"Suchtleserin" und Literaturadvokatin: Sigrid Löffler wird 70

  • Artikelbild
    foto: dpa/karlheinz schindler

Ehemaliges Mitglied des "Literarischen Quartetts" und Mitgründerin der Zeitschrift "Literaturen" feiert am Dienstag

Sie ist streng im Urteil, strikt in ihrer Haltung und beseelt von ihrer Liebe zur Literatur: Die österreichische Literaturkritikerin Sigrid Löffler wurde dem breiten Publikum nicht zuletzt durch ihre Mitwirkung am "Literarischen Quartett" und dann durch ihre aus der Sendung resultierende Fehde mit Marcel Reich-Ranicki bekannt. Am Dienstag (26. Juni) wird die 1942 in Aussig an der Elbe (im heutigen Tschechien) geborene und in Wien aufgewachsene Löffler 70 Jahre alt.

Die selbsttitulierte "Suchtleserin" Löffler hat in Wien Anglistik, Philosophie und Pädagogik studiert und 1966 promoviert. Ihre ersten journalistischen Sporen verdiente sie sich unter der Chefredaktion Otto Schulmeisters im außenpolitischen Ressort der "Presse". Ihre kulturjournalistische Karriere, die sie zu einer der profiliertesten deutschsprachigen Vertreter dieses Fachs machte, hob dann beim Nachrichtenmagazin "Profil" an, wo sie von 1972 bis 1993 arbeitete und zuletzt als stellvertretende Chefredakteurin und tätig war. Ihre Kündigung durch das Nachrichtenmagazin sorgte wegen einem umstrittenen und später aufgehobenen Nebenbeschäftigungsverbot während der Kündigungsfrist für Aufregung, die u.a. Elfriede Jelinek dazu bewog zu schreiben: "Es wäre gut, sich jetzt daran zu erinnern, was Löfflers Schreiben für die österreichische Kultur geleistet hat."

Staatspreis für Kulturpublizistik

Der österreichischen Literatur hat Löffler, der 1992 der Österreichische Staatspreis für Kulturpublizistik verliehen wurde, auch als Mitdiskutantin in der erfolgreichen TV-Literatursendung "Literarisches Quartett" viel Aufmerksamkeit gewidmet - sowohl mit viel Lob als auch scharfer Kritik. Mit letzterer hielt sie sich nie zurück: "Bei vielen Büchern genügt ein Kontrollblick auf die erste Seite, und man weiß, was das Buch taugt", sagte sie einmal in einem Interview. Aber Bücher, die in der von ihr im Jahr 2000 mitbegründeten und bis 2008 herausgegebenen Zeitschrift "Literaturen" vorgestellt werden, "die werden gründlich gelesen und zwar nicht nur einmal, sondern zweimal."

Feuilletonchefin der "Zeit"

Mit der Zeitschrift "Literaturen" wollte Löffler, die von 1996 bis 1999 Feuilletonchefin der deutschen Wochenzeitung "Zeit" war und in zahlreichen Zeitungen und Magazinen publiziert hat, dem Leser ein Kompass im Dschungel der rund 80.000 Neuerscheinungen pro Jahr sein. So hätten sie als erste Jonathan Franzen mit "Korrekturen" vorgestellt und auch Orhan Pamuk groß porträtiert, betonte Löffler, die sich auch immer wieder zu literarischen Streitthemen - etwa die Affäre um den Heine-Preis für Peter Handke oder die Antisemitismusvorwürfe gegen Martin Walser - äußerte.

Und auch die sonst vom Feuilleton geschmähte Unterhaltungsliteratur kritisierte die Ehrendoktorin der Universität Bielefeld- und das sogar zuweilen positiv: Als "recht ordentliches Kinderbuch" hat sie die "Harry Potter"-Bücher bezeichnet, den Schriftsteller John le Carre hält sie für einen "exzellenten internationalen Unterhaltungsautoren allererster Güte". (APA, 21.6.2012)

Share if you care