Wasserfalltherapie soll Asthma-Patienten helfen

Helene Voglreiter
6. Juli 2012, 15:43
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    foto: apa/grohag

Eine weltweit einzigartige Therapie bei den Krimmler Wasserfällen in Salzburg soll Asthma-Symptome lindern und auch bei anderen Krankheiten helfen

Bianca ist zwölf Jahre alt und leidet an allergischem Asthma. Wenn sie in die Nähe eines Hundes oder einer Katze kommt, verkrampft sich ihre Atemmuskulatur und die Schleimhäute ihrer Bronchien schwellen stark an. Das Mädchen bekommt dann kaum noch Luft, dafür aber starke Hustenanfälle. Für den Notfall hat Bianca deshalb immer ihren Asthma-Spray dabei.

Bianca ist nicht allein - etwa sieben Prozent der Österreicher leiden an Asthma, das sind fast 600.000 Erkrankte. Laut Experten der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg könnte den Asthma-Patienten ein Aufenthalt an den Krimmler Wasserfällen helfen. Die Mediziner konnten klinisch nachweisen, dass der Sprühnebel der dortigen Wasserfälle Asthma-Symptome lindert und die Lungenfunktion, Sauerstoffsättigung und Blutwerte von Asthmatikern nachhaltig verbessert.

Positive Reaktionen bei Kindern

Asthma-Expertin Renata Sanovic von der PMU führte im Jahr 2007 erstmals klinische Untersuchungen zur Wasserfalltherapie durch. 54 Kinder mit leichtem bis mittelschwerem Asthma verbrachten einen dreiwöchigen Urlaub im Oberpinzgau. Sie wanderten, aßen und spielten gemeinsam und waren im gleichen Hotel untergebracht. Der einzige Unterschied: 27 Kinder hielten sich jeden Tag eine Stunde lang an den Krimmler Wasserfällen auf. Die zweite Gruppe unternahm in dieser Zeit etwas anderes.

"Vor und nach dem Urlaub haben wir die Kinder untersucht. Das Ergebnis war beeindruckend: Bei den Wasserfallkindern hatte sich die Lungenfunktion während der drei Wochen durchschnittlich um 39 Prozent verbessert, ihre Sauerstoffsättigung war gestiegen und auch die Blutwerte hatten sich stark gebessert", schildert Sanovic. Auch die anderen Kinder hätten vom Urlaub in den Bergen profitiert, allerdings bei weitem nicht so stark, und ihre gesundheitlichen Verbesserungen seien schnell wieder abgeflaut. Die Wasserfallgruppe hingegen wies laut Sanovic auch nach vier Monaten noch die gleichen Werte auf wie direkt nach dem Urlaub.

"Keine normale Klimatherapie"

Renata Sanovic leitet mittlerweile jedes Jahr ein Sommercamp für Kinder mit Asthma bei den Krimmler Wasserfällen. Sie betont: "Das ist keine normale Klimatherapie in den Bergen, wo es den Patienten durch weniger Luftverschmutzung, weniger Feinstaub und mehr Bewegung besser geht. Der Wasserfall bewirkt, dass sich das Immunsystem der Patienten umstellt."

Neben den klinischen Studien wurden auch physikalische Messungen am Wasserfall durchgeführt. Diesen Messungen zufolge befinden sich im direkten Umfeld der Krimmler Wasserfälle bis zu 10.000 negativ geladene Ionen pro Kubikzentimeter in der Luft.

Wenn man diese winzigen Teilchen einatmet, gelangen sie in die Lungenbläschen und ins Blut. Dort sollen sie antientzündlich wirken und das Immunsystem positiv beeinflussen. "Wir haben vor und nach der Wasserfalltherapie das Blut der Patienten auf Asthma-Parameter untersucht. Nach der Therapie gab es mehr antientzündliche und weniger proentzündliche Parameter", erklärt die Experten.

Die Wasserfalltherapie wirke nicht nur bei Kindern. Laut Sanovics Auswertungen verbesserten sich die Lungenfunktion, die Sauerstoffsättigung und die Blutwerte bei allen untersuchten Asthma-Patienten durch die Wasserfalltherapie um fast 22 Prozent. Die Asthma-Expertin betreut Patienten, die mittlerweile jedes Jahr bei den Krimmler Wasserfällen Urlaub machen. "Durch die antientzündliche Wirkung des Wasserfalls sind ihre Schleimhäute weniger geschwollen und entzündet, und so fangen sie sich auch nach dem Urlaub nicht so schnell einen Keim ein. Durch die Wasserfalltherapie werden die Asthma-Patienten also insgesamt seltener krank."

Wasserfalltherapie weltweit einzigartig

Die Asthma-Therapie an den Krimmer Wasserfällen ist weltweit einzigartig. Experten der PMU Salzburg haben auch den Sprühnebel anderer Wasserfälle untersucht, doch bei keinem anderen wurden solche Resultate erzielt. "Das heißt nicht, dass kein anderer Wasserfall sich positiv auf die Gesundheit auswirken kann, aber wir haben noch keinen anderen gefunden", sagt Sanovic und unterstreicht, dass die physikalische Dichte der negativ geladenen Ionen im Sprühnebel der Krimmler Wasserfälle außergewöhnlich sei.

Hilfe auch bei anderen Krankheiten

Sanovic hofft, dass die Wasserfalltherapie auch bei anderen Lungenkrankheiten helfen kann. Bei Heuschnupfen oder einer chronischen Bronchitis könne die antientzündliche Wirkung des Sprühnebels Linderung verschaffen, allerdings sei das noch nicht klinisch bewiesen.

Die Wasserfalltherapie sei aber keinesfalls ein Allheilmittel für alle Lungenkrankheiten. "Wenn jemand an einer chronisch obstruktiven Lungenerkankung (COPD) oder an Lungenkrebs leidet, dann kann der Wasserfall ganz bestimmt nicht helfen. Wenn solche Patienten in die Berge kommen, wo weniger Luftdruck herrscht, bekommen sie nur noch größere gesundheitliche Beschwerden", warnt die Expertin.

Helfen könnte der Wasserfall hingegen Patienten mit Neurodermitis. Diese Hautkrankheit kommt oft in Kombination mit Asthma vor, und die antientzündliche Wirkung des Wasserfall-Sprühnebels könnte die Symptome der Neurodermitis lindern. Renata Sanovic und ihre Kollegen an der PMU planen weitere Studien in diesem Bereich. (Helene Voglreiter, derStandard.at, 6.7.2012)

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Der Wunsch des Auftragsgebers bestimmt das Ergebnis!

Dies ist eine typische Auftragsarbeit, die angenommen wurde, um einem Institut, hier die PMU, Geld einzubringen. Hier beginnt sich bereits die vielgerühmte wissenschaftliche Objektivität, mit der sich bekanntlich die Medizin besonders schwer tut, zu krümmen. Es kommt eben zu einem hingebogenen Ergebnis. Was läßt sich nicht alles trefflich bewußt und vor allem auch unbewußt manipulieren. Und dann wird das ganze noch als Neuigkeit verkauft, obwohl bestens bekannt sein müßte, daß Gradierwerke und Spaziergängen auf Deichen na der Nordsee von alters her bewährte begleitende therrapeutische Maßnahmen sind. Und beobachten läßt sich in der Medizin vom Subjekt Arzt am Objekt Mensch, wie die Homöobader und Homöobaderinnen zeigen, fast alles!

ha

so weit sind wir schon, dass orte mit frischer luft therapeutischen zwecken dienen. ich sollte mir schnell mal ein paar hektar kaufen, in 50 jahren bin ich millionär, dank euch!

Klinische Studien

Liebe Leser,

Die klinische Studie zur Asthmatherapie an den Krimmler Wasserfällen wird gerade im "Journal of Asthma" gedruckt.

In den nächsten Wochen soll auch der Eintrag auf PubMed kommen.

Ebenfalls publiziert wurde eine Arbeit über die physikalischen Messungen an den Wasserfällen. Sie erschien unter dem Titel "Characterization of Ions at Alpine waterfalls" im "Atmospheric Chemistry and Physics".

Mit besten Grüßen,
Helene Voglreiter

Das sagt gar nichts aus!

Es werden auch die Studien von Walzl, Frass, Medinger, Endler und anderen Medizinscharlataen abgedruckt!!!!

Oh - na dann werden die Krimmler Wasserfälle wohl bald La Roch oder Bayer gehören und nur auf Rezept zu besuchen sein.

Genau.
Ausserdem befinden sich die Krimmler Wasserfälle immer noch in Tirol. ;-)

na ich glaub die sind aber in Salzburg :-))

Asthma-Expertin Renata Sanovich?

4 Zitationen in medline.
Photodynamische Krebstherapie, das war's.

Der Expertenstatus basiert hier wohl eher auf dem Naheverhältnis zur PMU und deren Vertretern.

Es kann hier jeder herum rülpsen, wie er/sie will: Ein Nachbarsbursch (17) war dort (2011), nichts hat vorher geholfen, lebt seit einem jahr beschwerdefrei.

Großartige Geschichte.

Aber anstatt das hervor zu heben, damit auch andere kranke Menschen davon profitieren, da wird nur herum geneidet.

Der Österreicher ist einfach ein d##mes, pr##etoides, pe##liches, un##bildetes Volk.

da haben sie Recht, aber der Österreicher kann kein Volk sein - wenn dann ein Mensch

Schöne Sache, das. Aber Einzelfälle zu "zitieren", gilt nie für die Gesamtzahl an Betroffenen.

Der Österreicher ist kein Volk. Das geht nicht.

Mein Nachbarsbursch war auch unter dem Wasserfall, hat nix geholfen. Was jetzt?

"Der Österreicher ist einfach ein d##mes, pr##etoides, pe##liches, un##bildetes Volk"

ja leider, merkt man an artikeln wie gleich rechts hier, "jeder zweite Österreicher setzt auf Homöopathie". *facepalm*

Ja, ich kenne auch den Nachbarsjungen ...

... dem nichts geholfen hat und der plötzlich von homöopatischen Zuckerkugeln geheilt wurde. Und das obwohl die Homöopathie nachweislich unwirksam ist.

Schau, du hast einen Einzelfall, und das reicht nicht im geringsten, um irgendeine Aussage zu treffen. Dass es deinem Nachbar besser geht, kann alles mögliche gewesen sein, die Autoabgase im Stau bei der Hinfahrt, die generell positive Auswirkung eines schönen Urlaubs oder schlicht ein Placebo-Effekt. Es kann auch der Wasserfall gewesen sein, aber: du weißt es nicht.

Deshalb ist es wichtig, dass hier viele aufschreien und diesen Werbeartikel nicht einfach so hinnehmen nur weils gut klingt. Zu viele versuchen kranken Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

"Homöopathie nachweislich unwirksam"? :))) Sie sind genau eine der Personen, die ich angesprochen habe, und das ist kein kompliment für Sie.

Frage an dich als medizinischen Experten:

Wenn ein erwachsener Mensch ernsthaft daran glaubt, dass (ohnehin schon fragwürdige) Wirkstoffe auf 1:Inhalt des gesamten Universums verdünnt tatsächlich eine Wirkung haben können, andere Menschen pauschal als ungebildet und dumm beschimpft - also in etwa so wie der Geisterfahrer der glaubt alle anderen fahren in die falsche Richtung ...

... ist das ein Anzeichen von Schizophrenie? Und kann man das mit Wasserfällen behandeln?

Bitte nicht die Schizophrenen beleidigen.

Inhaltlich gehen wir aber natürlich konform.

Ich meine, wenn das alles so klar wäre ...

... warum bin ich dann nichtmal in der Lage, diese Studie online zu finden? Alle Verweise, auch der PMU selbst, führen zu reinen Werbe- und Touristenseiten, für "mehr Informationen zur Studie" verweist die PMU ernsthaft auf http://www.hohe-tauern-health.at/de/medizi... forschung/ ... da gibts mehr Infos zu verfügbaren Zimmern als über die Studie.

Nein, ganz ehrlich: die Sache ist meiner Meinung nach mehr als fragwürdig.

Ich bim froh über Dein Posting.
Die letzten beiden Zeilen finden allerdings nicht meine Zustimmung.
Was Du ankreidest ist nichts typisch österreichisches, glaube ich.

das ist nichtmal mehr eso das ist einfach nur noch marketing bullsh.. und nebenbei werbelüge

da ist der Fremdenverkehrswerbung wieder was tolles eingefallen. Ein Ihalator täte es auch, viel billiger, aber bei weitem nicht so lustig ...

"dass der Sprühnebel der dortigen Wasserfälle Asthma-Symptome lindert"

Den Sprühnebel kann man sicher auch an anderen Orten erzeugen.

Ein wunderbarer Beitrag!
Wann immer etwas gefunden wird, das heilt, oder hilft, Leiden zu mindern, freut mich das sehr.

Und was findet man im Forum?
Nahezu ausschliesslich Zynismus und reflexartiges Bashing von allen moeglichen Randthemen.

Ich rate allen Zynikern, einmal durchzuatmen, und zu versuchen, den positiven Kern in manchen Dingen zu sehen.

Die (meist) pseudointellektuellen Reflexe, die sofort und nur alle negativen Aspekte einer Sache beleuchten sind zum kotzen.

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