Griechenland droht weiteres Downgrading

Indexanbieter MSCI könnte Hellas künftig als Schwellenland einstufen. Erstmals würde damit ein Land aus einem Index der Industrieländer absteigen

Frankfurt - Der Indexanbieter MSCI erwägt, Griechenland künftig als Schwellenland einzustufen. Das wäre das erste Mal, dass ein Land aus einem Index der Industrieländer absteigen würde. Griechenland erfülle nicht mehr die Anforderungen an das Volumen für den Markt eines Industriestaates, hatte MSCI am Mittwoch mitgeteilt. "Der griechische Aktienmarkt hat einen starken Rückgang durchgemacht, was natürlich mit der wirtschaftlichen Situation Griechenlands zusammenhängt. Der Markt ist deutlich geschrumpft", sagte Manager Dimitris Melas von MSCI.

Die griechischen Behörden seien nicht empfänglich gewesen für wiederholte Beschwerden internationaler Investoren, die unter anderem das Verbot außerbörslicher Geschäfte bemängelt hatten, hieß es in der Mitteilung von MSCI. Außerdem seien Aktienleihe und Leerverkäufe in dem angeschlagenen Land eher unüblich.

Die Kriterien

Die Kriterien von MSCI für die Zugehörigkeit eines Landes zu einem Index umfassen unter anderem den Zugang der Investoren zum Markt, Volumen, Liquidität wie auch die wirtschaftliche Verfassung eines Landes. Erst 2001 hatte Griechenland den Aufstieg in die Riege der Industriestaaten geschafft. Inzwischen beträgt der Anteil Griechenlands am MSCI Global Markets Index nur noch schwindende 0,0193 Prozent.

Der Prozess eines Auf- oder Abstiegs eines Landes in einen anderen MSCI-Index kann sich allerdings über Jahre ziehen. So wartet etwa Südkorea seit vier Jahren darauf, zum Industrieland hochgestuft zu werden. Würde Griechenland allerdings aus der Euro-Zone aussteigen, bekäme das Land schneller den Status eines Schwellenlandes verpasst, sagte MSCI-Manager Melas. (Reuters, 21.6.2012)

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