Markt für Staatsanleihen braucht Unterstützung

Der Ruf nach einer Intervention am Bonds-Markt wird lauter, man hofft, dass so die Renditen spanischer und italienischer Anleihen sinken

London/Frankfurt - Italiens Regierungschef Mario Monti hat seine Forderung nach Unterstützung an den Anleihemärkten laut einem Zeitungsbericht bekräftigt. Allerdings sollten nicht die Euro-Rettungsfonds, sondern die Europäische Zentralbank (EZB) als Käufer am Sekundärmarkt aktiv werden, berichtete die "Financial Times Deutschland" am Donnerstag in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf zwei hochrangige Eurozonen-Vertreter. Die Rettungsfonds EFSF und ESM sollten die EZB nach dem Monti-Plan nur vor einem Teil der möglichen Verluste schützen, indem sie für die Anleihen eine teilweise Ausfallgarantie aussprechen würden.

Bisher wurde Montis Vorschlag so aufgefasst, dass EFSF beziehungsweise ESM selbst die Staatsanleihen aufkaufen, um den Renditedruck für die Krisenländer zu lindern. Das könnten die Euro-Rettungsfonds entsprechend ihres vor knapp einem Jahr geänderten Regelwerks auch. Allerdings dürften die Fonds nur eingreifen, nachdem sie mit der Regierung des entsprechenden Landes bindende Reform- oder Sparvorgaben vereinbart haben. Nach Montis Plan würde Italien von den niedrigeren Anleihezinsen als Folge der EZB-Intervention profitieren, ohne sich Bedingungen unterwerfen zu müssen.

Der Vorstoß dürfte am Freitag beim Vierergipfel in Rom eine Rolle spielen, heißt es in dem Bericht. Dann empfängt Monti die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsidenten Francois Hollande und Spaniens Ministerpräsidenten Mariano Rajoy.

Unterstützung aus Paris

Der französische Top-Notenbanker Benoit Coeure unterstützt die Forderung nach Anleihekäufen, allerdings in der Variante durch die Euro-Rettungsfonds. Eingriffe des EFSF am offenen Markt könnten die "sehr starken Spannungen" für Spanien und Italien lindern, sagte das Rats- und Direktoriumsmitglied der EZB der "Financial Times". Die deutsche Regierung will davon jedoch nichts wissen.

Coeure zeigte sich verwundert, dass noch kein Staat um Unterstützung durch Anleihekäufe der Rettungsfonds ersucht hat. "Es ist ein Mysterium, warum der EFSF vor fast einem Jahr die Erlaubnis erhalten hat, am Sekundärmarkt zu intervenieren und Regierungen von dieser Möglichkeit bisher noch keinen Gebrauch gemacht haben." Die Euroländer hatten damals beschlossen, dass der EFSF - und später der Nachfolger ESM - unter strengen Auflagen Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder auf dem Sekundärmarkt kaufen kann. Dies war eines von mehreren neuen Instrumenten, mit denen der Rettungsfonds gestärkt wurde.

Renditen drücken

Durch Anleihekäufe der Krisenfonds könnten die Renditen für spanische und italienische Anleihen, die am freien Markt gehandelt werden, gedrückt werden. So könnten auch die Kosten sinken, die die großen Krisenländer für neue Kredite zahlen müssen. Zuletzt waren die Zinsen, die Investoren verlangen, um den Staaten Geld zu leihen, immer weiter gestiegen.

Montis Anregungen, die Rettungsfonds in Stellung zu bringen, um den Zinsdruck zu lindern, wurde bereits wohlwollend vom französischen Präsidenten Hollande aufgenommen. Der Vorschlag sei es wert, geprüft zu werden. Der spanische Premier Rajoy fordert ohnehin schon länger Unterstützung der Euroländer, um die Renditen zu senken. Bisher zielte er dabei aber vor allem auf das seit Monaten ruhende Anleihekaufprogramm der EZB. Der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn hatte jedoch am Mittwoch betont, es gebe bisher keinen Wunsch aus Spanien oder Italien, den EFSF zum Ankauf von Staatsanleihen einzuspannen. Zuvor hatte bereits die deutsche Regierung entsprechende Berichte zurückgewiesen. (APA, 21.6.2012)

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