"G'standene Leute sind mir lieber als grünaffine Idealisten"

Eva Zelechowski
28. Juni 2012, 09:44
  • Wolfgang Urban, Direktor des Nationalparks Hohe Tauern.
    foto: nationalpark hohe tauern

    Wolfgang Urban, Direktor des Nationalparks Hohe Tauern.

  • Martin Hartmann ist ein Ranger-"Urgestein". Der Fachbereichsleiter im Nationalpark Gesäuse wünscht sich mehr fix angestellte Nationalpark Ranger in Österreich. Das Problem sind wie so oft  Budgetkürzungen.

    Martin Hartmann ist ein Ranger-"Urgestein". Der Fachbereichsleiter im Nationalpark Gesäuse wünscht sich mehr fix angestellte Nationalpark Ranger in Österreich. Das Problem sind wie so oft  Budgetkürzungen.

  • Wer gerne mit Kindern arbeitet und Wissensvermittlung mit einem Abenteuer-Erlebnis kombinieren kann, erfüllt wichtige Job-Kriterie eines Nationalpark Rangers.
    foto: nationalpark gesäuse/kovacs

    Wer gerne mit Kindern arbeitet und Wissensvermittlung mit einem Abenteuer-Erlebnis kombinieren kann, erfüllt wichtige Job-Kriterie eines Nationalpark Rangers.

  • Nicht nur Schifahren, sondern zunehmend auch Schneeschuhwanderungen 
zeichnen sich als Wintererlebnis-Trend in heimischen Nationalparks ab.
    foto: nationalpark gesäuse

    Nicht nur Schifahren, sondern zunehmend auch Schneeschuhwanderungen zeichnen sich als Wintererlebnis-Trend in heimischen Nationalparks ab.

Ausgebildete Nationalpark-Ranger sind meist auf Freelancer-Beschäftigung angewiesen

"Arbeiten im Paradies", wie der ORF in einer Sendung den Beruf des Nationalpark-Rangers in den Hohen Tauern porträtierte, sei überzogen, sagt Wolfgang Urban, Direktor des Nationalparks Hohe Tauern in Salzburg. "Es ist Schwachsinn, den Leuten so etwas vorzugaukeln, da es eine Arbeit wie jede andere ist. Die Bewerber sind meist g'standene Leute aus der Region, das ist mir lieber als grünaffine Idealisten."

Einheitliches Zertifikat seit 2010

Erst seit 2010 wird ein einheitliches österreichweites Zertifikat zur Ausbildung von Nationalpark Rangern verliehen, das von Martin Hartmann, Fachbereichsleiter für Natur und Umweltbildung im Nationalpark Gesäuse maßgeblich mitentwickelt wurde. Der Zertifikatslehrgang dauert 42 Tage, wird je nach zeitlicher Planung des Nationalparks in eineinhalb Jahren absolviert und besteht aus drei Modulen.

Diese Grundausbildung beinhaltet einen 17-tägigen allgemeinen Nationalpark-übergreifenden Kurs, in dem die Grundvoraussetzungen sowie Schutzkriterien und Schützgüter gelehrt werden. Danach folgt das zweite Lehrmodul, das auf die sechs österreichischen Nationalparks zugeschnitten ist. In diesen 15 Tagen lernen die Nationalpark Ranger in spe zoologische, botanische und geologische Eigenheiten der jeweiligen Region.

Rarität Fixanstellung

Nach dem zehntägigen Praxismodul in einem Nationalpark erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat für den absolvierten Lehrgang. Wer vom Nationalpark Hohe Tauern ausgebildet wird, muss mit einer Dauer von drei Jahren rechnen, in welcher auch Zusatzqualifikationen wie Bergführerausbildung vorgesehen sind. Dafür winkt bei Abschluss eine Fixanstellung.

"Die Ausbildung garantiert prinzipiell aber noch keine Anstellung", betont Urban, der in der Region des Nationalparks Hohe Tauern ein Ranger-Stammpersonal hat. "Der Nationalpark Hohe Tauern ist der einzige Nationalpark, die Ganzjahres-Ranger beschäftigen", stellt Martin Hartmann fest, der einige Jahre im Nationalpark Donauauen als Ranger tätig war. Durch die Nähe zu Ballungszentren würden sich dort eher Studierende der Naturwissenschaften wie der BOKU Wien zu Rangern ausbilden lassen.

Dabei herrscht eine hohe Fluktuation und die Parks können auf einen großen Pool an Leuten zurückgreifen, die als Freelancer und auf Werkvertragsbasis zu Einsätzen kommen. "Das Problem ist, dass man in der Schulsaison mehr verdient, wir bräuchten mehr Ranger, die unbeschränkt Zeit haben", so Hartmann.

Ausbildungskosten 600 Euro

Etwa eine Initiativbewerbung pro Monat bekommt Urban für den Nationalpark Hohe Tauern, auf eine ausgeschriebene Stelle melden sich im Durchschnitt zehn bis 15 Personen, die sich innerhalb von drei Jahren zum Nationalpark Ranger ausbilden lassen können. Die Ausbildungskosten - von etwa 600 Euro allein für den Zertifikatslehrgang - trage in dem Fall der Nationalpark.

Die Studenten, die an einer freien Saisonarbeit interessiert sind, müssen dafür meist selbst in die Tasche greifen. "Das liegt daran, dass die Hohen Tauern als einziger österreichischer Nationalpark Landessache sind und die Ranger beim Land angestellt sind", sagt Hartmann, dessen langfristiges Ziel es ist, den Ranger als fixes Berufsbild zu etablieren. Budgetkürzungen, die der Naturschutz-Sektor in Zeiten wie diesen deutlich spüre, machen diesen Bemühungen allerdings einen Strich durch die Rechnung.

Handwerk vor Diplom

Konkrete Vorkenntnisse oder Voraussetzungen für den Ranger-Job gäbe es bis auf körperliche Fitness und eine gewisse Gebirgstauglichkeit kaum. "Es ist natürlich wichtig, dass man gerne mit Kindern arbeitet, da die erlebnispädagogischen Führungen mit Schulklassen einen Großteil der Tätigkeit ausmachen. Was nützt mir ein perfekter Vogelkundler, wenn er introvertiert ist und sich vor Kindern fürchtet?", sagt Direktor Urban.

Auch für Akademiker stünden die Chancen schlechter als für Bewerber, die ein Handwerk wie Tischler gelernt haben - zumindest im Nationalpark Hohe Tauern.

Arbeitsplatzattraktivität

Der Beruf des Nationalpark Rangers ist stark saisonabhängig, da zahlreiche Projekte und Programme im Sommer stattfinden. Viele Freelancer seien laut Urban in der Winterzeit auf einen zweiten Job angewiesen. "Wir möchten aber Ganzjahres-Beschäftigungen forcieren, was uns in den letzten Jahren auch schon gelungen ist: Im Jahr 2005 gab es im Nationalpark Hohe Tauern zwei Ganzjahres-Ranger und 15 Halbjahres-Beschäftigte. 2012 hat sich das Verhältnis auf 14:6 umgedreht und wir haben es dadurch geschafft, die Arbeitsplatzattraktivität zu steigern", zeigt sich Wolfgang Urban optimistisch. 

Wie viel genau ein Nationalpark Ranger in Österreich verdient, ließe sich laut Urban und Hartmann nicht festmachen. Für eine dreistündige Halbtagsführung gibt es 100 Euro, für einen ganzen - etwa achtstündigen - Tag mit Individualgruppen oder Schulklassen bekommen Ranger 155 Euro. Je nach Nationalpark variieren die Honorare. Nachtwanderungen sind lukrativer.

Ein scheinbar boomendes Wintererlebnis momentan seien Schneeschuhwanderungen, die von Schulklassen, Touristen und Familien gleichermaßen gerne genutzt werden. Hier arbeiten Tourismusverbände eng mit den Nationalparks zusammen.

Kombination aus Wissensvermittlung und Erlebnis

Nur abseits der Hochsaison, die auf die Monate von Mai bis Juli fällt und in der vordergründig die Schulbetreuung auf der Agenda steht, haben Ranger Zeit für Zusatzausbildungen. Pro Jahr wird der Nationalpark Hohe Tauern von etwa 35.000 Schüler und Schülerinnen aus allen Schulen österreichweit besucht. "Bei Schulende ändert sich der Fokus schlagartig auf den Urlaubsgast", erzählt Urban.

Einen auffälligen Überschuss an Männern oder Frauen gebe es im Berufsbild des Nationalpark Rangers nicht. Aus den Rückmeldungen der Schulen habe man allerdings beobachtet, dass Kinder aus urbanen Regionen eher auf männliche Ranger ansprechen. Bei den Projekten mit Schulklassen werde Wissensvermittlung mit Erlebnis kombiniert, während das Abenteuer stark im Vordergrund ist. "Da viele Kinder im Alltag von der alleinerziehenden Mutter, der Kindergärtnerin oder Volksschullehrerin umgeben sind, vermitteln Männer offenbar mehr den Eindruck eines Abenteuers", sagt Urban.

"Nationalparkführer"

Der Beruf des Nationalpark Rangers, zu dem laut Hartmann durchaus eine Portion Idealismus dazugehört, und wo Direktor Urban zufolge ein "ziemlich schlechter Arbeitsmarkt" herrscht, hat in der Vergangenheit diverse Kunstbegriffe in Österreich zutage gefördert. "Es gab Debatten zur Bezeichnung 'Ranger' oder einer deutschen Variante, des 'Nationalparkführers'. Man hat sich dann doch für den weltweit gebräuchlichen Namen geeinigt, da 'National' und 'Führer' in einem Wort dann doch zu ungeschickt gewesen wären", erzählt Martin Hartmann. (Eva Zelechowski, derStandard.at, 28.6.2012)

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"G'standene Leute sind mir lieber als grünaffine Idealisten"

was für eine selbstgefällige und unsympathische aussage - als ob es nur das eine oder das andere gäbe und als ob es schlecht wäre "grünaffin" und "idealistisch" zu sein. und kann ein "grünaffiner idealist" kein "g'standener mensch" sein??

gerade bei den natur- und waldpädagogen sind die "grünaffinen idealisten" eigentlich die allerbesten.

fazit: die vergabe dieser jobs scheint wohl mehr mit "freunderlwirtschaft" zu tun zu haben, als mit echter qualifikation.

denke für den äußerst entbehrlichen Beitrag

Schwachsinn durch und durch ohne Bezug zur Realität; wahrscheinlich nicht genommen worden, gelle?
Gottseidank

Sind es jetzt Ranger oder Guides?

Ranger, so wie ich sie aus den USA kenne, sind eher mit Forstaufsichtsorganen zu vergleichen. Ich hätte noch nie mitbekommen, dass die Führungen geben.

Im Gegenteil: Unser Guide hat uns erklärt, dass die Ranger oft von geschützten Plätzen aus die Guides überwachen, damit diese mit ihren Gruppen nicht die Tierwelt stören. Außerdem sollen diese auch für die Überwachung des Jagdverbots im Nationalpark zuständig gewesen sein. Daher beschränkte sich die Dienstleistung am Touristen rein auf Auskünfte (inkl. Tourenbedingungen).

Würde mir aber auch hier so gefallen, wenn man bedenkt, dass in den USA zwar Hinz und Kunz jagen darf, aber Bären und Adler nicht auf solch "mysteriöse Weise" aussterben wie bei uns.

sind es jetzt ranger oder guides?

es sind einfach umgeschulte leute aus den nachbargemeinden - sowas wie wanderführer.

nach 42 schnellsiederkurs sind die "gstandenen" dann "experten" in: sämtlichen biologischen disziplinen, geologie, meteorologie, mineralogie sowie top bergführer mit führungskompetenz.

zumindest bis die oma mit garten dann fragt, ob das ein beinwell ist oder warum dieser strauch mähdesüß heißt

kritisch und eigenständig denkende sind mir lieber als egostisch-kurzsichtige, händefaltende Reaktionäre

"Kritisch und eigenständig denkend" ist wohl das, was die Grünen von sich selbst halten. In Wirklichkeit ist es oft so: kommen sich schlau vor, sind aber dumm.

Theoretiker aller Art sind bei der Führung von Gruppen im Gebirge zwischen ungeeignet und gefährlich.
Zuerst bitte mit den Anforderungen und Aufgabenstellungen konfrontieren -> dann mitreden.

wenn man mal genauer hinschaut ist es doch recht einfach zu begreifen, wie die jobs in der "oeko" touristk branche vergeben werden: wenn der sohn vom toni vom nachbarsort grad eine arbeit braucht, und im nationalpart xy is was frei, dann kriegt der auch die arbeit. egal welche qualifikation der hat (z.b. tischler wie im artikel), also hardcore nepotismus

und kommens mir da ned mit führungsqualifikation: es gibt genug holländer die in österreichs alpen als schiführer arbeiten und jedes jahr wieder neu eingestellt werden -- und das ist eine 10x verantwortungsvollere tätigkeit (lawinen, unfälle, etc) als park ranger.

Was genau sind gstandene Leut?

Na das Gegenteil von "grünaffinen". Also nicht solche Typen wie der Reinhold Messner von den Südtiroler Grünen sondern richtige Kerle eben.

"grünaffin" mag beim Messner noch angehen, aber bei "Idealist" sind wir bei einem der besten Selbstdarsteller schon etwas mehr als knapp daneben.
Und das mit Südtirol ist auch schon falsch
http://de.wikipedia.org/wiki/Rein... 3.A4tigung

bobos aus 1070 wien sind in den bergen verloren...

außer am spittelberg ;-)

Wahrscheinlich Leute, die tatsächlich was von Arbeit in der Natur verstehen,Kondition haben und nicht solche, die "einfach nur" Tiere/Pflanzen gern haben.

G'standene Leute ...

"G'standene Leute sind mir lieber als grünaffine Idealisten"!?

Kann ich so bestätigen. Allerdings muss zur Ehrenrettung gesagt werden, dass es auch unter den Grünen durchaus ein paar "g'standene Leute" gibt.

ganz genau

besonder die nach Wien als Entwicklungshelfer gezogen sind um den Leuten klarzumachen, dass der Stadtpark nix mit freier Natur zu tun hat

Geht da glaub ich mehr um die Botanik als um die Parteifarbe.

Nicht reden - sondern tun!

Wir machen das heuer wieder, geführte Touren mit den Rangern.

Wir haben dabei viel gelernt. Schön dass es das gibt!

Schade, dass gerade in dieser Sparte das......

Prekariat besonders stark ausgeprägt ist. Nationalparkgebiete sind ja größtenteils nicht unbedingt in wirtschaftlich boomenden Regionen zu finden, und auch dort (z. B. oberes Mölltal, Eisenerz, Admont usw.) ist Abwanderung der Jugend ein allgegenwärtiges Problem. Langfristige Perspektiven und Jobs, die das ganze Jahr lang angeboten werden, müssten entwickelt werden, um die Leute in diesen strukturschwachen Gebieten halten zu können. Statt Geld für schwachsinnige Events hinauszuschmeißen, sollten nachhaltige Konzepte entwickelt und umgesetzt werden. Ein Wink mit dem Zaunpfahl nach Kärnten!

Ranger oder Führer

Wer schon mal in einem amerikanischen Nationalpark unterwegs war, assoziert "Ranger" bestimmt eher mit Faschismus als "Fürher".

Ok, wer noch hat diesen Artikel bloß wg. der Murmeltiere angeklickt? :)

Das sind doch Bergziesel!

Danke! Somit habe ich auch noch aus diesem Artikel etwas gelernt, ohne ihn gelesen zu haben.

Ich hab ...

... ihn wegen der "grünaffinen Idealisten" angeklickt. :)

mM

Murmeltiere und potentielle Bobo-Schlachten im Forum...

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