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Tunesien erlebte keine Revolution, sondern "einen Staatsstreich" hinter dem "geheime Hände" stecken. So zumindest sieht es Leila Trabelsi, die Ehefrau des gestürzten Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali. "Die Regentin von Carthage" – wie das Volk die gelernte Friseurin nennt – gibt in einem vergangenen Woche erschienenen 200-seitigen Buch mit dem Titel "Ma vérité" - "Meine Wahrheit" – zum Besten, wie sie die Tage rund um den 14. Januar 2011 erlebte. Die 56 Jährige stand von ihrem saudi-arabischen Exil aus dem französischen Journalisten Yves Derai per Skype Rede und Antwort.
"Sicher wussten wir, dass wir einen schwierigen Augenblick durchlebten, aber ich war weit davon entfernt zu glauben, dass die Lage eskalieren könnte, oder gar, dass wir nur wenige Stunden später abreisen würden", erklärt Trabelsi, die auf dem Deckblatt mit einem weißen Tuch im traditionellen, sahrauischen Stil und einer Sonnenbrille zu sehen ist. Es war Freitag der 14. Januar 2011. Seit Dezember breiteten sich die Proteste im ganzen Land aus. Längst hatten sie auch die Hauptstadt Tunis erreicht. Zehntausende zogen an jenem 14. durch zum Innenministerium.
Ausgeflogen nach Saudi Arabien
In einem der Präsidentenpaläste an der Küste hatte sich Ben Ali, dessen Frau Leila und mehrere Angehörige des Clans rund um die beiden versammelt. "Mein Mann und ich versuchten – auf uns alleine gestellt – die Lage zu verstehen."
Es war der Chef der Präsidentengarde, Ali Seriati, der auf die Idee kam, die Familie nach Saudi Arabien auszufliegen. "Ben Ali gab schließlich nach." Es sollte nur für einige Tage sein. Die Familie – so die Idee – sollte offiziell zu einer Pilgerfahrt nach Mekka und Medina reisen. "Wir packten das Nötigste", erinnert sich Trabelsi. Sie bestreitet strikt, Goldbarren und andere Wertgegenstände mitgenommen zu haben, wie in den Tagen darauf die tunesische Presse berichtete. "Die Geschichte, nach der ich mit Dutzenden von Koffern ausgeflogen bin, ist eine pure Erfindung. Ich habe weder meinen Schmuck noch meine Garderobe und Alltagskleidung mitgenommen. Ich trug weder Geld noch einen Reisepass bei mir", erklärt die Präsidentengattin.
"Wir haben den Palast von Sidi Bou Said verlassen. Die Hunde heulten, als hätten sie das Drama gerochen", wird Trabelsi literarisch. Ben Ali stieg schließlich auf Drängen seines Sicherheitschefs mit in den Flieger. Er sollte seinen Familie begleiten und anschließend sofort zurückfliegen. Mutter Trabelsi beschreibt ihr Leiden auf dem langen Weg: "Die Kinder hatten Hunger, aber es gab nichts an Bord, nur ein paar Faschen Mineralwasser, die im letzten Moment gebracht wurden. Es war mein Mann, der ihnen schließlich einen Schokoriegel gab."
Paris hinter dem "Komplott"
In Saudi Arabien ging der Diktator mit der Familie von Bord. Das Flugzeug startete durch ... ohne ihn. "Präsident Ben Ali war aus Tunesien abgeschoben worden", beschwert sich Trabelsi. "Der Staatsstreich war lange vor dem 14. Januar geplant", ist sich Trabelsi sicher. Sie lässt durchblicken, dass sie Paris hinter dem "Komplott", wie sie es nennt sieht. Sie spricht verbittert von den guten Beziehungen zur ehemaligen Kolonialmacht und dem dortigen Präsidenten Nicolas Sarkozy, "der die Produkte unserer Region, die wir ihm zukommen ließen nie ablehnte".
Keiner hat dem Ruf des seit mehr als 23 Jahren mit eiserner Faust regierenden Ben Ali so geschadet, wie seine zweite Ehefrau Leila Trabelsi. Die Tochter einer einfachen Familie brachte unzählige Angehörige in wichtige Positionen. Der Clan entwickelte sich zu einer regelrechten Mafia, die sich alles aneignete, was in Tunesien Gewinn versprach.
Mehrmals verurteilt
Leila Trabelsi will freilich von diesen Beschuldigungen nichts wissen. Sie stellt sich als gute Ehefrau und Familienmutter dar, die in ihrem saudi-arabischen Exil "selten ausgeht, kaum Leute trifft und viel betet". "Unter den Meinen haben einige übertrieben, meist die Jüngsten, die sich aus Profitsucht haben gehen lassen. Wir waren die Achillesferse des Präsidenten", gesteht sie immerhin ein.
Über 30 Mitglieder beider Familien wurden nach der Revolution verhaftet. Andere flohen ins Ausland. Ben Ali und Leila Trabelsi wurden in Abwesenheit mehrmals verurteilt. Die höchste Strafe wurde im Juni 2011 verhängt und beläuft sich auf 35 Jahre. "Sie haben die öffentlichen Gelder als ihr Eigentum betrachtet", erklärte das Gericht. (Reiner Wandler/derStandard.at, 24.6.2012)
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In Ö wird es allerdings nie dazu kommen, daß ein Gericht sowas verlauten läßt - so gesehen sind die Tunesier uns weit voraus. Bei uns gibts nur die Unschuldsvermutung - auf ewig.
es ist eine sache, die oeffentlichen gelder als sein eigentum zu betrachten, eine andere sache ist es davon gebrauch zu machen.
die arabische welt ist nun mal korrupt.
die frage ist, ob man im rahmen bleibt.
unsterblich fuer mich das haus der tochter gaddafis mit den drei badezimmern, und die paar villen, die die familie ben ali besitzt.
was haben primitive linksidealisten in den 70er jahren gegen den schah von persien gewettert. im nachhinein muss man sagen: die regenbogenpresse war lichtjahre naeher an der wahrheit dran als die ganze intellektuellenpartie. wird jetzt genauso sein. und intelektuellenfeindlichkeit ist ein sympathischer zug in der oesterreichischen kultur.
komisch. alle diese diktatoren - gaddafi, ben ali, assad - alle sind sie opfer diverser westlicher verschwörungen, die schon lange vor den jeweiligen aufständen im gange waren. warum haben sie nicht gemeinsam mit ihrem volk auf diese ausländischen verschwörungen reagiert? es wird ja immer behauptet dass das volk zu 100% hinter dem diktator steht. trotzdem ist jeder dieser diktatoren ungeschickt und tollpatschig auf "die westliche verschwörung" hereingefallen und jeder der drei hat so reagiert, wie er den "verschwörern" in die hände spielt. ben ali wittert die verschwörung, machte er reformen? nein.
gaddafi witterte die verschwörung, machte er reformen? nein.
diese verschwörungsgeschichte ist absolut unglaubwürdig.
Während des Umbruchs in Tunesien wollte Frankreich einem seiner Lieblingsdiktatoren die Stange halten. Da kam ganz offensichtlich die Konkurrenz zwischen den USA und der ewigen Kolonialmacht zu Vorschein. Frankreich wollte sogar noch Gendarmerie-Truppen zur Unterstützung von Ben-Ali schicken - so wie Saudi-Arabien in Bahrain.
Michèlle Alliot-Marie - damals Außenministerin - sagte öffentlich, dass die USA hinter dem "Putsch" steckten. An anderer Stelle las man, dass 60 tunesische Politiker in den USA auf ihr Verhalten "vorbereitet" wurden.
Aber dank den ewig gleichen Agenturmeldungen kann man Google vergessen. Man findet nichts mehr. Hoffe das wird von ARTE oder so aufgearbeitet.
Ich wollte nur auf den Vorposter antworten, dass es in einem Rechtsstaat nicht Sache der oder des Beklagten oder Angeklagten ist, ihre beziehungsweise seine Unschuld zu beweisen, sondern dass ihre beziehungsweise seine Schuld bewiesen werden muss.
Die wurde aber mittels Urteil schon bewiesen. In dem Fall liegt an wohl an ihr, Mängel im Verfahren zumindest darzulegen bzw. zu substantiieren für ein Rechtsmittel, wie auch immer die Bezeichnungen in Tunesien sein mögen. Insofern hat der Vorposter schon recht, formal wie substantiell ist schon Fr. Trabelsi am Zug, auch wenn er/sie sich unscharf ausgedrückt hat.
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