Dieselabgas erregt Krebs

Die WHO stuft Dieselabgase als krebserregend ein. Damit sind aber nicht die modernen Dieseltechnologien gemeint

Was wir schon lange ahnten, ist jetzt eingetreten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Dieselabgase hinaufgestuft, das heißt, sie gelten jetzt nicht mehr als wahrscheinlich, sondern als sicher krebserregend. Dies erfolgte auf Grundlage einer im März veröffentlichten Studie eines großen US-amerikanischen Krebsforschungsinstituts.

Untersucht wurden Arbeiter, die über lange Zeit hohen Konzentrationen von Dieselabgasen ausgesetzt waren. Da man aus Erfahrungen weiß, dass solche Erkenntnisse auch Relevanz für die Allgemeinheit haben, hat man festgeschrieben: Dieselabgase sind krebserregend. Unter hohem kommerziellem Druck und hoher Geschwindigkeit der Berichterstattung wurden in der Folge allerlei wirre Schlüsse gezogen, die bis zur Kurzformel "Diesel ist giftig" (no na) in den ORF-Abendnachrichten führten.

Immerhin liegt der Verdacht nahe, dass viele die Aussendung der WHO nicht wirklich gelesen haben. Sie kritisiert in keinem Wort den Dieselmotor an sich, sondern die hohe Schadstoffbelastung der Bevölkerung, die veralteten Dieselaggregaten jeglicher Form, vor allem in Entwicklungsländern, ausgesetzt ist. Die Erregungsakrobaten dürfen sich wieder zurückziehen. Es geht nicht um zeitgemäße Dieseltechnologie. Denn die Abgase eines Dieselmotors mit Rußfilter enthalten weniger Partikelmasse als die eines Benziners.

Trotzdem könnte diese Meldung die allmählich erfolgreichen Bemühungen der deutschen Autoindustrie, Selbstzünder auch in den USA salonfähig zu machen, abwürgen. Denn im abgekürzten Denken sind die Amis noch radikaler als wir. (Rudolf Skarics, AutoMobil, DER STANDARD, 22.6.2012)

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