Grüne fordern Schwerpunktschulen für Kinder mit Behinderung

21. Juni 2012, 12:35

"Stillstand" bei Umsetzung von UN-Konvention - Unterausschuss im Parlament gefordert

Wien  - Vier Jahre ist es her, seit sich Österreich mit der Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung dazu verpflichtet hat, Kinder "nicht aufgrund von Behinderung" vom Schulbesuch auszuschließen. Die Grünen orten bis heute "Stillstand", eine für das Frühjahr in Aussicht gestellte Behandlung im Parlament werde stets aufgeschoben. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag erneuerte die Grüne Behindertensprecherin Helene Jarmer deshalb ihre Forderung nach einem inklusiven Unterricht und regte die Errichtung von Schwerpunktschulen für unterschiedliche Formen von Behinderung an.

Seit 1993 besteht grundsätzlich die Wahlfreiheit für Eltern von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) zwischen Sonderschul- oder Integrationsklasse. ÖVP- und Grünen-Mandatare sowie Interessensvertretungen kritisieren seit jeher das zweigleisige System, in dem es u.a. an Ressourcen, unterstützendem Personal, Weiterbildung für Lehrende und baulichen Maßnahmen für Barrierefreiheit fehle und bei dem Kinder auf der Strecke blieben.

Vorbild Südtirol

Mit einem Inklusionsfahrplan, der die Errichtung von Sonderpädagogischen Zentren "als Anlaufstelle für Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen" vorsieht, wollen die Grünen optimale Bedingungen für Kinder mit SPF schaffen. Erreicht werden soll das mit der Errichtung von Schwerpunktschulen: "Pflichtschule A" könne beispielsweise komplett barrierefrei für Schüler mit Mobilitätseinschränkungen geführt werden, während "Pflichtschule B" auf hörbeeinträchtige Kinder spezialisiert ist. Ziel sei die österreichweite Erreichbarkeit zumindest einer spezialisierten Schule im Umkreis von 30 Minuten, während größere Schulstandorte auch mehrere Schwerpunkte anbieten sollen.

Als Vorbild fungiert Südtirol, wo das integrative Schulsystem bereits seit 35 Jahren "sehr erfolgreich" praktiziert wird, so Erica Fassa, Inspektorin für den technisch-berufsbildenden Bereich in Bozen. "Lehrpersonen planen hier gemeinsam mit Eltern unter Berücksichtigung der Behinderung den Bildungsweg des Kindes", so Fassa. Für jedes Schuljahr würden Ziele gesteckt, alle Kinder absolvieren die Schule bis zur Matura bzw. einem differenzierten Abschluss und "haben so einen einfacheren Einstieg in die Arbeitswelt". In Österreich endet die Betreuung von Kindern mit SPF hingegen mit Polytechnischen Schulen bzw. einjährigen Haushaltungsschulen nach der Pflichtschulzeit.

Mithilfe von Best-Practice-Modellen wollen die Grünen bei einer Experten-Tagung der Grünen Bildungswerkstatt Wien sowie des Grünen Parlamentsklubs am Donnerstagabend ihren Forderungen einen "Feinschliff" verpassen, so Jarmer. Beim Unterrichtsausschuss kommende Woche will sie diese vorlegen und die Einrichtung eines eigenen Unterausschusses fordern. Der UN-Behindertenrechtskonvention widmet sich auch die Interessensvertretung sozialer Dienstleistungsunternehmen für Menschen mit Behinderung (IVS Wien) im Rahmen ihrer Tagung "Wien wird anders - Inklusion und Vielfalt im Sozialraum Wien". Am 25. und 26. Juni werden Ideen von Fachleuten eingeholt, die schließlich in Forderungen und Impulsen für Politik, Sozialpartner und Dienstleister münden sollen.(APA, 21.6.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 70
1 2
Die grünen "Expert/inn/en"

Wer hat vor noch gar nicht so langer Zeit vehement Integration an jeder Schule für alle gefordert? Natürlich die Grünen. Wer ist über jeden hergefallen, der sich kritisch zur geplanten Form von Integration geäußert hat? Natürlich die Grünen.
Und jetzt? Ist das der Weg zurück zur Sonderschule? Was bitte war denn die Sonderschule früher? Eine Spezialschule, in der auf die besonderen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingegangen wurde. In der es die nötige Ausstattung und Therapieen gab. Natürlich mit dem Nachteil der Aussonderung.
Offensichtlich wissen die Grünen nicht wirklich, was sie wollen und tun. Oder etwa doch? Könnte es sein, dass sie ihre Lauscher aufstellen, um mitzukriegen, was das Volk so redet? Ohne Eigennutz?

Selbestgefällige Formulierung von "Rechtskonventionen"...

...trifft Weltfremde Weltverbessungsmentalität. Sorry, aber wer bezahlt den ganzen Huhu? Ich persönlich sehe nur einen sehr beschränkten Sinn einem Kind welches massiv überfordert ist das halbe ABC beizubringen und nach 15 Jahren ab dem "K" zu sagen es reicht jetzt. Weder das Kind noch die Gesellschaft hat was davon. Das sowas den Eltern gefällt ist klar, die wollen einfach nur Normalität in einer solchen Situation und gewissen Sozialpädagogen leben ausgezeichnet davon. Die die das Bezahlen sollen fragt keiner. Da wird selbstgefällig die Moralkeule geschwungen.

Sie haben keine Ahnung , wovon sie reden!

Ich versteh das einfach nicht mehr.

Nach langem und mühsamen Kampf um die Integration in normale Schulen wollen sie jetzt wieder eine Spezialisierung auf einzelne Behinderungen?
Sind sie denn jetzt endlich daraufgekommen, dass es doch die effizienteste Art des Unterrichtes ist, wenn man Menschen mit ähnlichem Begabungsprofil gemeinsam unterrichtet? So bekommen die Schüler, das was sie brauchen zu für die Gesellschaft vertretbaren Kosten. Ob es sich beim Begabungsprofil um Supertalente oder Behinderte handelt, was macht das für einen Unterschied?
Nach der gleichen Logik müssten sie ja auch die Gesamtschule ablehnen.

Jetzt haben wir es endlich geschafft, dass zumindest ein Großteil der Kinder mit SPF in ihrer direkter Wohnumgebung in die Schule gehen können und damit zumindest die Chance haben, in dieser Struktur gut integriert zu sein!

Schwerpunktschule heißt für die meisten, keine Einladung mehr zu den Kindergeburtstagen im Dorf, keine gemeinsame Vorbereitung auf Feste wie Erstkommunion, die in Dörfern noch zum Großteil über die VS organisiert sind, man kennt sich nicht mehr im Schwimmbad, kein gemeinsamer Schulweg....

Mit Sicherheit kein Schritt in Richtung vermehrter Inklusion!

völlig egal

was wir machten oder nicht, ob das Integration, Sonderschule, Schwerpunktschule, Inklusion heißt, es wird kein Geld mehr gegeben, im Gegenteil auch heuer wurde wieder massiv gekürzt.
Wir sind leider so naiv, dass wir irgendwelche sinnlosen Nebenschauplätze zu diskutieren und dabe wird uns die materielle Grundalge unter den Füßen weggezogen. Dass diese Kürzungen bei den (schwerst)behinderten Kindern ein Skandal sind, interessiert schon niemand mehr, geschweige denn, dass man etwas dagegen unternimmt...

hier müsste man sicher zwischen ballungszentren und ländlichen bereichen unterscheiden. dazu fehlt aber wiedereinmal die bereitschaft geld bereitzustellen.

im parlament

bei der pressekonferenz war der geist der vielvalt zu spüren, menschen und ganz besondere menschen wurden als teil einer inklusiven gesellschaft gesehen und respektiert nicht nur akzeptiert. eine gemeisame schule für alle ist nur der erste schritt in eine gesellschaft für alle.

Geist?

eher ein Alptraum des Beharrens und Betonierens, wo man inzwischen nicht mehr weiß, wer mehr blockiert, ohne Geld und mit den derzeitigen Kürzungen, wird alles noch weiter auseinanderdriften

Wieso werden Kinder "aufgrund von Behinderung" vom Schulbesuch ausgeschlossen? Gibt es die Schulpflicht nicht mehr?

Ich finde die Behindertensprecherin der Grünen

ausgesprochen fesch. Kompliment!

... und außerdem red't s' nix.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Würde Ihnen und Ihrem chauvinistischen Vorposter auch ganz gut anstehen.

ein witz

das gibt es doch längst (Nöindenschulen in Wien, Graz Innsbruck , Linz usw.) in jedem Bezrk mindestens ein Sonderpäd. Zentrum, usw. Ds Porblem ist, dass man das kaputtgespart hat. Mehr als 2000 Lehrerinnenposten hat man bei behinderten Kindern in den letzten 8 Jahren eingespart, heuer wieder die nächste Tranche. Anstatt dauernd irgendwelchen Vorschläge imWochentakt loszulassen, sollten sich Politiiker eigentlich darum kümmern dass ein guter Unterricht mit ausreichenden Stunden für die Kinder da ist. Schaut so der Weg zu den besten aus, ???

Inklusion nicht verstanden

Sie haben da was völlig missverstanden! Inklusion heißt NICHT, irgendwelche Sonderschulen zu betreiben, in die Menschen mit Behinderungen abgeschoben werden.
Falsch aufgepudelt!

ich?

von den grünen stammt das! und dann wird es das ausreichende geld geben? wie kann man so naiv sein?

und ich fordere Schwerpunktschulen für Kinder mit Begabung

Die Schwächsten und die Stärksten sollte man fördern.

Denn wir sind eine ZIVILISATION und kein TIERREICH im Sinne der darwinistischen Auslese.

wenn man den Stärksten und den Mittleren keine Möglichkeit läßt, dann bleibt ihnen keine andere Chance mehr, als einen auf "schwach" zu machen.

Juhuu - denn dann haben wir lauter "Schwache" und DANN beginnt darwinistische Auslese - aber eben verdeckt.

Noch mal ein Versuch für Dich und die zwei anderen:

Wir sollten die Starken UND die Schwachen fördern und nicht die Schwachen vernachlässigen im Sinne eines Sozialdarwinismus.

solange die Kraft reicht, kann man alles und jeden fördern

Schulen für begabte Kinder"

"Ziel sei die österreichweite Erreichbarkeit zumindest einer spezialisierten Schule im Umkreis von 30 Minuten, während größere Schulstandorte auch mehrere Schwerpunkte anbieten sollen."

Das ist eine vernünftige Überlegung und sollte

eigentlich auch die Kritiker der integrativen Beschulung überzeugen. Da es ja kaum möglich sein wird eine Schule für 10 verschiedene Behinderungsformen auszustatten, gibt es eben diese Schwerpunkt Schule, wo natürlich Kinder mit einer best. Beh. mit den Anderen GEMEINSAM unterrichtet und gefördert werden.

Das wäre schon eine Errungenschaft - nur schreien da wieder die Schulreform Verweigerer ... und die Über-Eltern die befürchten, dass ihre Schützlinge einen Schaden abkriegen, wenn neben ihnen ein Kind sitzt das "nicht so schlau" ist oder körperlich beeinträchtigt....

wie wärs wenn endlich mal jemand schwerpunktschulen für kinder fordert, die ansonsten aufgrund des sozialen umfelds oder anderer umstände weder zu vernünftiger ausbildung noch zu sozialer kompetenz gelangen würden?

wie wärs wenn man mal aufhören würde ständig alles irgendiwe individuell fördern zu wollen. wer soll diese förderung bezahlen? ganz individuelle betreuung für jede denkbare randgruppe ist einfach nicht möglich.

ich würd eher versuchen darauf zu achten, dass die mehrheit der kinder nicht verkommt. dzt. schauts gerde in den städten ja nicht sehr gut in dem bereich aus...

Posting 1 bis 25 von 70
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.