Journalisten-KV: "Das ist für beide Seiten ein unhaltbarer Zustand"

Interview | Harald Fidler
22. Juni 2012, 17:28
  • "Wir fordern keine Gehälter, die 20 bis 35 Prozent unter den aktuellen liegen": Journalistengewerkschafter Franz C. Bauer.
    foto: standard/urban

    "Wir fordern keine Gehälter, die 20 bis 35 Prozent unter den aktuellen liegen": Journalistengewerkschafter Franz C. Bauer.

  • "Wenn man jemanden so provoziert, dass er nur gehen kann ...": Verlegerverhandler Hermann Petz, Manager der Moser Holding.
    foto: standard/urban

    "Wenn man jemanden so provoziert, dass er nur gehen kann ...": Verlegerverhandler Hermann Petz, Manager der Moser Holding.

Über ein Ende der Zweiklassengesellschaft unter Journalisten redeten Verleger Hermann Petz und Gewerkschafter Franz C. Bauer dreieinhalb Jahre. Warum die Gespräche diese Woche platzten und ob es weitergeht, diskutieren sie im STANDARD

Wien - Journalisten bekommen 15 Gehälter, die sich alle fünf Jahre erhöhen, sie haben mehr Urlaub und besondere Kündigungsbedingungen. Wenn sie als Journalisten nach Kollektivvertrag (und Journalistengesetz) angestellt sind und behandelt werden. Das sind schon lange nicht mehr alle. Vor allem bei Onlinemedien kommen andere Kollektivverträge zum Einsatz, etwa für IT-Mitarbeiter und für Werbung. Viele steigen als freie Mitarbeiter in den Beruf ein und bleiben lange welche.

Bis Ende Juni nahmen sich Verleger und Gewerkschaft eine Einigung über einen neuen Kollektivvertrag für möglichst alle Journalisten vor. Weit waren die Verhandlungen. Montag platzten sie. Als die Gewerkschaft erklärte, der neue Kollektivvertrag müsse sich an jenem für die Nachrichtenagentur APA orientieren, standen die Verleger auf. Der STANDARD holte die Chefverhandler Hermann Petz, Manager der Moser Holding ("Tiroler Tageszeitung"), und Journalistengewerkschafter Franz C. Bauer an einen Tisch.

STANDARD: Meine Herren, wer hat die Verhandlungen platzen lassen?

Bauer: Wir sind sitzen geblieben. Wir waren überrascht, dass die Verleger uns verlassen haben.

Petz: Wenn man jemanden so provoziert, dass er nur gehen kann. Sie sind an diesem Tag, zu unserer Überraschung und ohne jede Vorwarnung weit hinter alle Verhandlungspositionen zurückgegangen. Auf einmal haben Sie die Bedingungen des APA-Kollektivvertrags als Untergrenze verlangt. Dessen Schema und Höhe übersteigen unsere über dreieinhalb Jahre erzielten Einigungen, das ist unzumutbar.

Bauer: Warum sitzen wir am Tisch. Wir wollen faire Bedingungen vor allem auch für die jüngeren Kollegen, die Kollegen in den Onlineredaktionen, die freien Mitarbeiter. Im Zuge dieser Verhandlungen haben wir immer gesagt: Es geht um ein Gesamtpaket und es gibt keine punktuellen Einigungen. Wenn es in diesem Gesamtpaket nach dem Verhandlungsverlauf Adaptierungsbedarf gibt, wird der selbstverständlich auch formuliert. Den haben wir gesehen. Es ging auch nicht darum, den APA-KV zu übernehmen. Wir wollen faire, branchenübliche Bedingungen schaffen und uns nicht unter Standards begeben, die es bereits gibt. Leider sind wir nicht mehr dazu gekommen, das zu erläutern, weil die Verleger sofort aufgestanden sind.

Petz: Ob man ihn nun direkt übernimmt oder keinesfalls unter den APA-Konditionen abschließen will, ist materiell kein Unterschied. Vor genau einem Jahr hat die Gewerkschaft uns ein Forderungspapier übermittelt mit Gehaltsstufen, ihrer Ausgestaltung und ihrer Höhe. Damals haben wir ein Gegenangebot gemacht. Wir lagen 50 bis 150 Euro auseinander. Wir haben diese Bandbreite damals außer Streit gestellt. Daraufhin haben wir vorerst über Arbeitszeit verhandelt. Wenn Sie uns damals gesagt hätten, dass diese Bandbreite für Sie nicht gilt, hätten wir nicht weiterreden brauchen.

Bauer: Das war natürlich kein Forderungspapier: Wir fordern keine Gehälter, die 20 bis 25 Prozent, teils 35 Prozent unter den aktuellen liegen. Das war eine Antwort auf Ihre Vorstellungen. Wir fordern keine niedrigeren Gehälter. Wir wollen einen fairen Vertrag, der auch den Jungen ein Angebot macht. Von Anfang an war klar: Es gibt ein Gesamtpaket, und dieses Gesamtpaket muss stimmen. Es waren die Verleger, die bei den einzelnen Punkten des Kollektivvertrags von kommunizierenden Gefäßen gesprochen haben. Weil Sie von Vereinbarungen gesprochen haben: Gibt es aus Ihrer Sicht einen Teil dieses Kollektivvertrags, der bereits paktiert ist?

Petz: Das Arbeitszeitkapitel ist von uns paraphiert.

Bauer: Genau. Es gibt einen Teil, der ist unterschrieben. Wo ist nun der Unterschied zwischen den unterschriebenen und nicht unterschriebenen Teilen...

Petz: Gegenfrage: Haben Sie damals beim Gehaltsschema gesagt: Das ist die Bandbreite?

Bauer: Selbstverständlich war das zu diesem Zeitpunkt die Bandbreite, wo wir uns gedacht haben, da gibt es in anderen Bereichen noch die Möglichkeit, Einigungen zu finden. Die gab es aber nicht, weil Sie uns vor ein Ultimatum gestellt haben, als es um die Entlohnung von Nachtarbeit am Wochenende geht. Es ist doch logisch, dass Nachtarbeit am Wochenende teurer sein muss als unter der Woche, weil beziehungsfeindlich, familienfeindlich. Wer hat bei dieser Gelegenheit gesagt: Wenn Ihr auf diese Forderung besteht, stehen wir auf?

Petz: Ja, wir. Aber Sie müssen dazu sagen, üblich ist: Wenn mehrere Zuschläge zusammenfallen, gilt der höhere. Auch da haben wir uns geeinigt.

Bauer: Wir haben uns nicht geeinigt. Wir haben kapituliert vor dem Ultimatum der Unternehmer: Wenn ihr das nicht akzeptiert, dann stehen wir auf. Sie haben es genauso gesagt. So verhandelt man nicht.

Petz: Sonst hätten wir den einzigen Kollektivvertrag gehabt, bei dem Zuschläge bis 350 Prozent argumentiert werden können. Das unterschreibt mir keiner im Zeitungsverband. Diese Position haben Sie dann auch akzeptiert oder jedenfalls damit leben können. Wenn Sie gesagt hätten: Das ist für uns nur denkbar, wenn die Gehaltsstufen höher angesetzt werden als der vor einem Jahr vereinbarte Korridor, dann hätten wir gleichzeitig über das diskutiert. Aber noch am 12. Juni war der Gehaltskorridor unbestritten; es sollte noch zwei Runden geben bis zum inhaltlichen Abschluss. Und am 18. Juni werden wir mit einer seit einem Jahr nie geäußerten Position konfrontiert. Das macht mich ratlos. Da hätten wir uns viele, viele Stunden dazwischen sparen können. Jetzt haben wir 30 Verhandlungsrunden gearbeitet - wie es jetzt aussieht sinnlos.

Bauer: Wahrscheinlich war unser beider taktischer Fehler, dass wir begonnen haben, übers Geld zu reden.

Petz: Nach zweieinhalb Jahren Verhandlungen haben wir begonnen, übers Geld zu reden. Nach dreieinhalb Jahren fliegt's uns um die Ohren. Natürlich soll der neue Kollektivvertrag die Bedingungen jener, die jetzt nicht darunter fallen, drastisch verbessern. Die erste Phase der Gespräche war ja von der Frage geprägt: Was ist machbar angesichts der Gesamtentwicklung und dem Umstand, dass viel mehr Leute unter den Kollektivvertrag fallen sollen. In diesen dreieinhalb Jahren ist die wirtschaftliche Entwicklung noch angespannter geworden. Wir können nur an den Verhandlungstisch zurückkehren, wenn wir auf der Basis unserer bisherigen Einigungen vorgehen.

STANDARD: Wann ist der Gewerkschaft klar geworden, dass es sich für sie aufgrund dieser Bedingungen nicht ausgeht?

Bauer: Das war ein schrittweiser Prozess. In der letzten Verhandlungsrunde, in der wir noch einmal über diese Gehaltskorridore geredet haben, wurden wir mit der überraschenden Feststellung konfrontiert, dass das Thema Urheberrecht kein Verhandlungsbedarf ist. Darüber brauche man nicht reden. Damit war klar, dass nicht mehr zu halten ist, was wir am Anfang gedacht hatten: Dass wir aufgrund vernünftiger Ergebnisse mit den Gehaltsbrandbreiten leben können. Wir haben nie den APA-Kollektivvertrag gefordert. Aber klar muss sein: Branchenstandards sollen nach Möglichkeit auch für die Jungen gelten.

Petz: Seit drei Jahren sage ich, wir sehen keinen Änderungsbedarf im Urheberrecht. Sie sehen einen. Aber wir haben mehrmals nach den Vorstellungen der Gewerkschaft gefragt, aber nie ein Papier darüber bekommen. Wir verweigern keine Verhandlungen. Aber wir wissen bis heute nicht, was Sie im Urheberrecht wollen.

STANDARD: Die Gewerkschaft braucht für einen neuen Kollektivvertrag eine Urabstimmung unter den Mitgliedern. Haben Sie vor dem letzten Termin erkannt, dass Sie mit diesem Verhandlungsstand keine breite Mehrheit, die Sie anstreben, schaffen?

Bauer: Stück für Stück, mit einem nach dem anderen Punkt, wächst mein Zweifel, dass wir dafür Mehrheiten bekommen können. Selbst in der optimistischsten Variante wäre aus diesen Verhandlungen herausgekommen, dass wir zu Lasten der Jungen einen Vertrag unterschreiben würden, der in allen Bedingungen, insbesondere beim Geld, massiv unter dem heutigen Kollektivvertrag liegen und massiv unter Deutschland und der Schweiz. Auch das zu erklären, ist nicht leicht, aber das hätten wir getan. Wenn wir dann noch bei einem der letzten Punkte, wo man noch hätte adaptieren können, hören, da bestehe kein Verhandlungsbedarf.

Petz: Das haben Sie offenbar zwischen 12. und 18. Juni erkannt. Die jetzigen Bestimmungen des Journalistenkollektivvertrags mit einem Durchschnittsgehalt von 72.000 Euro wird nicht das Modell sein.

Bauer: Die Zahl stimmt nicht.

Petz: Wir haben das nachgerechnet. Unterstellen Sie mir, dass ich nicht rechnen kann? Ich habe immer ein Sehr gut in Mathematik gehabt.

Bauer: Sie rechnen die Ressortleiter und Chefredakteure dazu. Wenn Sie Vorstand Josef Ackermann dazugerechnet hätten, wäre das Gehaltsniveau des Managements der Deutschen Bank ein ganz anderes gewesen. Natürlich sind das Ausreißer. Die Zahl hätten die Redakteure gern. Ich kenne Redaktionen, da werden 800 bis 1500 Euro im Monat gezahlt. Wir wollen faire Bedingungen für die Jungen.

STANDARD: Es stehen 72.000 Euro Schnitt im Raum für den bestehenden KV. Wie sieht denn das bei den Online-Journalisten aus?

Petz: Deutlich weniger.

Bauer: Deutlich weniger. Aus meinen Gesprächen spielt sich das meiste zwischen 1400 und 2500 Euro ab. Darunter sind einige, darüber ganz wenige. In Deutschland verdient ein Berufseinsteiger nach Kollektivvertrag nach zwei Jahren, mit 13,8 Gehältern und 36,5 Wochenstunden 3032 Euro. Da sind wir nicht einmal jetzt.

Petz: Schauen sie aber auch, wieviele Menschen dort nach diesen Bedingungen angestellt sind. Aber diese Diskussion haben wir doch genauso vor dreieinhalb Jahren geführt. Dann haben wir uns entschieden, zu verhandeln, hatten verschiedene Teileinigungen, und jetzt stehen wir da, als hätte es das alles nicht gegeben.

Bauer: Es gibt eine einzige Teileinigung, und die nur, weil wir die Verhandlungen nicht gefährden wollten, und Sie uns gezwungen haben. Verstehen Sie, dass ich einen Kollektivvertrag heimbringen muss, den man mir unterschreibt.

Petz: Ich muss zur Kenntnis nehmen: Nach dem 12. Juni hat Sie der Mut verlassen.

Bauer: Uns hat nicht der Mut verlassen. Uns war klar, dass die Unternehmer einen wesentlich schlechteren Kollektivvertrag zu Lasten der Jungen durchdrücken wollen mit allen Mitteln. Dazu kann man uns nicht zwingen.

Petz: Dreieinhalb Jahre haben Sie das nicht gemerkt?

STANDARD: Sehen Sie noch eine Möglichkeit, sich noch einmal zu Verhandlungen zu treffen? Ist der Zug jetzt abgefahren?

Bauer: Ich bin ja derjenige, der verlassen wurde. Ich bin nicht dazugekommen zu erläutern, wie wir das meinen. Ich hätte das noch ganz gerne erläutert und verweigere mich nicht, das zu tun.

STANDARD: Eine Gelegenheit wäre jetzt.

Bauer: Ich will nicht hier Kollektivvertrag verhandeln.

Petz: Die Erklärung ist nicht erläuterungsbedürftig. Wir kennend die Gehaltshöhen des APA-Kollektivvertrags. Das verlässt den bisherigen Einigungskorridor grundsätzlich. Wenn wir auf dem Stand bis 12. Juni aufsetzen können, können wir jederzeit fertig verhandeln. Wenn alles, was bis dahin war, nicht gilt, sehe ich schwer einen Weg.

Bauer: Das heißt, Sie verweigern sich einem Gespräch über Urheberrechte nicht?

Petz: Sicher nicht. Wir müssen nur einmal wissen, was Sie wollen. Urheberrecht muss man in größerem Zusammenhang sehen. Wir müssen schauen, dass unsere Urheberrechte für das Internet abgegolten werden. Wenn das passiert, ist es kein Thema, dass die Journalisten daran beteiligt werden. Wir haben das gemeinsame Interesse, dass das abgegolten wird und nicht Piraten erklären, dass das sowieso alles frei sein sollte. Auf der Ebene müsste man das besprechen.

Bauer: Wir haben die Forderungen noch nicht überreicht, weil der Punkt Urheberrechte noch nicht dran war.

STANDARD: Gibt es nun noch einen Gesprächstermin?

Bauer: Es gab einen Anfang Juli, aber der ist dadurch obsolet, dass der Zeitungsverband den Tisch verlassen hat. Wir wurden verlassen. Wenn wir die Verhandlungsgegner oder -partner wieder am Tisch vorfinden, werden wir uns nicht verweigern. Es ist jederzeit möglich, Termine auszumachen. Ich habe keinen Zeitdruck. Wenn sie wieder hier sind, würde ich gerne informiert werden.

Petz: Wir kommen an den Verhandlungstisch zurück, wenn wir auf den Stand 12. Juni aufsetzen. An der Koordination eines Termines wird es nicht scheitern.

Bauer: Wir verhandeln den Vertrag nicht hier.

STANDARD: Was passiert, wenn nichts passiert? Dann kündigt der Zeitungsvertrag den bestehenden Kollektivvertrag?

Petz: Es gibt darüber keine Entscheidungen im Verband. Die Kündigungsfrist beträgt jeweils drei Monate zum Jahresende. Aber es gibt keinen Plan B im Verband. Wir sind von einem Abschluss mit Ende Juni ausgegangen.

STANDARD: Die Zweiklassengesellschaft von Journalisten im Kollektivvertrag und teils prekären Verhältnissen in anderen Regelungen lässt sich fortführen?

Bauer: Natürlich nicht. Das kann sich der Zeitungsverband nicht leisten, weil wir Druck, insbesondere rechtlichen Druck machen werden.

Petz: Ich vertraue da auf den österreichischen Rechtsstaat.

Bauer: Es ist für beide Seiten ein unhaltbarer Zustand, das ist auch beiden Seiten klar. Kommende Woche gibt es in Redaktionen Informationsveranstaltungen, das sind noch keine Protestveranstaltungen.

Petz: Viele Journalisten sind auch außerhalb der Mitgliedsverlage des Zeitungsverbands tätig. Da muss man im Blick behalten, dass Unternehmen nicht vor völlig andere Bedingungen gestellt werden können, weil sie eine Zeitung haben. Wir müssen auch wettbewerbsfähig sein. Deshalb haben wir dreieinhalb Jahre viel Zeit investiert, um zu gleichen Rahmenbedingungen zu kommen. Wenn es diese gemeinsame Lösung nicht gibt, dann gibt es unterschiedliche rechtliche Beurteilungen, wahrscheinlich auch rechtliche Auseinandersetzungen.

STANDARD: Die Gewerkschaft hat vom Ende des Waffenstillstands gesprochen. Welche Waffen werden da ausgepackt?

Bauer: Momentan keine. Wir diskutieren ab Montag in den Redaktionen, machen eine Bestandsaufnahme.

STANDARD: Noch eine grundsätzliche Frage: Worauf gründen sich die im Vergleich mit vielen anderen Berufsgruppen doch merklich besseren Konditionen des Journalistenkollektivvertrags?

Bauer: Das ist ein Beruf, der nicht in 36, 38 oder 40 Wochenstunden erledigt ist, sondern praktisch die gesamte Wachzeit der Kollegen stattfindet. Er bedeutet wahnsinnig großen persönlichen und zeitlichen Stress, er hat eine wichtige Funktion in der Demokratie, findet unter einem enormen Druck statt, in der Öffentlichkeit und in der ständigen Kritik steht. Das kann man schwer mit einem Angestellten oder einem Beamten vergleichen. Die Sonderstellung betont ja auch das Journalistengesetz als eigenes Berufsgesetz. Viele Dinge, über die wir reden, stehen in diesem Gesetz.

STANDARD: Wie etwa die Gehaltsvorrückungen alle fünf Jahre.

Petz: Ich befürchte, wenn wir uns an den althergebrachten Bedingungen orientieren, vereinbaren wir quasi die Sitzordnung auf der Titanic. Als dieser Kollektivvertrag abgeschlossen wurde, hatte etwa unsere „Tiroler Tageszeitung" in ihrem Land noch praktisch eine Monopolstellung. Das wird es nie wieder geben. Printlastige Medienhäuser stehen heute international unter einem wahnsinnigen Druck weltweiter Internetriesen. Wir müssen gemeinsam schauen, wie wir uns hier nicht verlieren. Selbst gemeinsam sind wir ein Zwerg.

Bauer: Die Gewerkschaft sieht diese Entwicklung., auf die ein neuer Kollektivvertrag Bezug nehmen muss Sonst hätten wir nicht zu verhandlen begonnen. Nur: Wir dürfen nicht das Kind mit dem Bad ausgießen. Wir dürfen weder den Jungen noch den Kollegen im bestehenden Kollektivvertrag zuviel zumuten. (Harald Fidler, DER STANDARD, 23./24.6.2012)

Franz C. Bauer (59) steht den Journalisten in der Gewerkschaft vor und verhandelt für sie den Kollektivvertrag. Der Finanzjournalist arbeitet für "Trend" und "Profil" (Verlagsgruppe News).

Hermann Petz (50) führt seit 2002 als Vorstandvorsitzender die Innsbrucker Moser Holding ("Tiroler Tageszeitung", 50 Prozent am Gratiswochenzeitungsring RMA).

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 44
1 2

ein regelmäßiger Besuch der finanz oder des Arbeitsinspektorats (wer auch immer dafür verantwortlich ist) würde schon reichen. ich selber durfte kurze zeit mal als "neuer Selbständiger" jeden Tag am Schreibtisch hocken, danach als kaufmännischer Angestellter usw. bis es mir schließlich gereicht hat.

Strukturelle Verbesserungen wären wichtig

Eine Stiftung aus der Nachwuchsjournalisten (und alle Praktikanten) mit Mitteln der Presseförderung (auch GIS) bezahlt werden würden, wäre auf breiter Basis qualitätsfördernd.

Wenn Nachwuchsjournalisten nicht mehr "für fast nichts" aber für die Redaktionen kostenlos arbeiten würden, reduziert sich der Preisdruck auf die KV's, die Qualität der Arbeit steigt, etc.

Wenn auch private Boulevardmedien kostenlose Nachwuchsjournalisten einstellen könnten (nur die Reichweite als Kriterium) aber ihre Artikel nicht zensurieren dürfen, wäre das ein sehr großer Schritt vorwärts.

Nachwuchsjournalisten könnten ein eigenes Label bekommen mit dem Artikel angezeigt wird.

Wer keine Nachwuchsjournalisten nimmt, hat einen Wettbewerbsnachteil...

am ende des tages steht die frage an was wir wollen

hochwertigen (qualiäts-) journalismus oder junk. und wenn wir so weitermachen wie in den letzten 15-20 jahren, dann kommt einfach nur noch kacke raus. und dann stehen wir vor dem problem, dass zwar die herren verleger immer noch gut verdienen, aber der journalismus am ende ist.

interessant ist ja, dass sich finanzamt und sozialversicherung für den tagtäglich sehbaren sozialbetrug der bei medien heute üblich ist nicht zu interessieren scheinen...

strukturelles problem

ich denke nicht, dass vertreter des bestehenden systems zu lasten ihrer positionen (alte journalisten-KVs, bestehendes print-geschäftsmodell) zugeständnisse betr. den jung-/online-journalistInnen machen können - das wäre ja wider ihrem eigenen interesse. dementsprechend kann es hier nicht zu einer vernünftigen zukunftsfähigen lösung kommen.
http://manfredbruckner.blogspot.co.at/2012/06/d... weise.html

ein extrem kompliziertes problem!

wenn ich mir die unterschiedlichen tätigkeiten und unterschiedlichen einkommen anschaue: wie soll das auf einen nenner gebracht werden?

ein heute üblicher 'journalist', der texte der nachrichtenagenturen (oft brutalst) auf die richtige länge kürzt, verdient doch eh verdammt gut für seine/ihre hilfshacklertätigkeit.
auch so mancher kolumnist, der täglich oder wöchentlich sein nicht recherchiertes zeugs hinkleckst ist überbezahlt, egal wieviel er verdient.

wer hingegen seinen job ernst nimmt und tatsächlich JOURNALISTISCH arbeitet, kann neidisch auf jeden bankbediensteten mit seinem nine to five-job schielen: mehr geld für weniger leistung.

wie soll man also die alle in einem vertrag über einen kamm scheren???

sie verkennen das wahre problem

jeder(paktisch ohne ausnahme) der als journalist arbeitet würde ja gere die tollsten dinge aufdecken und recherchieren. allein: es wird ihm nicht bezahlt...

und oft wird es auch nicht gewünscht. stichwort: inseratenkunden.

Journalisten bekommen 15 Gehälter, die sich alle fünf Jahre erhöhen, sie haben mehr Urlaub und besondere Kündigungsbedingungen....

... WOW... und trotzdem, oder gerade deswegen... haben wir keinen freie Berichterstattung mehr?!?..

Ablöse für die Verhandlungsparnter - sofort !

Schickt die beiden Kasperln bitte wegen offensichtlicher Unfähigkeit vom Tisch.
Neue Köpfe, am besten welche die aktuell betroffen sind, an den Tisch und in Kürze gibt's eine Lösung.

Die alten Vertreter wie Gewerkschaft oder Lobbyvertretung der PapierIndustrie haben ausgedient. Sitzen selbst nur mehr im Speck und reden von Themen die sie weder direkt betreffen noch eine Ahnung haben.

Qualität und Unabhängigkeit ist wichter wie KV's

Qualitativer Journalismus wird von dazu befähigten Menschen gemacht und hat primär nichts mit den Medienunternehmen zu tun für die diese Journalisten (oft notgedrungen) arbeiten.

Ergo sollte man eine öffentlich rechtliche Stifung für einen unabhängigen Journalismus installieren. Gute Journalisten würden von der Stiftung angestellt (mit Journalisten KV).

Medienunternehmen ORF, ATV, Standard, Presse, etc. (mit Statut) dürften dann eine bestimmte Anzahl von "gratis" Journalisten (je nach Reichweite) für ihre Redaktionen beantragen.

Wer in den Journalisten-Pool aufgenommen wird bestimmen Preise, Gremien, etc.

Die Stiftung würde gespeist von GIS-Gebühren und Steuergeld.

Qualität hat nichts mit öffentlich rechlich zu tun!

aus meiner eigene beruflichen erfahrung kann ich ihnen sagen, dass...

es auch private medienbetreiber gibt´, die spitzenjournalismus wollen.

Genau - und warum sollen die auf öffentliche Gelder (GIS-Gebühren) verzichten müssen. Mit einem Journalitenpool wäre das fein geregelt.

Qualität hat vor allem auch nichts mit Gremien und Preisrichtern zu tun. Zudem muss man Geld verdienen während man Qualität herstellt, nicht nachdem.

Ok. Es ist tatsächlich schwierig...

Aber: Man kann damit anfangen alle Praktikanten von der Stiftung zu bezahlen (plus 1 bis 3 Jahr). Dies würde den Praktikantenmissbrauch und das Preisdumping endlich beenden.

"Gratis Journalisten" gibt es dann nur für Unternehmen, die bestimmte Kriterien erfüllen (keine prekären Arbeitsverhältnisse zulassen, etc.)

Wer keine "Gratis Journalisten" nimmt hat damit einen Wettbewerbsnachteil. Wer sie einstellt muss mit ihrer weitgehenden Unabhängigkeit leben lernen (wenn sie etwas mehr Zeit beanspruchen) ...

Besser als die presseförderung ist ihre Idee allemal.

Also ich hab als Freier seit Mitte Jänner bis jetzt praktisch durchgearbeitet, reden wir von einer 6 bis 6,5 Tage Woche, jetzt hab ich ein Monat Urlaub

(was nicht heißt, dass ich nicht arbeiten muss, aber zumindest kein permanenter Termindruck), dann geht es wieder durch bis Mitte Dezember.

Ich arbeite für drei verschiedene Publikationen, in der ersten Jahreshälfte werde ich so an die 10.000 Euro an Honoraren gestellt haben - das ist superbrutto, da ist noch kein Cent Kosten drin (ich arbeite natürlich von zuhause und stell die ganze Infrastruktur selbst).

Ich liefere Qualität und ich mag meinen Job. Aber auf die Dauer werde ich es mir nicht mehr leisten können, meine Auftraggeber zu subventionieren.

Und dass mich meine Freundin gerade verlassen hat, hat in erster Linie mit meiner Arbeit zu tun (Ich bin sauer!).

Und die beiden Kasperln pflegen da offenbar eine Intimfeindschaft.

Die nette Steuerberfreiung für Journalisten verschweigen Sie aber!

steuerbefreiung fü journalisten?

die hätte ich auch gerne. wie geht das?

Welche? Was weiß ich da nicht? (Ich hab bisher nie genug verdient um einen Steuerberater a. zu brauchen oder b. bezahlen zu können ;))

Die Berufspauschale von fast 4000 Euro brutto (Steuerbefreiung) im Jahr ist ein absolutes Privileg.

Ahnungslos ist ein hartes Los.

Du meinst die 10 oder 12% Werbungskostenpauschale? Wenn ja: Damit die Steuerbemessungsgrundlage dadurch um 4000 Euro sinkt (was dann ca. 1500 euro steuern sparen würde), muss sich mein Gehalt etwa vervierfachen - und Leute die tatsächlich so ein Gehalt beziehen, schreiben wahrscheinlich auch ohne Pauschale nicht weniger ab. Werbungskosten hast als Journalist ja auch genügend.

Welche?

Dass ich bislang trotz Fast-Vollzeitjob so wenig verdient habe, dass ich nicht steuerpflichtig war?

Das wird sich jetzt ja wohl ändern, da ich mittlerweile mehr Aufträge habe und schon fast so gut wie ein Hilfsarbeiter verdiene.

Studierens was technisches.

danke für den tipp,

kommt halt nur 20 jahre zu spät.

ich hab aber letztens mit einem befreundeten lehrer geredet, der erzählt mir, dass die meisten mädels im seinem aktuellen maturajahrgang tatsächlich publizistik studieren wollen.

mittlerweile sollt es sich schon durchgesprochen haben, dass es da noch die bessere option wäre friseur zu lernen.

Posting 1 bis 25 von 44
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.