Angst vor Putsch nach Polizei-Meuterei

24. Juni 2012, 15:58
  • Meuternde Polizisten in La Paz
    foto: reuters/mercado

    Meuternde Polizisten in La Paz

Armee in den Städten stationiert - Regierung spricht von möglichen Putschplänen

La Paz - Nach einer Meuterei von Polizisten in Bolivien hat die Armee des lateinamerikanischen Landes am Samstag verstärkt Soldaten in die größeren Städte geschickt. Verteidigungsminister Ruben Saavedra sagte, die Zahl der Militärpolizisten in den wichtigsten Städten des Landes werde verdoppelt. Patrouillen und Wachen würden verstärkt, damit Privatbesitz verteidigt und die öffentliche Ordnung gewahrt werde.

Die Meuterei hatte am Donnerstag begonnen. Polizisten, die deutliche Gehaltserhöhungen fordern, besetzten den Hauptsitz der Bereitschaftspolizei und acht weitere Polizeiwachen. Seitdem wurden mehr als zwei Dutzend Polizeigebäude im ganzen Land besetzt. Am Freitag eskalierte die Lage weiter, als rund 300 vermummte Polizisten in Zivilkleidung den Geheimdienst-Sitz angriffen. Sie warfen mit Steinen Fensterscheiben ein, verwüsteten die Büroräume und legten Feuer.

Kommunikationsministerin Amanda Davila sagte am Samstag im Radiosender Erbol, die streikenden Polizisten sammelten Waffen und drängten andere Einheiten dazu, ihre Waffen auszuhändigen. Presse- und Geheimdienstberichte deuteten auf ein "Putsch-Szenario" hin, sagte Davila. Javier Quispe, ein Sprecher der Streikenden, sagte, dies sei eine "Lüge". Die Polizisten forderten lediglich ein "faires Gehalt".

Ein Treffen zwischen Innenminister Carlos Romero und den Streikenden endete am Samstagmorgen ohne Ergebnis. Romero sagte, es gebe zwei Möglichkeiten einer Lösung: durch Dialog oder durch Konfrontation. "Wir bevorzugen den ersten Weg", sagte Romero. Er forderte die meuternden Polizisten auf, ebenfalls auf Gewalt zu verzichten. Die Streikenden verlangten direkte Verhandlungen mit Staatspräsident Evo Morales.

Der Streik der Polizisten ist die Eskalation eines seit geraumer Zeit andauernden Konflikts, der sich inzwischen auf acht der neun Provinzen Boliviens ausgeweitet hat. Mehrere Polizisten oder Ehefrauen von Polizisten versuchten bereits, ihrer Forderung mit Hungerstreiks Nachdruck zu verleihen. Die Polizeibeamten verlangen eine Erhöhung des Grundgehalts um 70 Prozent auf 2.000 Bolivianos (rund 228 Euro). (APA, 24.6.2012)

  • Berechnen Sie Ihr Brutto- oder Netto-Gehalt mit dem Gehaltsrechner von derStandard.at/Karriere
Kommentar posten
13 Postings
laga in santa cruz (bol)

laut BBC eine der betroffenen städt.

eine alte, stark geschminkte dame ist uns mit ihren jeep ins parkende auto gefahren, das konzert am abend auf der place war nett, die steuerbehörde hat stände aufgebaut wo man was gewinnen kann, mit langen schlangen.

ganz ehrlich, man merkt nicht, aber auch wirklich gar nichts von den vorgängen. in bolivien streiken verschiedene gruppen immer wieder (am beliebtesten: strassen blockien, mit brennenden reifen oder sonstigen hindernissen). jetzt sinds mal die polizisten. die regirung redet mist (alle streikenden sind als erstes mal anarchisten u. verbrecher)

im grossen und ganzen: nichts neues in bolivien.

nichts neues in bolivien

wohl die letzten jahre verschlafen?

es ist legitim, daß die polizisten mehr gehalt fordern.
aber ich kann es nur immer und immer wieder sagen:

Das Bolivien so da steht, ist die schuld von jahrzehnten. jahre voller ausnützung der grössten bevölkerungsgrupper sowie raub der rohstoffe zu unverschämt guten bedingungen für westliche firmen.
firmen, die immer weggeschaut haben, wenn das volk massakriert wurde.
sich jetzt hinzustellen und zu sagen, in bolivien passiert nix, ist eine bodenlose frechheit.

ich vertraue keinem politiker, aber ich weiss wie die situation vor evo morales war. vor nicht allzu langer zeit war es indigenas verboten ins stadtzentrum zu gehen... da haben wir schon mit computern gspielt.

aber ja, in bolivien passiert n

"die regirung redet mist..." Wirklich witzig!

die regirung redet mist.

genau so ist´s.
die polizisten wollen nur ein mindestgehalt von 2000 boivianos ( ca. 250 euro).
also wirklich, es ist ja auch super subversiv und putschistisch dass die so viel verlangen. diese imperialistische oligarchen polizei. eigentlich sollten sie ja zufrieden sein das sie arbeiten dürfen und gezwungen werden korrupt zu sein um zu überleben, nicht war.

Wenn sie 2000 besser auf die Bevölkerung eingedroschen hätten

dann könnten sie noch heute Schecks von Bechtel beziehen.

http://www.youtube.com/watch?v=B2v6Ad-Vuug

früher wurden die leute massakriert, wenn sie auf den stassen manifestiert haben.
es ist gut gegen korruption,die gehälter zu erhöhen.
es ist gut, dass ein dialog stattfindet.

aber nicht nur polizei muss mehr verdienen. ich kenne genug bolivianer ohne vertrag und bis zu 60 stunden für knappe 1000 Bs.
ohne versicherung oder anspruch auf pension.

DAS MUSS GEÄNDERT WERDEN, nur gibt es genug menschen in Bolivien, die das verhindern wollen, und jeden GRUND ausnützen um endlich wieder diese "indigena regierung" loszuwerden. da werden auch tapfere tipnis kämpfer für mediale ausschlachtungen benützt. JETZT HILFT NIEMAND MEHR DORT.

es gibt genug hohe polizei o militär angehörige o pensionierte personen mit einem hohen interesse an einem umsturz

"die polizisten wollen nur ein mindestgehalt von 2000 boivianos"

Die Regierung hat bereits vor 2 Tagen ein Mindestgehalt von 2066 Bolivianos angeboten (zusammen mit anderen Vorzügen) und sogar ein Abkommen mit den Sprechern der Polizeigewerkschaft unterzeichnet. Dies wurde aber von den "normalen" Polizisten nicht angenommen. Die Polizisten fordern eine Gehaltserhöhung von ca. 70%, die 2066 Bolivianos wären eine Erhöhung von ca 25% gewesen. Ich bin auch dafür, dass die Polizei mehr verdient, aber 70% ist ein wenig fern ab der Realität...
PS: Morgen erreicht der 2 TIPNIS Marsch La Paz. bin mal gespannt, ob die Regierung das durchhält...

vielen dank

für den aufregenden augenzeugenbericht! ich gönne Ihnen das gefühl, sich toll vorzukommen, wenn man daheim vom PC in unterzögersdorf postings schreibt und dabei vortäuscht, sich angeblich an den hotspots der weltpolitik aufzuhalten. werde es Ihnen vielleicht gleichtun und demnächst ein posting ins syrien-forum stellen, in dem ich sozusagen "aus erster hand" über die lage im land berichte!

'"aus erster hand" über die lage im land berichte'

Aber nein doch Ernstl, nicht notwendig das sie nach Syrien oder Bolivien gehen!
Der Vorteil ihre 'Kaste' ist doch eh dass sie ALLES weis, die ganzen WAHRHEITEN kennt, und, da man sich auf dem Thron der moralischen Ueberlegenheit gemuetlich gemacht hat, auch nie den Ueberblick verliert.....

auch in bolivien gibts internet

bissi langsam, aber ok. aber wie beweisen, dass man dort ist wo man ist? (bzw. war, ich war ja in santa cruz um ein flugzeug nach lima zu erwischen) würde es ein foto tun wie ich nackt durch die salar de uyuni (das ist die salzwüste / ausgetrockneter salzsee in bolivien) laufe? damit kann ich dienen http://yfrog.com/kexlhhp ( schrift war nicht dort, die hab i rein-editiert)

was ich in meinem 5 wochen in bolivien über die polizei dort gelernt? vor mittag ists gefährlich, da finden sie oft sachen an autos (von gringos), dann habens geld fürs mittagessen. die bevölkerung hat respekt vor der polizei, bis zu einem gewissen grad, dannach wirds sehr direkt, hat die bevölkerung keine respekt mehr, wird das wiederum von der polizei respektiert.

oh Gott

das ist so zirka das unreflektierteste Bild, das man über Bolivien vermitteln kann. Sie sagen es ja schon selbst, sie wollten einen Flug nach Lima erwischen und haben von der Stadt nichts mitbekommen - Viru Viru - Plaza de Armas - Aresanía checken (weil viiiel billiger wie in Peru) und wieder zurück zum Flughafen. Und was soll dann noch Ihr Uyuni-Protzen (nackt?) - wobei Sie glauben, das auch noch erklären zu müssen, dabei waren die meisten, die hier qualifizierte Postings abgeben, schon vor Ihrer Geburt dort. Man merkt, was Sie alles gesehen haben von diesem Land. Gringo-Trail mit massenhaft Touries und tanzenden Lamas.

>dabei waren die meisten, die hier qualifizierte Postings abgeben, schon vor Ihrer Geburt dort.

ich merke an, dass ich leider kein qualifiziertes posting von ihnen zu dem thema finden kann?

newbie

...wären Sie schon öfter in diesem Forum aktiv gewesen, so würden Sie die Community hier kennen.
Sie enttarnen sich selbst.

Ich/wir hätten gerne eine Erklärung für Ihre inhaltsleeren Aussagen:

x vor mittag ists gefährlich, da finden sie oft sachen an autos (von gringos), dann habens geld fürs mittagessen >> soll heissen, bolivianische Polizei ist korrupt?

x eine alte, stark geschminkte dame ist uns mit ihren jeep ins parkende auto gefahren, das konzert am abend auf der place war nett, die steuerbehörde hat stände aufgebaut wo man was gewinnen kann, mit langen schlangen >> hähhh?

x alle streikenden sind als erstes mal anarchisten u. verbrecher >> schlimmer gehts wohl nicht mehr!

DOCH! "im grossen und ganzen: nichts neues in bolivien."

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.