Geld und Schwefel

22. Juni 2012, 18:12
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Inszenierte Wanderung: Eine mehrsprachige Performance führt in das beinahe verlassene Kanaltal

Klagenfurt - Das Kanaltal dient seit Generationen als Nadelöhr in den Süden. Generationen von Urlaubern durchqueren die enge Bergschlucht, getrieben von der Sehnsucht nach dem Duft von Pinien und Meeresrauschen.

Das Durchzugstal, das heute vor allem geprägt ist von verwahrlosten Häuserruinen, wurde von den Bewohnern auf der Suche nach wirtschaftlichem Auskommen im Stich gelassen. Die wenigen, die blieben, müssen den Verkehrslärm und den Niedergang der dörflichen, kulturellen und sprachlichen Strukturen ertragen.

Dem war nicht immer so, und Vada, der Verein zur An regung des dramatischen Appetits unter der künstlerischen Leitung von Felix Strasser und Yulia Izmaylova, lässt in einer mehrsprachigen szenischen Performance diese alten Zeiten wiederaufleben. Dafür un ternimmt das Publikum ei ne mehrstündige Reise, und das zu Fuß.

Gewandert wird entlang der historischen Bahntrasse, durch einen Eisenbahntunnel bis zu einem verwaisten Bahnhof im heute noch slowenischsprachigen Dorf Bagni di Lusnizza / Lužnice / Lussnitz. Die Performance Geld und Schwefel thematisiert den Niedergang des "Geldadels" als historisches Lehrbeispiel für die gegenwärtige Finanz krise.

Auch das Spannungsverhältnis zwischen deutschsprachiger Oberschicht und der im Kanaltal autochthon siedelnden slowenischsprachigen Dienstbotenklasse ist durch die gesamte Performance spürbar.

Gearbeitet wird mit Textcollagen unter Verwendung von Fragmenten avantgardistischer Theaterstücke aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts, die auch musikalisch umgesetzt werden. In itiator ist das Unikum, die universitäre Kunstinitiative, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Orten in der Alpen- Adria-Region ihren Platz in der Geschichte wiederzugeben. Und mehr noch, verlassene Dörfer dienen als Kulisse für zeitgenössische Kunst und werden so mit neuen, spannenden Inhalten besetzt. (Sabina Zwitter, DER STANDARD, 23./24.6.2012)

23. 6., Bustransfer ab Klagenfurt (Uni-Mensagebäude), Zusteigemöglichkeit in Villach (13.30, Parkplatz Cineplexx-Center), 13-21 Uhr

  • Am Ziel der Wanderung steht der verwaiste Bahnhof von Bagni di Lusnizza / Lužnice / Lussnitz.
    foto: unikum

    Am Ziel der Wanderung steht der verwaiste Bahnhof von Bagni di Lusnizza / Lužnice / Lussnitz.

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