Wachstum oder Rückgang: Streit um Internet Explorer Statistik

  • Die Entwicklung des Internet Explorers unterscheidet sich stark, je nachdem welche Daten man heranzieht.
    foto: statcounter

    Die Entwicklung des Internet Explorers unterscheidet sich stark, je nachdem welche Daten man heranzieht.

Microsoft wirft StatCounter eine falsche Methodik vor - Die Statistik-Webseite schlägt zurück

Der Internet Explorer verliert kontinuierlich an Zuspruch bei den Nutzern. Zumindest wenn es nach den Daten der Statistik-Webseite StatCounter geht. Bereits im März hat der Internet Explorer Marketing Direktor Roger Capriotti die Methode von StatCounter in einem Blogeintrag kritisiert. Grund für die Kritik war das Prerendering von Chrome. (Seiten werden vorgeladen, um die Nutzer schneller mit der gesuchten Seite zu verbinden, dadurch werden viele Seite geladen, die nie besucht werden)

Net Applications von Microsoft bevorzugt

StatCounter hatte zum Zeitpunkt des Posts die Daten der vorgeladenen Webseiten noch in seiner Statistik, was laut Capriotti die Statistik verfälschte. Net Applications, die einen Zuwachs für den Internet Explorer verbuchten, hatte die Daten bereits damals eliminiert und wurden lobend von Capriotti erwähnt. Auch die richtige geografische Gewichtung der Internetnutzung ist für die Daten wichtig, was laut Capriottti wiederum nur Net Applications richtig macht.

Unique Visitor vs. Page Views

Exakt drei Monate später reagierte StatCounter ebenfalls in einem Blogpost auf die Kritik von Capriotti und greift ihn darin direkt an. So seien die Page Views die richtige Daten um die Nutzung eines Browsers zu beurteilen und nicht wie von Capriotti gefordert die Unique Visitors. Net Applications nutzt im Gegensatz zu StatCounter die Unique Visitors für ihre Statistik, das heißt jeder Nutzer wird pro Tag nur einmal gezählt, egal wie oft er eine Webseite am Tag wirklich besucht. Dadurch soll Betrug verhindert werden, heißt es auf der Homepage von Net Applications.

Die Größe des Samples ist wichtig

StatCounter sieht auch die Größe seines Sample-Pools von drei Millionen Webseiten als Vorteil gegenüber Nat Applications, die 40.000 Seiten beobachten. Die Sample-Größe ist für StatCounter eines der wichtigsten Kriterien für die Messung der Browser-Nutzung. Statcounter wirft Net Applications außerdem vor, dass sie den Internet Explorer mit anderen Browsern in ihrer Statistik zusammenführen, wenn sie die gleicher Rendering Engine benutzen, was laut StatCounter die Statistik verfälscht.

Gewichtung verändert Daten nicht

Beim Thema geografischen Gewichtung der Daten greift StatCounter Capriotti direkt an und meint, dass sich die Daten für die Nutzung des Internet Explorers auch mit Gewichtung in China nicht ändert. Dem Microsoft-Manager wird außerdem vorgeworfen, auf CIA-Daten zurückzugreifen, die veraltet sind. So werden laut StatCounter bei den Daten Brasilien und Indien ignoriert. In diesen Ländern sei Chrome der führende Browser. Außerdem werden in den CIA-Daten mobiles Internet und Desktopverbindungen vermischt, schreibt StatCounter.

Auswirkung von Prerendering vernachlässigbar

Das Prerendering von Googles Chrome hatte nie eine signifikante Auswirkung auf die Daten, meint Statcounter und wirft Capriotti vor, seine Kritik darauf aufzubauen. Im Mai 2012 machte das Prerendering 1,5 Prozent der Chrome Zugriffsdaten aus, was nach Angabe von Statcounter vernachlässigbar ist. Bei Net Applications hatte das Prerendering mit 4,3 Prozent größeren Einfluss auf die Daten.

Wachstum des Internet Explorers

In den Stastiken von Net Applications wuchs die Nutzung des Internet Explorers von Dezember 2011 bis April 2012 um mehr als drei Prozent. Statcounter behauptet, dass selbst wenn die CIA-Daten herangezogen und die geografische Gewichtung angewandt wird, der Microsoft Browser in diesem Zeitraum in jedem Land verlor. "Net Applications muss schlechte Ausgangsdaten haben", heißt es dazu im Blog. Die Größe des Samples sei wichtig und der Grund weswegen die beiden Anbieter auch unterschiedliche Statistiken haben, sagt StatCounter.

Sample-Größe irrelevant

Dem widerspricht Mozilla-Entwickler Alon Zakai in seinem Blog. Er schreibt, dass bereits 300 Personen ausreichend sind um eine statistisch relevante Aussage für die US-Bevölkerung zu tätigen. Da auch bei höheren Samples die Daten kaum mehr variieren. Das gilt aber nur, so lange die Samples unvoreingenommen sind. Das sei ein statistischen Grundgesetz, so Zakai.

Statement von Microsoft

Geekwire veröffentlichte ein Statement von Microsoft zu den Vorwürfen von StatCounter. In der Aussendung heißt es, dass Microsoft weiterhin davon überzeugt ist, dass Net Applications die besseren Daten liefert und wirft Statcounter erneut vor schwache Datenquellen zu nutzen. Außerdem kritisiert Microsoft, dass ihr Mitarbeiter direkt angegriffen wurde, was in einer professionellen Umgebung "ungerechtfertigt" ist.  (soc, derStandard.at, 21.06.2012)

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