Check-in 3 am Flughafen Wien noch immer nicht barrierefrei

  • Die Gatenummern sind nicht nur für sehschwache Menschen zu klein geschrieben.
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    foto: hilfsgemeinschaft

    Die Gatenummern sind nicht nur für sehschwache Menschen zu klein geschrieben.

  • Die fehlenden Kontraste auf den Gängen würden die Orientierung erschweren.
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    Die fehlenden Kontraste auf den Gängen würden die Orientierung erschweren.

  • Manche Monitore sind nicht in Kopfhöhe montiert und die Schrift der Fluginformationen ist zu klein.
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    Manche Monitore sind nicht in Kopfhöhe montiert und die Schrift der Fluginformationen ist zu klein.

  • Auch auf der großen Anzeigetafel fehlen die Kontraste, die Spiegelung ist ein weiteres Hindernis.
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    Auch auf der großen Anzeigetafel fehlen die Kontraste, die Spiegelung ist ein weiteres Hindernis.

Interessenvertretungen für blinde und sehschwache Menschen sehen Diskriminierung, der Flughafen will reagieren

Mit einem großen Festakt eröffnete der Flughafen Wien kürzlich den neuen Check-in 3, besser bekannt als Skylink. Doch die feierliche Stimmung in Schwechat wurde ein wenig getrübt. Interessenvertretungen der sehbeeinträchtigten Menschen übten starke Kritik an der Barrierefreiheit des Millionenprojekts. "Hier hat man fast alles falsch gemacht, was man falsch machen kann", schreibt Elmar Fürst in einer Aussendung der Hilfsgemeinschaft für Blinde und Sehschwache in Österreich.

Im Gespräch mit derStandard.at bekräftigt der stellvertretende Vorsitzende der Gemeinschaft seine Kritik. Er ist enttäuscht, dass trotz der jahrelangen Zusammenarbeit in der Planungs- und Bauphase mit dem Flughafen Wien fast keine der Anregungen der Hilfsgemeinschaft umgesetzt wurde. Erst einen Tag vor der offiziellen Eröffnung habe man zudem mit anderen Behindertenverbänden den neuen Terminal begehen dürfen.

Kritik am Leitsystem

Größter Kritikpunkt ist für Fürst, der auch an der Wirtschaftsuniversität Wien Forschungsprojekte über Mobilität für Sehbehinderte durchführt, das Leitsystem. "Die Schilder verschwinden in der Umgebung des Flughafens und die Schrift hebt sich fast gar nicht vom Hintergrund ab", sagt er. Außerdem sei die Schriftgröße selbst für gut sehende Menschen zu klein. 

Dem schließt sich auch Daniele Marano an, der ebenfalls für die Hilfsgemeinschaft in den Arbeitsgruppen zur Barrierefreiheit am Flughafen Wien vertreten war: "Das alte Schema mit schwarzer Schrift auf gelbem Grund war bereits optimal." Er versteht nicht, wieso nun das alte Leitsystem am gesamten Flughafen ersetzt wurde. Es gebe international zudem gute Beispiele, wie man neue Schilder so gestalten kann, dass sie auch für sehschwache Menschen leicht lesbar sind. "Der Flughafen München hat etwa schwarze Schrift auf blauem Grund, am neuen Flughafen in Berlin soll der Hintergrund rot werden. Es muss ja nicht einmal gelb bleiben", sagt Fürst.

Bildschirme über Kopf

Doch nicht nur die neuen Schilder stören die Interessenvertretungen. So wurden viele der Bildschirme, auf denen die Abflüge und Ankünfte abzulesen sind, nicht auf Kopfhöhe montiert. Dabei müsste es für sehschwache Menschen möglich sein, sich der Informationstafel anzunähern, damit sie die Informationen entziffern können. Auch die grauen Wände und Anzeigentafeln, die hinter einer Glaswand aufscheinen, machen es betroffenen Menschen schwer, sich am Flughafen zurechtzufinden.

"Alles, was für sehschwache und blinde Menschen optimiert wird, kommt auch den sehenden Personen zugute", sagt Fürst. Bei der offiziellen Begehung sei er nämlich immer wieder von Passagieren angesprochen worden, die mit dem Leitsystem am neuen Terminal ihre Probleme hatten. Auch Rollstuhlfahrern werde es nicht leicht gemacht. Eine Vertreterin der Dachorganisation der Behindertenverbände Österreichs testete die behindertengerechte Toilette am Check-in 3. Wollte sie allerdings per Knopfdruck die Tür öffnen, schwang diese nach außen auf und wurde vom Rollstuhl blockiert.

Flughafen will auf Kritik reagieren

"Wir nehmen diese Kritikpunkte sehr ernst", sagt Flughafensprecher Peter Kleemann in einer ersten Stellungnahme zu derStandard.at. Das Thema Barrierefreiheit sei bereits in der Planungsphase wichtig gewesen und man habe sich mit VertreterInnen vieler Behindertenverbände regelmäßig in den vergangenen Jahren getroffen. "Dort, wo es möglich ist, werden wir die nötigen Verbesserungen umsetzen", sagt Kleemann.

Man müsse allerdings auch verstehen, dass nicht alle Änderungen sofort passieren könnten: "Dass der Schalter zur Tür der behindertengerechten Toilette rasch geändert werden wird, ist allerdings klar." Zum Leitsystem kann der Sprecher noch keine Auskunft erteilen: "Wir benötigen Zeit, um die Fehler zu evaluieren." 

Die Vertreter der Hilfsgemeinschaft verstehen das nicht. "Man hat uns nie Pläne gezeigt oder uns die Möglichkeit gegeben, uns noch vor der Eröffnung ein Bild vom Terminal zu machen", sagt Marano. "Man hat uns einfach vor vollendete Tatsachen gestellt." (Bianca Blei, derStandard.at, 22.6.2012)

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