Der mit dem Wind tanzt

Günther Brandstetter, 24. Juni 2012, 17:00
  • Industriekletterer sind Facharbeiter, die ihre Tätigkeiten nicht am Boden, sondern am Seil hängend verrichten.
    foto: apa/dpa/burgi

    Industriekletterer sind Facharbeiter, die ihre Tätigkeiten nicht am Boden, sondern am Seil hängend verrichten.

Industriekletterer verrichten ihre Arbeit meistens in schwindelerregenden Höhen - Windkraftanlagen zählen dabei ebenso zum Einsatzgebiet wie Hochhäuser, Sendemasten, Schornsteine oder Staumauern

"Unser Beruf wird meistens missverstanden", lautet die Überzeugung von Gottfried Marischka, der 2001 das erste Industriekletterer- und Höhenarbeitsunternehmen in Österreich gründete. Schließlich bewerben sich bei ihm häufig Sportler, die in ihrer Freizeit gerne Felswände bezwingen. "Ich brauche aber gelernte und selbstverständlich schwindelfreie Handwerker, also Schlosser, Maler, Elektriker oder Zimmerer", bringt es der Geschäftsführer auf den Punkt. Denn für ihn sind Industriekletterer im Prinzip nichts anderes als Facharbeiter, die ihre Tätigkeiten nicht am Boden, sondern am Seil hängend verrichten.

Windige Böen - windige Höhen

Höhenfachkräfte sind besonders dann gefragt, wenn der Wind seine Wirkung zeigt und beispielsweise an Hochhausfassaden unerwünschte Spuren hinterlassen hat. "Der Aufbau von Gerüsten oder der Einsatz von Kränen dauert für die Behebung kleinerer Schäden oft zu lange", berichtet Gottfried Marischka aus der Praxis. "Bis eine solche Konstruktion aufgebaut ist, sind wir schon mit den Reparaturen fertig." Weitaus häufiger kommen Industriekletterer allerdings bei der gezielten Nutzung der Windenergie zum Einsatz. Laut IG Windkraft sind in Österreich derzeit rund 700 Windkraftanlagen in Betrieb, die regelmäßig überprüft und gewartet werden müssen.

Am Anfang der Inspektionsarbeiten steht üblicherweise der schweißtreibende Aufstieg über eine Steigleiter auf eine Höhe von 60 bis 70 Metern, bei dem auch die "Persönliche Schutzausrüstung" (PSA) mitzunehmen ist. Neuere Modelle - mit einem vertikalen Ausmaß von bis zu 140 Metern - verfügen über einen Aufzug, mit dem die Arbeiter relativ bequem in den Maschinenraum, auch "Gondel" genannt, gelangen. Hier ist es heiß und stickig, auch dann, wenn der Generator der Maschine abgeschaltet ist. Über eine Luke kann das Dach der "Gondel" betreten werden, auf dem sich auch die Vorrichtungen für das Fixieren der Abstiegsseile befinden.

Oberste Priorität: Die Sicherheit

Die Suche, Dokumentation und Reparatur von Materialschäden zählt zu den Routinearbeiten am Windrad. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um das Auffinden von Haarrissen oder abgeplatzten Lackstellen sowie die Prüfung des Blitzschutzes beziehungsweise des Entwässerungssystems in den Rotorblättern. Aber auch ganz "profane" Aufgaben wie das Anbringen von überdimensionalen Werbebotschaften an den Windkraftanlagen fallen in den Kompetenzbereich der Industriekletterer. Gearbeitet wird immer im Zweierteam. "Das ist schon aus Sicherheitsgründen notwendig. Nehmen wir an, es kommt durch längeres bewegungsloses Hängen im Gurtsystem zu einem 'Hängetrauma', dann muss der zweite Arbeiter dafür sorgen, dass sein Kollege sicher und rasch wieder auf den Boden gelangt", erläutert Gottfried Marischka.

Grundsätzlich ungefährlich

Bei Höhenarbeiten gehört die Zweiseiltechnik quasi zum Standardrepertoire. Hier übernimmt das Arbeitsseil die Primärsicherung und ein zweites Seil sorgt im Notfall für den sekundären Schutz. Dass das Thema Sicherheit ernst genommen wird, zeigt sich für Marischka auch in der großen Nachfrage nach Schulungen. Aus diesem Grund errichtete der Unternehmer im Jahr 2008 ein Ausbildungszentrum, in dem sowohl die eigenen Mitarbeiter als auch Externe auf die unterschiedlichsten Arbeitssituationen, mit denen Industriekletterer täglich konfrontiert sind, vorbereitet werden. Neben dem Abseilen in Silo- und Schachtsysteme und dem Klettern auf Masten, Brücken, Türme oder Dächer liegt ein weiterer Schwerpunkt auf der Simulation von Unfällen, bei denen Techniken zur Rettung und Bergung erlernt werden.

Marischkas Resümee dazu: "Dieser Bereich muss ebenfalls zu 100 Prozent durch die Mitarbeiter gewährleistet sein und genauso intensiv geschult werden wie die alltäglichen Arbeitsvorgänge. Denn nur dann ist dieser Job auch ungefährlich." (Günther Brandstetter, derStandard.at, 24.6.2012)

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19 Postings

Der Bericht trifft voll zu. Es ist sehr schwer Mitarbeiter mit den genannten Qualifikationen zu finden.

Industrieklettern Vertikalis Dresden
http://www.industrieklettern-vertikalis.de

Danke fürs Aufmerksam machen!

Die Tätigkeit ist jetzt erklärt, nun stellt sich die Frage wieviel man damit pro Monat verdienen kann?

Metaller-Gewerbe KV + Diäten und Zulagen ergibt vermutlich 1.500-1.600 Euro Netto...

Richtig oder gibts für diesen besonderen Job auch besondere Verdienstmöglichkeiten?

Hängt sehr stark von der "Firma" ab

es gibt da auch ordentliche Abzocker, die ihre Angestellten mit 1.300,- netto (Bauhilfshackler oder so) und sogar weniger (1.000,-) abspeisen (z.B. in Theresienfeld).

Eine größere Malerfirma suchte einmal Maler für Strommasten.

Die hätten ca. 6.000 Euro brutto verdient. Aber er hatte genau das hier beschriebene Problem: entweder es meldeten sich Kletterer, die waren aber für die Tätigkeit ungeeignet. Es meldeten sich Maler, die durchaus schwindelfrei usw. waren, aber der Job war ihnen in der Praxis dann doch zu heftig. Außerdem ist man natürlich "auf Montage", also wenig zuhause.

a bissal mehr,...

darfs schon sein. Im normalfall liegst wohl eher zwischen 2.500 und 2.600

Sie meinen wohl brutto. 2600 das währen 4500 Euro Netto. Ein bisserl viel.

meinte schon netto, ist natürlich Einsatzabhängig aber der Durchschnitt wird irgendwo da liegen.

Genau
und wie man sieht ohne Sicherheitsmassnahmen
wie Gurt Helm oder Auffangnetz

Ist das eine bezahlte Einschaltung, weil die Infos sind einfach falsch.

Denn wenn Herr Marischka "2001 das erste Industriekletterer- und Höhenarbeitsunternehmen in Österreich gründete", dann gibt es die Firma Höhenwerkstatt seit 1999 und
2001 Eröffnung Trainingszentrum in Oberösterreich
2008 Eröffnung Trainingszentrum Baden

Also?
Schlecht recherchiert oder gut bezahlt?

Mh, dazu passt auch sehr schön das Video, das ich vorgestern zufällig in meinen Youtube Favorites wiederentdeckt habe... "Tower Climbers Working" - ich habe im realen Leben noch niemals auch nur ansatzweise Höhenangst gehabt, bei dem Video wird mir aber dennoch immer wieder irgendwie anders...

http://www.youtube.com/watch?v=2A_h2AjJaMw

Bist du deppat!

naja die fischaugenoptik der kamera machts schon ein paar nummern dramatischer als es ist

entschuldigung aber ich kann nicht anders: oida!!!

Regelrecht schlecht ist mir geworden....

Danke, ich weiss jetzt schon, wovon ich heute Nacht träumen werd... ;-)

uuuh-uh

über das bin ich auch schon mal gestolpert - der schiere wahnsinn...

thanx!

jessas

ich brauch an 13er schlüssel.
der liegt im auto. i hol eam g'schwind.

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