europa, die USA, Japan, oder China in absehbarer Zeit zu einer soliden Geld- und Finanzpolitik zurückkehren werden/könnten.

Denn eine solche wüde eine weltweite deflationäre Depression verursachen und in Folge eine Pleitewelle, die rasend über die Welt läuft. Was das politisch und gesellschaftliche bedeuten würde, ist jedem vermutlich klar.

Werden unsere Politiker also das JETZT in Gang setzen? Ich weiß nicht. Wir werden es aber vermutlich bald wissen.

"Auch die Banken selbst vertrauen einander nicht mehr, insbesondere im Euro-Raum",

Endlich verstehen die Banken, wie es uns Kunden geht. Wir vertrauen den Banken auch nicht mehr...

An die Redaktion

"Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im Dezember und im Februar 2012 gegen Sicherheiten insgesamt eine Milliarde Euro an Kreditinstitute verliehen, um deren Geschäft in Schwung zu halten."

es waren insgesamt 1 Billion €.

bitte korrigieren

Vor wenigen Jahren hat man in Europa noch über die FED gespottet

als größter "BadBank" der Welt. Und in den Mainstream-Medien ob der US Schulden den baldigen Untergang der USA prpphezeit während unser Modell ja ach so gut sei. Mittlerweile ist die EZB Bilanzsumme weit höher als die der FED und vollgestopft mit Südeuropa-Mist. Zusätzlich(!) haben einzelne Notenbanken des Nordens wie die Bundesbank noch viele hunderte Milliarden über TARP im Feuer im Süden. Wir werden den Wettlauf mit den USA und Japan bezüglich totalem Wohlstandsverlust deutlich gewinnen und als erste durch's Ziel der von den Internationallisten gemalten Zielliene der globalen Gleichverteilung des Wohlstandes - unterhalb der Bankierskaste - laufen. Endlich haben wir dann die Nationalstaaten überwunden und arbeiten alle für ESM & Co.

von den Internationallisten ...

wen bzw. welche guppierung/en meinen sie damit?

...schad, dass dieser artikel erst einmal "gefunden" werden möchte...

..war in letzter zeit durchaus angfressen ob der beschönigenden berichterstattung. mit diesem artikel kann man sich einmal selbst ein bild der lage machen...umso lachhafter erscheinen in diesem licht die tagtäglichen wortspenden der politik. eine der renomiertesten denkfabriken, club of rome, sehen die selben, bedenklichen entwicklungen auf sozialer ebene und sie schrecken nicht damit zurück, selbst vor bürgerkriegen zu warnen....

zieht euch warm an!

Auch die Banken selbst vertrauen einander nicht mehr, insbesondere im Euro-Raum

ja der Euro-Raum ein Erfolg, Alternativlos, Dank an die Politiker die ihn eingeführt haben.

Der Schilling war immer nur durch die Kopplung an die D-Mark strak, nie aus eigener Kraft.

Österreich hat wirtschaftlich sehr vom Euro profitiert - Deutschland auch. Jetzt gibt es ein paar Probleme.....doch diese "früher war alles besser" Aussagen sind infantil.

kein mensch und schon gar kein land hat vom euro profitiert - die einzigen die davon profitieren sind die goldmänner die sich den schmarren einfallen haben lassen, und die von der währungsbasierten umverteilung zehren.

wie soll ein land bitteschön von einer währung profitieren, die es sich mit wirtschaftlich völlig inhomogenen währungpartnern teilt? das geht nicht, weil eine währung wie ein massanzug für eine wirtschaft ist - da gibt es kein "one fits all", ganz abgesehen davon, daß die private dollarwährung "euro" auch nur ein kind des internationalen geldmonopols ist, und ausschließlich dessen interessen dient.

jetzt wird die krise genutzt um die einzelnen länder europas endgültig zu entmachten und unterzuordnen - das ist abzulehnen

sinngemäß besagt dieser artikel:

trotz aller bemühungen gelingt es uns seit 2008 nicht die märkte zu beruhigen und deren vertrauen zurückzugewinnen.

wir leben in interessanten zeiten.
da muß der geldgeber (staat), dem total überschuldeten gläubiger (bank) jeden tag aufs neue beweisen, dass er noch geld hat.

Soso

Der Staat ist also der Geldgeber und die Banken die Gläubiger ...

4500 milliarden euro können nicht lügen.

soviel wurde seit die gebrüder lehmann 2008 die krise bekammen, in den europäischen finanzmarkt gepumpt.

Wenn Du über Jahre hinweg alte Schulden......

.....mit neuen tilgst- was passiert dann? Das, weswegen Madoff zu 100 Jahren Haft verurteilt wurde. Ganz einfach ist das, wenn man den Weihrauch und das unqualifizierte Geschwätz weglässt.

Das ist leider nicht eine Frage des Intellektes

Denn jeder halbwegs intelligente Mensch kann das verstehen, sogar mittelmäßige Provinzpolitiker.

Das ist eine Frage der Psychologie der Menschen und besonders des Verhaltens in Massen (in Herden).
Wenn sich eine Massenmeinung langsam durchsetzt, dann kann sie für den Einzelnen noch so schwachsinnig erscheinen, sie wird sich IMMER durchsetzen!

SO ist es auch mit dem endlosen Schuldenmachen passiert.

Zentralbanken sind nicht die Loesung, Zentralbanken sind das Problem.

Da krieg ich jetzt sicher wieder hundert Mal rot. Aendert aber nix daran, dass die Zentralbanken jedesmal den Zuendfunken fuer Bubbles liefern.

Sie starten die Party mit einem guten Schuss monetaerem Alkohol, und wenn dann der grosse Kater kommt, bekaempfen sie ihn mit noch mehr Alkohol.

Die ganze Weltwirtschaft haengt schon am Tropf dieser Giftmischer.

Natürlich sind die Zentralbanken das Problem, keine Frage

Aber das aktuelle Problem ist, dass wir die Zentralbanken (den Teufel) nicht mehr loswerden, weil wir ihnen unsere Seelen verkauft haben.

Ja, die Ausnuechterung wuerde verdammt hart.

Die USA schon schwerer Alkoholiker, die Europaer zur Zeit in einer Identitaetskrise mit massivem Alkoholmissbrauch, und China als Gastgeber der juengsten Party leider auch schon auf dem Weg zum ersten Geldvollrausch. Japan saeuft daheim still und heimlich vor sich hin und so fort ...

Ja, aber nur, weil die "Kunden" (=Banken) der Zentralbanken immer mehr saufen, und dann, wenn sie völlig dicht sind, auch noch ins Wettbüro um's Eck zocken gehen ...

schoen gesagt ;-)

Notenbanken an Grenze der Belastbarkeit

Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe dann heißt das für mich "wenn sich die Finanzsituation in Europa nicht bald zum Besseren ändert, dann steht der ziemlich unausweichliche Crash bald bevor".

Ähhh, ist der nicht eh schon da??

Kein Vertrauen in die EZB

"Die Stabilität der Inflationserwartungen lässt darauf schließen, dass die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken nach wie vor hoch ist."

Als könnten die EZB die Inflation beeinflussen, wenn die Konsumnachfrage und die Investitionen fehlen.

Vielmehr ist das Vertrauen in die EZB weg, weil sie trotz massiver und kreativer(!) (bereits) jahrelanger Anstrenungen $ - vier - Jahre) NICHT in der Lage ist die Situation zu beruhigen.

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