Lümmeln auf gepolstertem Kirschbaum

22. Juni 2012, 17:40
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Danhauser steht synonym für das Wiener Möbel im Biedermeier. Das Mak veröffentlichte jetzt 2500 Entwürfe und präsentiert (bis 1. 7.) eine Auswahl

Verstaubt und betulich, das sind jene Attribute, die Christoph Thun-Hohenstein im Zusammenhang mit dem Biedermeier nicht hören will. Geradezu zornig könne er dann werden, gestand der Direktor des Mak jüngst ein, lägen dort doch die Wurzeln der Moderne. Davon zeuge ja mindestens schon die Verehrung dieser Epoche und ihres Formenrepertoires in Wien um 1900.

Beweise dafür finden sich im Museum am Stubenring zuhauf, in der Schausammlung sowieso, aber auch im üppigen Bestand der Kunstblättersammlung. Und in Letzterer schlummert seit dem Ankauf 1931 ein für Möbelhistoriker ungehobener, weil bislang nur fragmentarisch publizierter Schatz: konkret der zeichnerische Nachlass der Danhauser'schen Möbelfabrik, der mehr als 2500 Skizzen, Zeichnungen und Kataloge umfasst.

"Aller Gattungen Möbel" titelt die Ausstellung (bis 1. 7.), die mit 350 Blättern einen in diesem Umfang erstmaligen Querschnitt des zwischen 1814 und 1840 produzierten Sortiments offeriert, das klassisches Mobiliar, aber auch Spucknäpfe, Luster, Kandelaber oder Draperien und Wanddekorationen umfasste.

Soweit die Präsentation im Kunstblättersaal, die ausgeführten Repräsentanten gilt es wiederum im Stockwerk darunter zu bewundern, wo (auch andere) Exponate des Empire und Biedermeier eine permanente Vorstellung bieten. Dazu die Interpretation eines Danhauser-Modells (Kanapee Nr. 57) von Jenny Holzer (1993), das einzige zur Nutzung der Besucher freigegebene Möbel. Zeitgenössisches Lümmeln auf Aluminiumguss statt auf gepolstertem Kirschbaumholz. Das Attribut "Bequem" verdient die zeitgenössische Version in diesem Falle eher nicht.

Die Anfänge des Unternehmens reichen bis in das Jahr 1804 zurück, als man mit "vergoldeten, versilberten und broncierten Bildhauer-Arbeiten", teils aus Holz geschnitzt, teils aus Masse gegossen, eine Nische bediente. Dazu fungierte man mit Möbelverzierungen als Zulieferer, da jeder Tischler, der im damals vorherrschenden Empiregeschmack arbeitete, solch modischen Aufputz seiner Möbel oder Uhrkästen benötigte.

Nicht nur für die Elite

Die Befugnis zur Möbelproduktion erhielt Joseph Ulrich Danhauser 1814, und innerhalb kürzester Zeit avancierte das Unternehmen zum ersten großen Wiener Einrichtungshaus, das wiederum die Wohn- und Residenzräumlichkeiten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts maßgeblich prägte. 1829 starb der Firmengründer, und der älteste Sohn Josef Franz Danhauser übernahm - zum Leidwesen des an der Wiener Akademie ausgebildeten Malers, wie man weiß - die Leitung des wider allen Erfolges maroden Betriebs. Trotz Sanierungsbemühungen schlitterte die Danhauser'sche Möbelfabrik 1842 in den Konkurs. Dabei hatte man nicht nur für die Elite produziert: Sowohl der Wiener Hochadel, allen voran Erzherzog Karl (Albertina, Schloss Weilburg / Baden), als auch das Bürgertum der k. k. Monarchie und angrenzender Länder hatten bei Danhauser fertigen lassen. Insofern mag es verwundern, dass sich gegenwärtig nur ein überschaubarer Bestand in Museumssammlungen befindet.

Sporadisch tauchen Einzelstücke auf dem Kunstmarkt auf, im deutschsprachigen Raum tendenziell öfter, anderswo. Den vorläufigen Spitzenwert bei einer Auktion notierte das Dorotheum 2009 mit 116.200 Euro, die ein franzö sischer Kunsthändler für ein Kandelaber-Paar (1805/15) springen ließ. Günstiger kommen oftmals, teilweise auch von Nachahmern ausgeführte Modelle wie der ovale Damenschreibtisch für Erzherzogin Sophie (Schloss Laxenburg), für den bisher zwischen 10.000 und 20.000 Euro veranschlagt wurden.

Die Zahl der in Privatsammlungen erhalten gebliebenen Odien ist unbekannt. Vieles harrt dort noch einer Identifizierung, anderes dürfte wiederum der bisherigen Zuordnung nicht (mehr) standhalten. Nun ist der Mak-Bestand an Entwürfen in einer Datenbank öffentlich zugänglich (www. sammlungen.mak.at), und das wird nicht ohne Auswirkungen auf den Kunstmarkt bleiben. Auch weil das international in London oder New York bisher übliche "in the manner of"- und "attributed to"-Danhauser damit endgültig ausgedient haben dürfte. (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 23./24.6.2012)

  • Facettenreiches Sitzen zur Zeit des Biedermeiers: Auswahl aus dem Danhauser'schen "Stuhlkatalog" aus der Zeit von 1814-1829.
    foto: mak museum für angewandte kunst

    Facettenreiches Sitzen zur Zeit des Biedermeiers: Auswahl aus dem Danhauser'schen "Stuhlkatalog" aus der Zeit von 1814-1829.

  • Danhauser-  Auktionsrekord:  ein Paar mehr als zwei  Meter hoher und 116.200 Euro teurer Kandelaber.
    foto: dorotheum

    Danhauser- Auktionsrekord: ein Paar mehr als zwei Meter hoher und 116.200 Euro teurer Kandelaber.

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