Schulschluss: Jeder zehnte Schüler benötigt psychologische Hilfe

22. Juni 2012, 12:55
  • Tränen am Zeugnistag? Die schulpsychologischen
Beratungsstellen verlängern ihren Beratungsdienst.
    foto: apa/fohringer

    Tränen am Zeugnistag? Die schulpsychologischen Beratungsstellen verlängern ihren Beratungsdienst.

Mangel an Schulpsychologen - Verlängerte Anrufzeiten bei Beratungsdienst am Zeugnistag

Wien - Schlechte Noten, Unverständnis, Streit und Tränen: So endet für manche Schüler der Zeugnistag. Zu Schulschluss spitzen sich längst brodelnde Konflikte zu. Beratungsstellen sind derzeit gefragt. "Schüler kommen mit der ganzen Palette an Fragestellungen", sagte Mathilde Zeman, Leiterin der Schulpsychologischen Bildungsberatung in Wien, zur APA. Laut der Expertin benötigen rund zehn Prozent aller Schüler psychologische Hilfe. Die schulpsychologischen Beratungsstellen decken davon nicht einmal die Hälfte ab. "Es gibt einfach zu wenig Schulpsychologen", meinte Zeman.

Seit 20 Jahren ist der Personalstand in Wien unverändert - und der Bedarf ist gestiegen. "Ich halte es für gefährlich, wenn man Jugendlichen psychologische Hilfe nicht gewähren kann", meinte die Psychologin.

Lernschwierigkeiten und Leistungsabfall

Ganz oben auf der Liste an Anfragen stehen Lernschwierigkeiten und Leistungsabfall, gefolgt von Motivationsproblemen, wenn die Freude am Lernen verloren geht, und von Schullaufbahnfragen. Aber auch Probleme mit dem sozialen Umfeld - mit Freunden, Familie oder Klassenkollegen - werden zur Belastung.

Der Lernstoff überfordert manche Schüler, er wird als zu viel empfunden - und das sorgt für Frustration. Häufig sind die Kinder auch einfach fehl am Platz, sagte die Psychologin. "Die Schulart entspricht nicht ihren Interessen", meinte Zeman. Ein Schüler, der Mathematik nicht gerne mag, aber in einer kaufmännischen Schule mit Schwerpunkt Rechnen sitzt, den freut das Lernen wenig, zeigte Zeman Verständnis. Teilweise orientieren sich die Eltern bei der Schulwahl zu sehr an den Erfolgschancen am Arbeitsmarkt oder sie suchen einen Nachfolger für das eigene Unternehmen, während das Kind lieber etwas Kreatives machen würde, meinte die Schulpsychologin.

Was tun, wenn das Kind mit der Schule unglücklich ist? Quält sich der Schüler im ersten Jahr und schafft gerade den Abschluss, "dann ist noch eine gute Zeit gegeben, um abzuzweigen", sagte Zeman. Ein Schulwechsel soll aber immer mit einer differenzierten Laufbahnberatung einhergehen, wo die Fähigkeiten und Potenziale eines Kindes genau erhoben werden. Ein zu schneller Wechsel kann sich schnell zum Flop entwickeln. "Man muss sich die Schule genau ansehen, auch das Gebäude besuchen, immerhin verbringt man als Schüler viel Zeit darin." Tritt die Motivationskrise kurz vor dem Abschluss auf, "dann ist unser Ziel zu schauen, wie es der Schüler schaffen kann, bis zum Schluss durchzuhalten".

Liebeskummer

Als belastend werden aber auch Probleme mit dem sozialen Umfeld erlebt - nicht zuletzt gilt die Pubertät als eine herausfordernde Lebensphase. "In einem gewissen Alter haben andere Dinge im Leben eine größere Wertigkeit als die Schule", so Zeman. Jugendliche beschäftigt der erste Liebeskummer oder die Trennung der Eltern. Was in den vergangenen Jahren zunimmt, sind nach Angaben der Expertin Probleme nach persönlichen Beziehungs- und Freundschaftsabbrüchen. "Das kann erhebliche Probleme und Krisen auslösen (...) in diesem Alter nehmen Freundschaften einen großen Stellenwert ein."

Erholungspause trotz Nachzipf

Auch die ORF-Telefonberatung "147 Rat auf Draht" verzeichnet vor Schulschluss einen leichten Anstieg bei den Anrufen. Das Thema Schule ist das ganze Jahr über präsent, sagte Birgit Satke, Leiterin von "147 Rat auf Draht", kurz vor Ferienbeginn aber besonders. Hauptsächlich geht es um die Frage "Wie bringe ich meinen Eltern die schlechten Noten bei?" oder "Wie kann ich es anstellen, dass ich trotz Nachzipf auch die Ferien genießen kann?". Der Druck ist in den vergangenen Jahren deutlich spürbarer geworden, betonte Satke. "Ziemlich viel fokussiert sich auf zweieinhalb Prüfungsmonate." Wenn es einen Nachzipf gibt, rät die Expertin zu einer guten Planung, die beides ermöglicht: Lernen und Ferien genießen. "Nicht nahtlos von Schule und Lernen zum Lernen für die Nachprüfung übergehen. Kinder brauchen eine Erholungspause", meinte Satke.

Am Zeugnistag haben die schulpsychologischen Beratungsstellen verlängerten Beratungsdienst. Die Berater sind dann von 7.30 bis 18.00 Uhr erreichbar. (APA, 22.6.2012)

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Die Spitze des Eisbergs

Das heißt anders rum: Mit jedem 10.Kind ist man psychologisch dermaßen psychoUNlogisch vorgegangen, dass es das allein nicht mehr bewältigt.
Als Ich-kann-Schule-Lehrer würde ich da die Pädagogik hinterfragen. Die 10% sind ja nur die Spitze des Eisbergs. Und das heißt wieder andersrum: dass sich die Pädagogen zu 90 % neu orientieren müssten.
Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe

zu meiner zeit wurde das

gsunde watschn genannt

Unser Geld

Ja wenn es denen da oben, wichtiger ist, die EU, den Euro und Griechenland zu versorgen...

wir sind echt dabei eine

"lost generation" heranzuzüchten so wie es aussieht. unsere kinder und jugendlichen können offenbar ohne experten nicht mal mehr auf's klo gehen.

die einen werden vernachlässigt und vom fernseher/pc ruhig gestellt und verblöden vor sich hin und rasten regelmäßig aus, die anderen werden von den eltern überfördert und überfordert und gleichzeitig vor allem was nur irgendwie nach konflikt oder problem aussieht abgeschirmt.

und letzten endes zerbrechen sie alle an der realität.

(oder aber: die ganzen experten machen ständig panik, damit sie ihre jobs rechtfertigen)

es wird schon einen grund haben

warum keine selbstmorde bzw. statistiken darüber veröffentlicht werden.

"Wie bringe ich meinen Eltern die schlechten Noten bei?"
Allein die Frage ist schon ein Alarmsignal für sich.
Ich würde mich jedenfalls doch sehr an der Nase nehmen müssen, würde ich als Mutter erst am Zeugnistag von den Schulleistungen meiner Kinder erfahren.
Zawos gibt es Schularbeiten, Hausübungen, Etlernabend usw.
Da merkt man ohnedies wie der Hase läuft.

Offenbar ist das bei vielen Eltern anders und die brauchen sich dann nicht aufpudeln, wenn es bei ihren Kindern nicht so rennt wie sie sich das vorstellen.

Na ja, man kann nach einiger Zeit sehr wohl sehen, welche Eltern sich um ihre Kinder kümmern und welche nicht. Mich wundert das nicht, dass manche Eltern trotz Frühwarnung, Einladung zum Sprechtag usw. nichts über ihre Kinder wissen. Manchmal hab ich mir gedacht, dass sie ihre eigenen Kinder schlechter als ihre Lehrer kennen.

Sie würden sich wundern, wie Eltern der Realität davonlaufen können.

Ich habe heuer wieder 2, 3 solche Traumtänzer, die nach 2 Frühwarnungen und einer Semesternachricht mit eindeutigen Symptomen immer noch aus allen Wolken fallen, weil "Nicht genügend" tatsächlich "Nicht genügend" bedeutet.

M. E. brauchen 10% der Eltern psychologische Hilfe, die Kinder eher nicht.

na, da wundere ich mich gar nicht.
Die Leute haben offenbar niemals gelernt, dass es irgendwo noch Konsequenzen gibt. Das kommt aber eher von dem ganzen psychologischen Getue für jenden unnötigen Schmarrn, anstatt schon jungen Leuten beizubringen, dass Handlungen auch Folgen haben.

Kaufmännische Schule und Mathematik.

ich musste auch schmunzeln :D

Was leider nirgends erwähnt wird, das ...

... ist die Verantwortung der Lehrer für die gute, verständliche und adäquate Vermittlung der Informationen. Aus mehrfacher Erfahrung muss ich anmerken, dass Schüler oft auch dadurch schlechte Leistungen bringen oder demotiviert sind, weil Lehrer ("Professoren") routineartig unterrichten, auf das Verstehen bei den Informationsempfängern kaum eingehen, oft sogar inhaltlich fragwürdig informieren. Dazu kommt, dass der Unterricht generell einer Entrümpelung bedarf - etwa durch frühere Konzentration auf Neigungen oder durch Abschaffung von unsinnigen Fächern, etwa Religion, die in der Wissensvermittlung nichts zu suchen hat.

ich entnehme Ihrem Posting, dass Sie

1. dem Unterricht regelmäßig beiwohnen, eventuell durch (illegale) Videoaufzeichnung informiert sind oder Schüler/innen kennen, die ehrlich und gewissenhaft protokollieren, wie was unterrichtet wird (und trotzdem nicht mitkommen),

2. offenbar Unterricht mit einem Dachboden verwechseln,

3. aus Ihrer Abneigung gegen religiöse Weltanschauung eine perfekte Entschuldigung für eigene Bildungslücken konstruiert haben.

Alles in allem ein wertvoller Beitrag zum Thema: "Wer aller braucht einen Therapeuten."

Klar, die Religion ist wieder mal schuld.

Gerade die Religionsstunden sind bei den Kindern meistens ziemlich beliebt, weil es da durchaus entspannt zugeht. Abgesehen davon haben Sie wohl offensichtlich eine höchst unzeitgemäße Vorstellung, wie heute Religionsunterricht abläuft.

Im Übrigen kann man seine Kinder am Anfang des Schuljahres vom Religionsunterricht problemlos abmelden.

Also, ich selbst war nur 1 Jahr lang in der Volkschule im Religionsunterricht, habe aber immer mitbekommen was die anderen in Religion gemacht haben

Am anfang gebetet und dann zeitweise gebastelt, in der Bibel gelesen. Das hat sich nur für 1 Jahr in der 6 Klasse geändert, da war eine motivierte Religionslehrerin, die hat dann über andere Religionen mit denen diskutiert.(Wobei auch hier 90% der Klasse stumpfsinnig in der Gegend herumgestarrt hat) Am ende haben immer alle einen 1er bekommen, der is gut fürn Schnitt und genug sind auch nur wegen dem in Religion gesessen.

Und wenn sich zu viele von diesem unnötigen Fach abmelden, gabs immer richtige Strafersatz"fächer" wie die Karten ordnen oder still in einer Klasse sitzen und Hausübung machen. Schon klar das man so verhindert, dass sich zu viele abmelden.

still sitzen udn Hausübungen machen als Strafersatz.

Das lässt schon tief blicken.

Halbwegs intelligente Kinder finden sowas jedenfalls nicht als STrafe, sondern als Möglichkeit, sich schnell der HÜs zu entledigen, damit bleibt am Nachmittag mehr Zeit.

Aber bitte, jeder nach seinem IQ

Form und Inhalt Ihres Postings entnehme ich, dass

für Sie sehr viele Schulfächer "unnötig" waren.

Ich habe meinen Kindern gesagt:

Ihr müßt keine guten Noten haben. Das einzig wichtige ist, dass ihr durchkommt. Dinge, die euch nicht interessieren, vergesst ihr ohnehin nach kurzer Zeit wieder. Investiert die Zeit, die ihr daduch gewinnt, darin, in den Gebieten, die euch interessieren, wirklich gut zu werden.

Hat sich bestens bewährt. Es gab niemals Streß, die beiden hatten eine schöne und entspannte Kindheit/Jugend und sind jetzt sehr erfolgreich in ihren Berufen.

Leider ist diese Denkweise in Österreich (mit wenigen Ausnahmen - z.B. Markus Hengstschläger: "Die Durchschnittsfalle") immer noch kaum vertreten.

und das zeigt sehr gut, warum österreich in so vielen dingen nur mittelmaß hervorbringt

wenn schon eltern ihren kindern die latte so niedrig legen, dann kann da gar keine spitzenleistung mehr rauskommen

ich sage meinen Kindern: "Gebt euer Bestes." WEnn es dann eben nur fürs Durchkommen reicht, dann ist es nicht mehr, aber es ist geschafft.

Ansonsten sehe ich es genauso wie Sie - weniger an den Schwächen feilen und mehr in die Stärken investieren.

Das war bei mir auch bis ich irgendwann für mich gelernt habe und nicht für Noten, den Professor oder die Eltern ... Denn im ernst, ich muss später also jetzt jeden Tag arbeiten gehen und funktionieren und diese Welt hat mit der Schule genau gar nichts zu tun!
Und der beste war ich auch nie, hab auch manchmal nichts gelernt weiblich keine Lust hatte, dann ist's hält nur ein 4er geworden...
Selbst auf der Uni Glauben die Professoren noch dass ihr Fach das wichtigste ist...den Professoren hab ich allerdings ins Gesicht gesagt dass es Stuss ist zB Vokabeln stur auswendig zu lernen ... Hat mir auch nicht geschadet, der Professor hatte wohl eine sinnkrise

"auch manchmal nichts gelernt weiblich keine Lust hatte"

Ich frage mich gerade, ob diese Formulierung auf subtile Weise zum Ausdruck bringen soll, daß der Grund für Ihre Unlust am Lernen weiblich war?

Aha...wohl ein freud'scher Versprecher ;)

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