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Europa ist nicht nur in seinen Wirtschaftsturbulenzen gefangen, sondern durchlebt auch eine Krise der kritischen Auseinandersetzung und Berichterstattung mit dem Thema. Ein Teil der Medien und Ökonomen, die der Politik auf die Finger schauen, operieren selbst im Krisenmodus. Sie tragen nicht zum besseren Verständnis der komplexen Zusammenhänge in Europa bei, sondern sorgen im Gegenteil für eine Entfremdung zwischen Politikern und Wählern und betreiben mitunter Panikmache.
Gut zu beobachten war das im Vorfeld der griechischen Wahlen. Die Schlagzeilen darüber, was nicht alles bei einem Sieg der linksradikalen Syriza geschehen würden, überschlugen sich. Die deutsche Bild schrieb, das Land habe die Wahl zwischen "Vernunft und völligem Untergang". Der Urnengang wurde in anderen Medien zur "Abstimmung über die Zukunft der Eurozone" stilisiert. Man mag über Syriza denken, wie man will. Der Partei wurde nie vorgeworfen, demokratischen Boden verlassen zu haben. Trotzdem wurde ein Klima geschaffen, indem man meinen konnte, Griechenland stehe vor einem Militärputsch.
Das Phänomen ließe sich als Verirrung des Boulevards abtun, würden nicht auch Qualitätsmedien ihren Beitrag zur Hypernervosität leisten. Politiker werden für Stehsätze kritisiert. Sie werden aber auch kritisiert, wenn sie offen sprechen. Paradefall dafür war ein "ZiB 2"-Interview von Armin Wolf mit Finanzministerin Maria Fekter. Fekter deutete dort an, dass Italien Hilfen der Euroländer brauchen könnte. Ihr wurde deswegen vorgeworfen, die Märkte zu verunsichern. Dabei ging unter, dass Wolf von Fekter wissen wollte, ob sie ein solches Hilfsgesuch "ausschließen" könne. Fekters Antwort war unbeholfen: Sie hätte sagen können, im Leben lasse sich nichts ausschließen. Doch es wirkt, als sei hier für ein knackiges Zitat die Chance auf eine ernste Debatte geopfert worden.
Dass die Kritik aus dem Gleichgewicht geraten ist, lässt sich auch an der Ökonomenkaste zeigen: US-Nobelpreisträger Paul Krugman zieht fast täglich über Europa her. Vor kurzem schrieb er, dass Europas Führer ihre Gesellschaften eher "in den Abgrund stoßen würden" als zuzugeben, dass ihre Sparpolitik falsch ist. Krugman vergleicht die Strategie der Eurozone mit der Sparpolitik der 1930er. Dabei unterschlägt er, dass Europa auf die Krise zunächst mit drastischen Mehrausgaben reagiert hat. Spaniens Staatsschulden haben sich seit 2008 verdoppelt. Den Südländern wurden inzwischen harte Sparauflagen auferlegt. Aber niemand verlangt von ihnen, umgehend einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Spanien und Griechenland machen weiter Schulden. Sparwahn sieht anders aus.
Krugman fordert, die Deutschen mögen so wie die USA 2008 alle Geldschleusen öffnen. Dabei verkennt er die politische Realität: Kanzlerin Angela Merkel hat eine skeptische Partei und skeptische Wähler im Rücken, auf die sie hören muss. Der Vergleich mit den USA hinkt zudem, weil dort Dinge wie eine zentrale Fiskalpolitik längst verwirklicht sind.
Europa braucht keinen Anbiederungsjournalismus, und Ökonomen werden weiter gute Gründe haben, die Krisenstrategie zu bemängeln. Doch es wäre Aufgabe der kritischen Öffentlichkeit, auf die Sachzwänge und den Zeitdruck hinzuweisen, unter dem die Politik derzeit agiert. Manches Urteil würde dann vielleicht nicht besser, aber doch differenzierter ausfallen. (András Szigetvari, DER STANDARD, 22.6.2012)
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http://www.wienerzeitung.at/wzo/meinu... cnt_page=4
http://regionaut.meinbezirk.at/schoenkir... 06722.html
dass sehr kritische bis zynische berichterstattung nicht legitim ist? wer bestimmt, dass das projekt euro GUT und RICHTIG ist?
wenn man performance und erfolge dieses projektes auf ein beliebiges wirtschaftsunternehmen projezierte-es wäre pleite, schon lange. nirgendwo sonst wurden zeichen und signale einer heraufkeimenden katastrophe so lange verschleppt, beschönigt, unter den tisch gekehrt und negiert wie beim euro. auf kosten eines grossteils der eu-bevölkerung.
noch bloeder als die politiker nur die medien und journalisten sind die derartiges verzerren. beide glaube ich aus einem totalen unverstaendnis ueber die tatsaechlichen zusamenhaenge
aber bildung (ueber EU's tellerrand hinaus) war noch nie eine staerke hier
europas gesellschaft, die sich auch in der politik spiegelt, ist gefangen in einer mischung aus arroganz, ueberheblicheit, unkenntnis und kleinkarriertheit. seit fast 4 jahrzehnten ruht man sich aus was man eigentlich im 18. & 19. Jhd. geschaffen hat
1997 bei einer aehnlichen krise in asien hat man die eigenen fehler eingestanden und umgehend radikalschritte gesetzt. EU scheint aber "unfehlbar" zu sein
komisch nur dass man auch in guten zeiten nie ueberschuesse erzielt hat..
das ist jetzt schon der zweite kommentar, der sich auf krugman's kolumne in der NYT bezieht und ihn völlig verzerrt wiedergibt. dort steht nirgends, daß deutschland allein für alles aufkommen soll.
vielmehr schreibt krugman, daß die moralinsauren schuldzuweisungen an die "faulen" südländer nichts bringen und am kern der sache vorbeigehen. wenn die konstruktionsfehler der euro-zone nicht angegangen werden, wird die krise weitergehen.
das klingt doch um einiges vernünftiger als das ständige mantra von "sachzwängen" und "alternativlosigkeit", mit dem die bislang erfolglose sparpolitik von merkel und co. verteidigt wird.
"sparwahn sieht anders aus" als replik auf krugman. eh´klar: sich an krugman zu reiben, adelt auch den kleinen journalisten.
doch was hat krugman gemeint: spanien gibt viel geld aus. spaniens schulden steigen enorm. (sie sind aber immer noch geringer, als jene österreichs).
doch spanien gibt das geld für die banken aus. auf eine arbeitslosigkeit von 22% (50% bei den jungen!) hat spanien (und europa) eine andere antwort: sparen! - und das ist die "sparpolitik", die krugman zurecht verurteilt.
geldpolitik wirkt auf die beschäftigung auch nur sehr indirekt (über den zins), oder, wie einmal gesagt wurde: geldpolitik ist wie ein strick: "eignet sich gut zum ziehen (kontraktiv), aber schlecht zum schieben (expansiv)."
nein, wenn man jetzt die sparpolitik kritisiert, dann meint man schon unmittelbare nachfrage, oder direkte beschäftigung durch den staat.
Direkte Beschäftigung durch den Staat? In Spanien baut man seit Jahren sinnlose Autobahnen, leerstehende Wohnungen und einen Flugplatz für 5 Mio Passagiere, den keine Airline anfliegt. Wo soll der Staat die Menschen beschäftigen? Man braucht Produkte, die sich auf dem Markt behaupten und die entwickelt man nicht nur mit Geld. Das braucht hauptsächlich Inovation und Zeit und das vor einer weltweiten Konkurrenz.
"Wo soll der Staat die Menschen beschäftigen? Man braucht Produkte, die sich auf dem Markt behaupten."
diese sicht wäre wirklich zu einfältig. denn es gibt genug produkte, die nicht marktfähig, aber für eine funktionierende gesellschaft sehr nützlich bis unbedingt notwendig sind.
Wenn Spanien über Anleihen immer mehr Geld aufnimmt, damit staatliche Arbeitsplätze schafft, etwa im Bildungs- oder Sozialbereich, so braucht der Staat immer mehr Geld, ohne dass er es wieder zurückbekommt und die Gläubiger werden einmal durch die Finger schauen.
Zurück bekommt der Staat sein Geld über Steuern. Man braucht daher Betriebe, die Waren herstellen, welche exportiert werden können, oder zumindest im eigenen Land, anstatt der ausländischen gekauft werden.
Nichtproduktive Leistungen, die eine funktionierende Gesellschaft braucht, sollten über die Umverteilung hergestellt werden und nicht über Geldspritzen.
Zb. könnte man das bedingungslose Grundeinkommen über die Vermögen der Reichen finanzieren.
Regel 4: Man scheut vor dem empirischen Vergleich mit anderen Zeiten und Regionen zurück und mißt den Ist- Zustand immer nur am eigenen Ideal.
Regel 5: Die gewählten Politiker sind an allem Schuld, weil sie nicht tun was man persönlich für richtig hält. Den Wohlstand verantwortet man selbst. Jedes Problem ist die Schuld einer Politikerkaste. Und da sich jeder für Volkes Stimme hält und alle Gegenstimmen ausblendet ist das System auch autoritär.
Regel 6: Man kommt sicher nicht auf die Idee von seinem passiven Wahlrecht gebrauch zu machen. Dann könnte man sich ja nicht mehr länger vorgaukeln, dass man für seine persönlichen Überzeugungen kaum Unterstützung finden würde. Man möchte ja seine Ego nicht ankratzen.
Die Forumkritik ist in gewisser Weise die beste Bestätigung der im Artikel vertretenen Thesen. Der Zeitgeist des Informationskonsumenten wie er leibt und lebt.
Regel 1: Man diskutiert nicht sondern vergibt von oben herab Haltungsnoten.
Regel 2: Man konzentriert sich nicht auf das Gesamtargument, sondern lediglich auf die vermeintlich schwächste Stelle der Argumentation der Gegenseite, bemüht sich auch noch diese Verzerrt darzustellen, und sieht so ein klein wenig besser aus.
Regel 3: Man weiß alles besser und hat für alle Probleme die ‚wahre‘ Lösung. Man ist selbst Experte, während die anderen in Unwissen, Ideologie oder schlechter Gesinnung gefangen sind.
Man braucht den Abstand zwischen sich und dem Gegenstand seiner Betrachtung, in diesem Fall, die Autoren mißliebiger Meinungen, nur groß genug wählen, um sich selbstgerecht zurücklehnen zu können, und diese abzumeiern!
an mißachtet das eigene Regelwerk, diskutiert nicht, aber wertet selbst von oben herab.
Man muß, Regel 3, selbst kein Koch sein, um zu wissen, ob eine Suppe versalzen ist!
Die Regeln 4 bis 6 sind in ihrer Verallgemeinerung nur plumpe, unsachliche Anmache - Ihrer eigentlich nicht würdig, will ich Ihnen zugute halten!
Zur Regel 5 lohnt ein Blick nach Deutschland, wo man als Niedriglohn-Empfänger auch noch Aufstocker sein kann!
Zu Regel 6 - es tut mir leid, daß mir leid, daß ich Sie nicht um Ihre Unterstützung fragen kann!
anstatt anzuerkennen, dass
-das hatbarkeitsdatum eines verzinsten geldsystems erreicht ist
-die menschen samt umwelt in einem exponentiellen waschstumswahn der wirtschaft zugrunde gehen
-die geldproduktion aus luft noch keinen wohlstand schafft
kann man es auch mit kaffeesatz lesen probieren wo die gründe des problems denn liegen könnten.
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