Impfung gegen aggressiven Hirntumor entwickelt

21. Juni 2012, 13:52
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Charakteristische Oberflächenstrukturen der Tumorzellen identifiziert - Impfung verstärkt Immunantwort nach Operation

Das Glioblastom ist eines der häufigsten und tödlichsten Hirntumore. Kaum fünf Prozent der Erkrankten überleben die ersten fünf Jahre. Nun sind Forscher aus Heidelberg, Genf und Tübingen in der Erforschung dieser aggressiven Krebsart einen entscheidenden Schritt weitergekommen: Sie erfassten erstmals systematisch sämtliche Eiweiße auf der Oberfläche der Glioblastomzellen und identifizierten zehn Marker, die besonders charakteristisch für diese Tumorart sind. Die Ergebnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift "Brain", fanden bereits Eingang in die klinische Anwendung: Ein Krebsimpfstoff gegen die Tumormarker kommt in zwei klinischen Studien zum Einsatz, eine weitere ist am Universitätsklinikum Heidelberg geplant.

Das Glioblastom ist der häufigste und bösartigste Hirntumor bei Erwachsenen. Jährlich erkranken in Deutschland rund 3.500 Menschen. Die Behandlung besteht aus Operation mit anschließender Bestrahlung und Chemotherapie. Eine Heilung ist derzeit allerdings nicht möglich: Aus wenigen verbliebenen Krebszellen entwickelt sich in der Regel innerhalb weniger Monate erneut ein Tumor (Rezidiv). Weniger als fünf Prozent der Patienten überleben die ersten fünf Jahre nach der Diagnosestellung.

Impfung kann Krebswachstum verlangsamen

Zwar bekämpft das körpereigene Abwehrsystem den Tumor, allerdings reicht die Immunantwort nicht aus: Die Krebszellen vermehren sich schneller, als die Immunzellen sie vernichten können - der Tumor wächst. "Eine Impfung kann die Immunantwort verstärken und damit das Tumorwachstum deutlich verlangsamen", hofft Christel Herold-Mende, Leiterin der Neurochirurgischen Forschung an der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. Zum Einsatz käme eine solche Impfung nach der Operation, wenn die verbliebenen Krebszellen für das Immunsystem gut zugänglich sind.

So funktioniert die Impfung: Charakteristische Oberflächenstrukturen der Tumorzellen, beispielsweise Eiweiße oder Teile davon, werden gemeinsam mit Substanzen, die das Immunsystem anregen, in die Haut injiziert. "Wir lösen quasi eine Entzündung aus: Die Immunzellen werden angelockt und auf die Tumoreiweiße geprägt", erklärt die Biologin. In Folge entstehen deutlich mehr Lymphozyten, die auf die Bekämpfung des Tumors spezialisiert sind, als ohne die zusätzliche Aktivierung. Entdecken sie im Körper Zellen mit den Eiweißen aus dem Impfstoff, zerstören sie diese.

Unterscheidung zwischen Tumor- und Körperzellen

Der aufwendigste Anteil der Forschungsarbeit war es, Oberflächenmerkmale ausfindig zu machen, anhand derer Immunzellen sicher zwischen Tumor- und gesunden Zellen unterscheiden können. Mit einem speziellen Verfahren isolierten die Wissenschafter des Unternehmens immatics mehr als 6.000 solcher Eiweißbruchstücke aus den Tumorzellen von 32 Patienten. Das Team um Herold-Mende prüfte zusammen mit den Kollegen des DKFZ und des Genfer Universitätsklinikums an Tumorgewebeproben von 221 weiteren Patienten, welche Marker zuverlässig in Glioblastomen vorkommen, auf möglichst vielen Zellen der Tumoren zu finden sind und nur wenig oder gar nicht von gesunden Körperzellen gebildet werden. Schließlich blieben zehn vielversprechende Kandidaten übrig.

"Nicht jede Zelle trägt jeden Marker an der Oberfläche, und das Profil kann sich auch von Patient zu Patient leicht unterscheiden", erklärt Herold-Mende. "Indem wir mehrere Eiweiße für den Impfstoff auswählen, stellen wir sicher, dass das Immunsystem keine Zellen übersieht." (red, derstandard.at, 21.6.2012)

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    Das unheilbare Glioblastom führt meist in wenigen Jahren zum Tod. Nun haben deutsche Forscher einen entscheidenden Durchbruch geschafft.

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