Burgtheater hat im Schnitt höchste Personalkosten

22. Juni 2012, 15:04

"Salzburger Nachrichten" zitiert aus bisher geheim gehaltener Evaluierung - Burgtheater: "Personalstruktur nicht vergleichbar"

Wien - Das Wiener Burgtheater hat im Durchschnitt höhere Personalkosten als die Staatsoper oder die Volksoper. Zu diesem Schluss kommt der von Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) in Auftrag gegebene Bundestheater-Evaluierungsbericht von Ernst & Young, wie die Tageszeitung "Salzburger Nachrichten" (SN) in ihrer heutigen Ausgabe berichtet. So entfallen auf ein Ensemblemitglied im Burgtheater "bei aktueller Auslastung" pro Vorstellung 2.217,26 Euro, während dieser Betrag in der Staatsoper (1.755 Euro) und Volksoper (1.998,60 Euro) deutlich geringer ist.

Das Burgtheater verwies in einer schriftlichen Reaktion gegenüber der APA auf die "unterschiedliche Personalstruktur", weshalb die Lohnstruktur der drei Häuser nicht vergleichbar wäre. "Die Stars der Oper sind keine Ensemblemitglieder, ihre Gagen werden in dieser Aufstellung nicht berücksichtigt." Tatsächlich entfallen auf einen Gastdirigenten an der Staatsoper pro Abend durchschnittlich 9.361 Euro (Hausdirigent: 3.590 Euro), auf einen Gastsolisten gar 9.840 Euro, wie die SN aus dem bis dato geheimen Bericht zitiert. Die "Stars des Burgtheaters" sind laut Burgtheater-Reaktion aber Ensemblemitglieder und entsprechend die diesbezüglichen Gagen höher.

Des Weiteren habe das Sprechtheater am Ring seit seiner Ausgliederung 1999 in allen Bereichen Personal reduziert, wodurch die "Anforderungen an den Einzelnen" gestiegen seien, um keine quantitativen oder qualitativen Einschränkungen vornehmen zu müssen. "Dies schlägt sich in der Bezahlung nieder." Hätte man diesen Weg nicht gewählt, wäre der Personalaufwand jährlich um mehr als acht Mio. Euro höher.

Dass auch im Bereich Geschäftsführung und Verwaltung das Burgtheater die höchsten durchschnittlichen Personalkosten aller drei Häuser im Untersuchungszeitraum von 2006 bis 2009 aufweist, habe u.a. mit dem Direktionswechsel (und damit verbundener gesetzlicher Abfertigung) zu tun, wie auch die Dramaturgie "aufgrund ihrer Bedeutung im Sprechtheater eine wesentlich höhere Personenzahl als im Musiktheater aufweist". Die Evaluierung fand aber auch Positives: So wurden laut SN im Burgtheater in der Bühnentechnik die Kosten reduziert sowie durch eine teilweise Auslagerung von Feuerwehr und Reinigung oder das "Komplettoutsourcing des Publikumsdienstes" Einsparungen erzielt.

Kritik erntete Ministerin Schmied heute erneut vom Grünen Kultursprecher Wolfgang Zinggl, da diese den Evaluierungsbericht nach wie vor der öffentlichen Diskussion vorenthalte. Schmied habe den 550.000 Euro teuren Bericht ursprünglich nur der Koalition zur Verfügung stellen wollen, dann aber bei Unterzeichnung einer Vertraulichkeitserklärung allen fünf Parlamentsparteien angeboten. Dies wurde von den Grünen dezidiert ausgeschlagen. Angesichts der von der SN veröffentlichten Zahlen ortet Zinggl "erhebliche Einsparungsmöglichkeiten", wie er in einer Aussendung mitteilte. Die Öffentlichkeit "hat daher das Recht, über das Parlament lückenlos von Kosten und Nutzen der Bundestheater informiert zu werden. Ich fordere die Bundesminister auf, ihre Verdunkelungspolitik zu beenden und den Bericht und einen daraus abgeleiteten Maßnahmenkatalog zu veröffentlichen." (APA, 22.6.2012)

Gagen-Mathematik

Auf der Opernbühne finden sich jeden Abend einige Solisten, viel Chor, Tanz-Ensemble, Statisten, und meist sehr viele davon. Es können durchaus an die Hundert Leute sein, die in einer Vorstellung zu sehen sind.
In Burgtheater-Produktionen sehen Sie im Durchschnitt eine Handvoll bis zwei Dutzend Solisten.

Wie werden nun die Gagen in solchen Studien miteinander verglichen?

"Tatsächlich entfallen auf einen Gastdirigenten an der Staatsoper pro Abend durchschnittlich 9.361 Euro (Hausdirigent: 3.590 Euro), auf einen Gastsolisten gar 9.840 Euro, wie die SN aus dem bis dato geheimen Bericht zitiert."

Zur Hälfte aus Subventionen, sprich Steuergelder, finanziert. Absolut absurd, hier gibt es erhebliches Einsparungspotential.

endlich wird eine Debatte über die unverschämte

Höhe der Honorare (Gagen, Gehälter - was auch immer) losgetreten..

Ja klar - die Schauspieler-Gagen sind ein Problem in diesem Land. Brüller!

Nicht dass man die Diskussion nicht führen könnte - aber ich frage mich, ob nicht eine Aufstellung der Kosten nach Resorts spannend wäre, und wo da die Kultur wohl landen würde. Warum scheinen da gerade die Grünen am Kulturfeindlichsten eingestellt zu sein? Oder geht es nicht eher darum, die eigenen kulturellen Ideen - ich sage nur Wienwoche - zu finanzieren und deswegen müssen eben andere "bluten"?

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