Mutation des Vogelgrippe-Virus über Luft übertragbar

Kurt de Swaaf
21. Juni 2012, 20:37
  • Vogelgrippe-Viren können so mutieren, dass es zu einer Übertragung unter Säugern 
per Tröpfcheninfektion kommt.
    foto: apa/patrick pleul

    Vogelgrippe-Viren können so mutieren, dass es zu einer Übertragung unter Säugern per Tröpfcheninfektion kommt.

Veränderung der H5N1-Viren, die für rasche Verbreitung bei Säugern sorgt, ist theoretisch möglich

Washington - Der Begriff löst bei vielen Menschen Schrecken aus: H5N1, landläufig bekannt als Vogelgrippe. Seit Jahren gehen Befürchtungen um, der Virus könnte eine weltweite Pandemie mit Millionen Todesopfern auslösen. Bislang scheint dem Erreger aber die Fähigkeit zu einer effizienten Übertragung zwischen Säugern wie dem Menschen zu fehlen. Theoretisch könnte sich das aber ändern, haben Forscher nun herausgefunden.

Ein Team der Erasmus Universität in Rotterdam hat die Infektionsmöglichkeiten der Viren bei Säugetieren mittels einer aufwendigen Versuchsreihe genauer untersucht. Die Experten infizierten Frettchen mit genetisch manipulierten H5N1-Varianten und übertrugen die Viren über mehrere Generationen hinweg künstlich, bis sich eine sich über Tröpfcheninfektion verbreitende Linie gebildet hatte. Offenbar reichen dazu nur fünf Mutationen im Viren-Erbgut aus. Die Details der Studie wurden im Fachblatt Science veröffentlicht. US-Behören für Biosicherheit wollten Ende 2011 die Publikation der Studie verhindern und erwirkten einen Aufschub.

Mathematisches Modell der Viren-Evolution

"Unsere Forschungsergebnisse weisen keinesfalls darauf hin, dass eine H5N1-Pandemie bevorsteht", betont Studienleiter Ron Fouchier. Mutationen des Virus könnten jedoch auch in der Natur eintreten. Zusammen mit internationalen Experten hat Fouchier zusätzlich das theoretische Verbreitungspotenzial von H5N1 analysiert. Die Forscher erstellten dazu ein mathematisches Modell der Viren-Evolution, das etwa auch die Dauer einer Infektion berücksichtigt.

Viren-Mutationen entstehen häufig durch fehlerhafte Kopien des Erbguts. Die RNA-Polymerase setzt dabei mit einer gewissen Regelmäßigkeit falsche Nukleotide ein. Die statistische Wahrscheinlichkeit für das Eintreten solcher Fehler liegt rechnerisch bei etwa 1 zu 100.000 pro Nukleotid. Wenn also jede infizierte Zelle 10.000 Virenpartikel produzieren kann und bis zu zehn Milliarden Zellen befallen werden können, könnten also auch irgendwann erste Mutanten mit den für die Tröpfchenübertragung notwendigen Veränderungen auftreten.

Die Entstehung einer hochinfektiösen Virenvariante bedeutet für sich allerdings noch keine Gefahr. Wenn in einem Wirt nur wenige Partikel der Gesamtpopulation die erforderlichen Mutationen in sich tragen, ist das Risiko minimal. Es gibt aber noch einen weiteren Faktor: die positive Selektion. Sie tritt ein, wenn Mehrfach-Mutanten entstehen, die sich innerhalb des Wirtsorganismus schneller vermehren können oder eine höhere Resistenz gegenüber den Attacken des Immunsystems haben.

Superviren

Solche Superviren würden im Verlauf einer Infektion einen immer größeren Anteil der Population ausmachen, das Übertragungsrisiko stiege erheblich. Kritisch dürfte es vor allem bei einer Krankheitsdauer ab ungefähr zwei Wochen werden, meinen die Wissenschafter. Davon seien vor allem Kinder, Senioren und Personen mit einem geschwächten Immunsystem betroffen. Tatsächlich wurden bei derart langen Infektionen auch schon die Entstehung von Resistenzen gegen das antivirale Medikament Oseltamivir beobachtet.

Wie groß die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung einer durch Tröpfchenübertragung für Menschen gefährlichen H5N1-Variante wirklich ist, lässt sich zurzeit nicht exakt berechnen, schreibt das Forscherteam. Das Risikopotenzial sei aber ernst zu nehmen. (Kurt de Swaaf, DER STANDARD, 22.6.2012)

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Hat der böse Vogel das arme Katzi mit seinem selbstgebastelten Supervirus zur Strecke gebracht?

Die sind nicht tot, die schlafen nur!

das virus wurde in quarantäne verschoben!

danke immunsystem!

Kaaaaaatze.

die entstehung von killerviren (oder anderen parasiten) ist nicht vorteilhaft für die verbreitung von viren. wenn der wirt sofort auf der intensivstation landet und schnell stirbt ist das für das virus bedeutend ungünstiger als ein wirt der, lediglich leicht eingeschränkt, einige tage durch ubahn, autobus und wirtshaus spatzieren kann und hunderte weitere wirte erschliesst.

alt aber gut und leicht verständlich: Bremermann HJ, Pickering J. 1983

Das er im Wirtshaus wohl die besten Wirte findet ist eh klar ;)

Siehe Pestwellen.

die pest ist eine bakterielle zoonose. dazu noch eine die über andere parasiten übertragen wird (ratte, floh) das ist sehr unwahrscheinlich, dass so etwas heute in den gebieten mit guter medizinischer bzw. hygienischer gesamtsituation in der heftigkeit wieder passiert bzw. lässt sich da heute gut darauf reagieren.

die pest ist auch kein schlechtes beispiel: sie war nach den pandemien de facto nicht mehr existent in europa. nicht nur wegen der besseren hygiene, sondern auch weil der erreger sich sozusagen die lebensgrundlage entzogen hat.

y. pestis ist mit seiner aggressiven art offensichtlich nicht gut gefahren. ;)

grossartiges game. danke!

Stimmt, aber wenn die Übertragung entsprechend einfach ist (Tröpfcheninfektion oder gar aerosole Übertragung...
Dann kann das dem Killervirus 'egal' sein, solange es genug Wirte findet. Aber das ist ja nur rein hypothetisch.

Bei Ebola (das man ja als Paradebeispiel für einen Killervirus nehmen kann) ist es tatsächlich so, dass die Mortalität deutlich abnimmt je weiter ein Infizierter in der Kette vom Patienten 0 entfernt ist. (wobei die großen Sprünge am Anfang sind)

Da müsst man allerdings schauen obs wirklich daran liegt, dass der Virus mutiert um seinen Wirt nicht (so schnell) zu töten oder ob die abfälligeren Individuen schon gestorben sind und nun eher die 'zäheren' Wirte übrig geblieben sind.
Schließlich hätte das Virus bei erfolgreicher und einfacher Verbreitung (also optimalen Bedingungen) keinen Selektionsdruck um seine Aggressivität zu reduzieren. Ähnlich wie beim Homo Sapiens Umgang mit dem Planeten und der Umwelt.

Nun der Selektionsdruck ist wohl in einer dicht besieldelten Stadt nicht so hoch. Dennoch wird der Virus sich besser verbreiten der seinen Wirt langsamer in die Knie zwingt (was aber nicht dessen Überleben bedingen mag).

der parasit hat keinen vorteil aus dem tod des wirts, im gegenteil. im optimalfall kann der parasit den wirt dauerhaft bevölkerung und der wirt stribt dabei nicht. das steht aber im widerspruch zum bedürfnis des parasiten sich möglichst rasch und zahlreich zu vermehren. der tod des wirts ist dabei sozusagen eine nebenwirkung.

Oh ja das mit der Verbreitung stimmt schon, schließlich kann er in gewissen Fällen eine stärkere Verbreitung sichern als ein schneller Tod.

"anfälligeren Individuen.
Dämliche Autokorrektur....

Na dann!

Zeit für eine neue großangelegte, teure Impfkampagne, oder?

das land niederösterreich hat beim letzten mal vorgesorgt und tausende von leichensäcken eingekauft. ist sicher ein kleidsames modell in deiner grösse dabei. ;)

nein. am besten gar nichts tun und abwarten

wenn dann irgendwelche mutierten vogelgrippeviren tausende menschen töten ist immer noch gelegenheit über die ärzte, wissenschaftler und pharmakonzerne zu lästern, weil sie nichts unternommen haben...

Tausende?

Aber was... Hunderttausende!

Sogar in Asien in der Gegend, in der Menschen mit Hühnern im selben Raum schlafen und auf deren Fäkalien liegen hat diese Vogelgrippe wieviel dahingerafft? 10? 20? Ist schon klar, daß man die Gefahr nicht runterspielen sollte - aber präventiv dazu aufrufen, daß sich alle gegen etwas impfen sollten, das zur Zeit eben nicht existiert ist zu durschaubar. Da gibt's auf beiden Seiten Experten - die einen raten zu impfen, die anderen warnen davor... Wer hat "Recht"?!

Die Spanische Grippe von 1918 hat Recht.

bisher

in dem artikel geht es um die frage möglicher mutationen des virus. du schnellchecker...

Ruhig Blut, Mr. X.

Darum ging es bei den ersten Artikels zur Vogelgrippe-Pandemie damals auch! Keine Sorge, die Warnung der WHO wird bald folgen!

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