Chinesischer Dissident Liao erhält Friedenspreis

21. Juni 2012, 12:17
  • Liao Yiwu erhält den Friedenspreis des Deutschen 
Buchhandels 2012.
    foto: lukas barth/dapd
    Liao Yiwu erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2012.

Der 53-Jährige sei ein "unbeirrbarer Chronist" - Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert

Frankfurt/Main - Der in China verfolgte Schriftsteller Liao Yiwu erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2012. Der 53-Jährige sei ein unbeirrbarer Chronist, der Zeugnis ablege für die Verstoßenen des modernen China, teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Donnerstag in Frankfurt zur Begründung mit. Der renommierte Kulturpreis, der mit 25.000 Euro dotiert ist, wird seit 1950 vergeben. Die Auszeichnung wird zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am 14. Oktober überreicht.

Liao Yiwu lebt seit seiner Flucht aus China im vergangenen Jahr in Deutschland. Der Buchhandel ehrt in ihm einen Schriftsteller, "der sprachmächtig und unerschrocken gegen die politische Unterdrückung aufbegehrt und den Entrechteten seines Landes eine weithin hörbare Stimme verleiht."

"Unbeirrbarer Chronist"

Der Stiftungsrat begründete seine Entscheidung weiter damit, dass der Regimekritiker "in seinen Büchern und Gedichten den Menschen am Rand der chinesischen Gesellschaft ein aufrüttelndes literarisches Denkmal" setzt. "Der Autor, der am eigenen Leib erfahren hat, was Gefängnis, Folter und Repression bedeuten, legt als unbeirrbarer Chronist und Beobachter Zeugnis ab für die Verstoßenen des modernen China."

Der seit 1950 vergebene Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist eine der bedeutendsten Auszeichnungen des Landes. Geehrt wird damit eine Persönlichkeit aus dem In- oder Ausland, die vor allem auf den Gebieten Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat. Überreicht wird der Preis zum Ende der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche, wo 1848 die für die demokratische Entwicklung Deutschlands bedeutende Nationalversammlung tagte.

Die Preisträger werden von einem Stiftungsrat mit einfacher Mehrheit gewählt. Der Rat setzt sich aus Mitgliedern des Börsenvereins sowie Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft zusammen. Zu den bekanntesten Preisträgern gehören Albert Schweitzer (1951), Hermann Hesse (1955), Astrid Lindgren (1978), Siegfried Lenz (1988), Vaclav Havel (1989) und Mario Vargas Llosa (1996). Zuletzt war der algerische Schriftsteller Boualem Sansal ausgezeichnet worden.

Kontroversen in der Vergangenheit

Um Preisverleihungen hat es wiederholt Auseinandersetzungen gegeben. So war 1995 das Votum für die Orientalistin Annemarie Schimmel umstritten, der Kritiker mangelnde Distanz zu fundamentalistischen Positionen des Islams vorwarfen. Eine Kontroverse löste als Laudator Günter Grass aus, als er 1997 in seiner Rede auf den türkischen Preisträger Yasar Kemal die deutsche Kurdenpolitik kritisierte. 1998 entbrannte nach der Rede des Preisträgers Martin Walser eine monatelange Diskussion über den Umgang mit der NS-Vergangenheit in Deutschland. (APA, 21.6.2012)

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