Tausende Radfahrer im neuen Pfändertunnel

24. Juni 2012, 17:45
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Einen Tag vor der Eröffnung ließ die Asfinag auf Druck der Grünen das Volk per Rad in den 6,7 Kilometer langen Tunnel

Bregenz - Sonntagmorgen vor dem Pfändertunnel: Es staut. Vor dem Portal stehen aber nicht wie täglich morgens und abends Autos und Lastwagen, sondern gut gelaunte Radfahrer. Während sich die Autoschlange wie gewohnt durch die alte Tunnelröhre wälzt, begehren tausende Menschen auf zwei Rädern Einlass in die neue Röhre.

Am Vortag der offiziellen Verkehrsfreigabe gehörte der neue Tunnel kurzfristig den Radlern. "Wenn wir uns schon einen Tunnel für mehr als 200 Millionen leisten, wollen wir uns den auch anschauen dürfen", lautete die oft gehörte Begründung für den Sonntagsausflug. Die Radtour, an der, so die Schätzung der Asfinag, rund 4000 Menschen teilnahmen, verlief - abgesehen von einigen Platten - ohne Zwischenfälle.

Asfinag erteilte zunächst keine Erlaubnis

Zustande kam die Tour durch politischen Druck. Ursprünglich hatte die Bezirks-VP die Idee zur Tunnelbesichtigung per Rad. Weil sich aber zum Parteiausflug mehr als 300 Menschen angemeldet hatten, machte die Asfinag einen Rückzieher. Begründung: Man könne die Sicherheit einer so großen Gruppe nicht gewährleisten.

Worauf die Grünen die spöttische Frage stellten, wie es denn um die Sicherheit der Autofahrer bestellt sei, wenn die Asfinag nicht einmal 300 Radler sicher durch den Tunnel bringe. Die Grünen drohten ihrerseits mit einer Radtour am Eröffnungstag: "Wir befahren unseren Tunnel, wann und wie wir wollen."

"Das Volk hat eine Freude"

Die Asfinag reagierte auf das Ultimatum Tunnelöffnung oder Demo und stellte die "notwendigen Rahmenbedingungen für die Sicherheit im Baustellenbereich" her. Der Tunnel wurde für zwei Stunden geöffnet. Einmal Bregenz-Lochau und retour ging sich aus. Einen Tag vor der offiziellen Eröffnung durch Bundes- und Landespolitiker nahmen klingelnde und jubelnde Radler den Autobahntunnel in Betrieb. "Das Volk hat eine Freude", quittierte Grünen-Chef Johannes Rauch lachend das Geschehen. Er verstehe die Tour als Kundgebung für den Fahrradverkehr, die Botschaft laute: mehr Geld für Alltagsradverkehr.

Der 6,7 Kilometer lange Tunnel kostete laut Asfinag 205 Millionen Euro. Gebaut wurde an der zweiten Röhre seit 2007. Täglich fahren 28.000 Fahrzeuge durch den Pfändertunnel, die seit 1980 bestehende Autobahnverbindung zwischen Lochau und Bregenz ist chronisch überlastet. Am täglichen Stau wird sich auch nach der Inbetriebnahme der zweiten Röhre in der Nacht von Montag auf Dienstag nichts ändern. Denn mit der Öffnung der neuen Röhre wird der alte Tunnel zur Sanierung geschlossen. Die Arbeiten werden bis Mitte 2013 dauern. Die Grünen warnen vor Verkehrszunahme durch den zweiröhrigen Tunnel. (Jutta Berger, DER STANDARD, 25.6.2012)

  • Im Tunnel auf zwei Rädern: Noch vor den Politikern nahm das Volk die zweite Pfändertunnel-Röhre in Augenschein.
    foto: dietmar stiplovsek

    Im Tunnel auf zwei Rädern: Noch vor den Politikern nahm das Volk die zweite Pfändertunnel-Röhre in Augenschein.

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