Leises Plätschern zwischen den Zeilen

24. Juni 2012, 17:48
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Die Bühnenfassung von Daniel Glattauers Roman "Alle sieben Wellen" erzählt nun auch in Graz die Geschichte von Emmi und Leo, etwas rasant, weiter

Graz - "Ich ziehe mich aus deinem Leben zurück. Ich schreibe dir (bald!) keine E-Mails mehr", verspricht Emmi ihrer virtuellen Liebe Leo. Und Theaterbesucher ahnen, was die Leser von Daniel Glattauers Romanen Gut gegen Nordwind und Alle sieben Wellen längst wissen: Die gute Emmi wird das nicht durchhalten. Sie hat sich verliebt. Und der Mann, dem sie schreibend nähergekommen ist, lässt ihr auch nach längerer Funkstille keine Ruhe.

Am Samstagabend hatte Ulrike Zemmes Bühnenfassung des zweiten Teils der Liebesgeschichte zwischen Leo Leike und Emmi Rothner, die zufällig im Netz beginnt, am Grazer Schauspielhaus Premiere. Alle sieben Wellen - 2010 schon in den Wiener Kammerspielen zu sehen - wurde nun von Stefan Behrendt ohne große Eingriffe, aber sehr gestrafft inszeniert. Diesmal bespielt man gleich die große Bühne des Hauses, nachdem Gut gegen Nordwind in Graz wegen des großen Erfolgs mehrmals verlängert und von der kleinen Ebene 3 auf die Hauptbühne umgesiedelt werden musste.

Steffi Krautz trifft den Ton der liebenswürdig hartnäckigen Emmi meistens sehr gut. Nur wenn sie zu getragen wird, tut sie der spritzigen Figur nicht gut.

Sebastian Reiß gibt den sympathischen Leo, den er in Gut gegen Nordwind fliegend von einem Schauspieler übernehmen musste, unaufgeregt überzeugend. Der Kampf gegen die eigenen Gefühle ist ebenso witzig und rührend wie betrunkene Ehrlichkeitsanfälle.

Behrendt lässt die erste Begegnung des Paares abseits vom Netz pantomimisch ablaufen. Beim ersten Treffen setzen sie sich dicke Stoffbären wie tollpatschige Plüschavatare an den Kaffeehaustisch. Ein schönes Bild für die freundliche Belanglosigkeit der Plauderei, mit der beide ihre Unsicherheit in Watte packen.

Die dialogische Form der E-Mail-Romane eignet sich gut für die Bühne. Doch wie schon beim ersten Teil bleibt viel, was sich zwischen den beiden langsam entspinnt, auf der Strecke.

Protest vor dem Theater

Trotz ausgezeichneter Schauspieler nimmt einen die siebente Welle, von der Emmi schreibt, eine Welle, nach der nichts ist, wie es vorher war, auf der Bühne nicht so mit wie beim Lesen. Sie plätschert nur. Denn gerade auch das Lesen zwischen den Zeilen macht die Geschichte aus: Diese Buchstaben, die Leo immer anders zuzwinkern. Kurzweilig ist der Abend dennoch. Das Publikum quittierte die letzte Premiere der Saison mit langem Applaus.

Den letzten Auftritt der Saison hatten auch Gewerkschafter, die vor dem Theater Flyer in Form von Eintrittskarten verteilten. "Wann fällt der Vorhang für Voves, Schützenhöfer und Buchmann?", steht darauf zu lesen. Die Nulllohnrunde für alle Grazer Theaterbeschäftigten ist der Grund für den Ärger, mit dem sie in die Sommerpause gehen. Emmi und Leo werden jedenfalls im Herbst wieder da sein. (Colette M. Schmidt/DER STANDARD, 25.6. 2012)

  • Steffi Krautz wartet als Glattauers Emmi Rothner ungeduldig mit ihrem 
plüschigen Alter Ego auf ihre siebente Welle.
    foto: lupi spuma

    Steffi Krautz wartet als Glattauers Emmi Rothner ungeduldig mit ihrem plüschigen Alter Ego auf ihre siebente Welle.

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