Nagl träumt von der "Grazer Neustadt"

22. Juni 2012, 05:30
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Der Grazer Bürgermeister wirbt um die Stimmen der Bürger für den Kauf des Reininghaus-Areals. Die Stadt wachse und brauche neuen Wohnraum

Graz - Seit mehr als zehn Jahren wächst Graz wie fast keine andere österreichische Stadt. Die Geburtenraten steigen hier am höchsten und ältere Menschen ziehen vermehrt vom Land in die Stadt, um hier ihren Lebensabend zu verbringen. Jedes Jahr wächst die Bevölkerungszahl Prognosen zufolge, die Liegenschafts- und Finanzstadtrat Gerhard Rüsch (ÖVP) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mit Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) und dem Chef der Steiermärkischen Bank, Gerhard Fabisch, präsentierte, um 2000 Menschen. Eine weitere Verdichtung der Stadt sei aber schon verkehrstechnisch nicht mehr möglich, so Rüsch.

Bürgerbefragung zu 75-Millionen-Euro-Deal

Dieses Wachstum ist eines der Hauptargumente Nagls für den Kauf der ehemaligen Reininghaus-Gründe durch die Stadt. Wie berichtet will der Bürgermeister noch Ende Juni eine Bürgerbefragung zum 75-Millionen-Euro-Deal starten. Die SPÖ, die selbst gegen den Kauf ist, unterstützt Nagl in Sachen Befragung. Die Koalition der Schwarzen mit den Grünen war zuletzt - offiziell - wegen des Streits um den Termin dieser Befragung geplatzt. Die Grünen, die ebenso wie Nagl für den Kauf des Stadtteils, wo 12.000 Menschen in einem ökologischen Vorzeige-Viertel wohnen sollen, sind, wollten eine Umfrage erst im September. Diese sollte gründlich vorbereitet werden.

Umwidmung erforderlich

Nagl warb am Donnerstag um eine Zusage der Grazer, weil er den Kauf des 500.000 Quadratmeter großen Areals als "große Chance für Graz" sehe." Mein Traum wäre es, einmal sagen zu können, ich habe eine Altstadt und ich habe eine Neustadt in Graz", sagte der Bürgermeister. Doch nur wenn die Stadt es kaufe, habe es auch die Stadt "in der Hand, was dort passiert". Erst nach der Umwidmung des Industrielandes durch den Gemeinderat kann dort überhaupt gebaut werden.

Nachdem Unternehmer Ernst Scholdan, der das Land von der Brau Union gekauft hatte, das Geld für die von ihm erfundene "Musterstadt" ausging, gehört es drei Ex-Vorständen beziehungsweise Aufsichtsräten aus Scholdans Asset One AG: Nämlich Alexander Doepel, Richard Wolf und Christoph Gadermayr. Zudem halten 26 weitere Miteigentümer, die Nagl allerdings nicht nennen wollte, Genussscheine, die aber alle zusammen nur einen Wert von 9,9 Millionen Euro hätten. Die Gründe sind mit Hypotheken der Steiermärkischen Bank, des Bankhauses Krentschker, der BKS, der Hypo Vorarlberg und der Investkredit belastet.

Land plant Groß-Graz-Fusion

Nagl kann sich vorstellen, einzelne Teile des Areals nach der Umwidmung Käufern günstig weiterzuverkaufen, diesen dafür aber die Finanzierung der Infrastruktur zu "überbinden". Damit spare Graz Steuern.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Landesregierung plant, die Umlandgemeinden Stattegg, Weinitzen, Hart bei Graz, Raaba, Grambach, Gössendorf, Feldkirchen bei Graz, Pirka und Seiersberg mit Graz zu " Groß-Graz" zu fusionieren. In den Gemeinden gab es sofort Protest. Für Graz hieße das ein Durchbrechen der 300.000-Einwohner-Marke und mehr Mittel aus Bundestöpfen. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 22.6.2012)

  • Wo lange Bier gebraut wurde, scheiterte der Unternehmer Ernst Scholdan 
mit seiner Asset One, weil ihm für einen visionären Stadtteil das Geld 
ausging. Nagl will das Areal übernehmen.
    foto: elmar gubisch

    Wo lange Bier gebraut wurde, scheiterte der Unternehmer Ernst Scholdan mit seiner Asset One, weil ihm für einen visionären Stadtteil das Geld ausging. Nagl will das Areal übernehmen.

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