Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
Wien - Der Wohlstand und wirtschaftliches Wachstum eines Landes wird - neben anderen Faktoren - vor allem von der Komplexität der Produkte bestimmt, die dort produziert werden. Komplexitätsforscher aus Wien und den USA konnten nun mit einem neuen mathematischen Modell zeigen, dass ein kritisches Niveau an Komplexität die Entwicklung noch komplexerer, am Markt erfolgreicher Produkte und so die gesamtwirtschaftliche Entwicklung fördert. Damit ist es den Wissenschaftern gelungen, die bereits 1911 vom österreichischen Ökonomen Joseph Schumpeter formulierte These der "Schöpferischen Zerstörung" erstmals empirisch nachzuweisen.
Schumpeter dachte Anfang des 20. Jahrhunderts intensiv darüber nach, wie wirtschaftliche Dynamik entsteht. Als Treiber dieses Prozesses identifizierte er Pionierunternehmer, die permanent nach neuen Kombinationsmöglichkeiten für bereits bestehende Güter suchen und diese auch umsetzen. Dadurch würden eingespielte Praktiken verdrängt, was Schumpeter als "Schöpferische Zerstörung" bezeichnete.
Industriellen Know-how als Voraussetzung
Wirtschaftliche Entwicklung geht demnach "in Schüben vonstatten, die von Innovationen ausgelöst werden", so Peter Klimek vom Institut für Wissenschaft komplexer Systeme der Medizinischen Universität Wien. Damit diese Innovationen "Effekte auslösen können, die die ganze Wirtschaft umstrukturieren, muss es aber ein paar Voraussetzungen geben". Um mit einer Neuerung einen großen Veränderungsprozess auszulösen, braucht es einen entsprechend großen Pool an bereits vorhandenem industriellen Know-how im Wirtschaftssystem eines Landes, so die Annahme.
Um die länderübergreifenden Regelmäßigkeiten in Produktzyklen zu identifizieren, haben die Forscher die Einführung und das Verschwinden von Produkten anhand von Welthandelsdaten der vergangenen 50 Jahre analysiert. Dabei fanden sie Hinweise auf ein kritisches Level an volkswirtschaftlicher Komplexität, ab dem die Entwicklung dynamischer abläuft. In Ländern, die dieses Niveau nicht erreichen, "kommt dieser Prozess nur viel langsamer in Gang", so Klimek, der die Arbeit gemeinsam mit Kollegen der Harvard University (USA) durchgeführt hat.
Wirtschaftliches Nord-Süd-Gefälle
Das Modell konnte die weltweiten wirtschaftlichen Entwicklungen ausgehend vom Stand von 1984 gut replizieren. Der Prozess der "Schöpferischen Zerstörung" zeigte sich auch in den Simulationen in den 1990er-Jahren am stärksten in Osteuropa und Lateinamerika. In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara hingegen waren die Effekte kaum auffindbar. Klimek: "Wir wollen damit erklären, warum es seit einem halben Jahrtausend dieses wirtschaftliche Nord-Süd-Gefälle gibt und warum die Schere zwischen den Volkswirtschaften immer weiter auseinandergeht, anstatt sich zu verkleinern."
Die Wissenschafter wollen mit ihren Erkenntnissen Entscheidungsträgern neue Informationen darüber zur Verfügung stellen, wie die wirtschaftliche Produktivität eines Landes erhöht werden kann. "Wir schlagen Indikatoren vor, die bis jetzt nicht auf dem Radar waren, wie beispielsweise Parameter, die die Komplexität der Wirtschaft oder den Einfluss, den gewisse Produkte auf den Prozess der kreativen Zerstörung haben können, abschätzen", so Klimek. (APA/red, derstandard.at, 21.6.2012)
Abstract
PLoS One: Empirical Confirmation of Creative Destruction from World Trade Data
Ein Professor wird durch eine Pop-Vorlesung über Lady Gaga berühmt und macht sich selbst zum Thema seiner Forschung
Psychoanalytiker Arno Gruen über die Wichtigkeit, das eigene Selbst leben zu können, die Entstehung von Hass und wie in Zeiten wirtschaftlicher Not alles schlimmer wird
Die Robotik-Expertin Julie Shah vom MIT in Boston erforscht, wie Roboter und Menschen gute Teams bilden können
Wegen eines drohenden Eisschollen-Bruches sollen 16 Wissenschafter sowie technisches Gerät evakuiert werden - Eisbrecher läuft am 31. Mai aus
Die Wissenschafterin des Jahres 2002 peilt einen neuen Weg für die Zeit nach der Forschungstätigkeit an
"San Francisco Declaration on Research Assessment" gegen einseitige Bewertung wissenschaftlicher Leistung
Der deutsche Antisemitismusforscher Wolfgang Benz sprach zum zehnjährigen Bestehen des Wiener Ustinov-Instituts über die alte Juden- und die neue Islamfeindschaft
Dutzende Kisten mit Filmen, Notizbüchern, Zeichnungen, Auszeichnungen und Fotos
US-Mathematiker modellieren Vorgänge im Schaum und berechnen drei verschiedene Phasen der "Schaum-Evolution"
Autoren des aktuellen Forschungs- und Technologieberichts: Keine Annäherung an das F&E-Ziel für 2020
Akribischer Erforscher der NS-Zeit - Schwerpunkt war das sogenannte Euthanasieprogramm
Gemeinsam mit Ignacio Cirac für "grundlegende theoretische Beiträge zur Quanteninformationsverarbeitung, Quantenoptik und zur Physik von Quantengasen" ausgezeichnet
Was Sprache in Österreich über räumliche und soziale Herkunft aussagt
Londoner Installation "Insects Au Gratin" als spielerischer Zugang zu einer Idee mit ernsthaftem Hintergrund
Saskia Sassen von der Columbia University für ihre Beschäftigung mit der "Global City" geehrt
Sein derzeitiges Hauptstudienobjekt ist der Wolf als "Spiegel für unsere eigene Verfasstheit"
Wiener Experimentalphysiker freut sich über Anerkennung durch US-amerikanische Mitglieder
Unter den 18 von ihm gestellten mathematischen Problemen gelten nur vier als gelöst
Niederländische Forscher entwickeln Software, die Kurz-Nachrichten sprachwissenschaftlich analysiert
Zwei Ehrungen führen Carl Djerassi im April nach Wien: Der 89-jährige Autor und Chemiker über das Sammeln von Kunst und die Psychoanalyse
Tagung in Wien widmet sich derzeit Feindbildern und Menschenrechten im "sehr schnell erregbaren Zeitalter"
Das Kinder-Bildungsangebot im Sommer wächst stetig: Die Wiener Kinderuni hat schon 4.000 kleine Besucher
Konferenz-Teilnahme abgesagt - nun herrscht Unklarheit, ob aus politischen oder gesundheitlichen Gründen
Der Philosoph und Wissenschafter des Jahres 2006 versteht sich nicht als Bewohner des Elfenbeinturms
-
Wenn die meisten an der Produktion beteiligten das Produkt auch selbst besitzen wollen, weil es ihre Lebensqualität oder ihren Wohlstand fördert (nicht die daraus generierten Einnahmen) und sich dieses auch leisten können, ist das wahrscheinlich der Idealfall. Das Auto und einige Apple-Produkte sind Beispiele für die These der "Schöpferischen Zerstörung".
Die oben erwähnte volkswirtschaftliche Komplexität geht meistens mit gesellschaftlichen und sozialen Strukturen einher, die wohl ebenso maßgebend für den beschleunigten Entwicklungsprozess sind.
Diese Faktoren fehlten in afrikanischen Ländern südlich der Sahara.
Wie schnell aber auch das obere kritische Level an volkswirtschaftlicher Komplexität erreicht sein kann, lernen wir auch noch.
Genau das ist der Fehler der Wirtschafts"wissenschaftler": sie halten ihre Modelle für die Wirklichkeit. Stimmen die Modelle nicht mit der Wirklichkeit überein, ist die Wirklichkeit schuld. Die Folgen dieser Denkweise nennen wir "Schuldenkrise".
„Insofern sich die Sätze der Mathematik auf die Wirklichkeit beziehen, sind sie nicht sicher, und insofern sie sicher sind, beziehen sie sich nicht auf die Wirklichkeit.“
Wer das wohl gesagt hat?
Um uns nächsten Monat noch glänzenderes Klumpert kaufen zu können arbeiten wir noch mehr zu noch unwürdigeren Bedingungen und zerstören nebenbei unseren Lebensraum. Das nennen wir dann Wohlstand.
Wie stark ist die Wirtschaftsleistung in Ö seit den 70ern real gewachsen? 100%, 200%, 300%?
Geht es uns heute doppelt oder dreifach so gut?
Wir haben eine Gesellschaft, die falsche Prioritäten setzt.
PS: Was der kreativen Zerstörung im Weg steht ist die Macht von großen Industrien und deren korrupte Verbindung zu allen 3 Staatsgewalten, die sich aus dem weiter oben Beschriebenen ergibt.
Besonders in der Ökonomie gilt, wenn's mathematisch ist, ist's auch weissenschaftlich. Mal gespannt, ob sie jetzt so gut rechnen wie beispielsweise bisher die Konjunkturforscher, deren wesentliches wissenschaftliches Hilfsmittel insgeheim doch immer das Zeitunglesen gewesen ist.
früher hat dieses gesindel auf dem kirtag in die glaskugel geschaut. heute kommen sie uns mit ihrer mathematischen mystifizierung.
das einzige das am jahrhundertelangen nordsüdgefälle schuld trägt ist die koloniale und postkoloniale ausbeutung. keine naturgesetze, keine irgendwie daherfantasierten schasparameter.
es sind wir, nur wir, die zulassen, dass die welt so schlecht ist, wie sie ist. pseudowissenschaftliche modelle, die die wahren schuldigen hübsch im hintergrund halten, sind eine schande. jeder forscher, der sich dafür hergibt, ist dieser bezeichnung nicht wert.
Brian Arthur hat seine Metapher der "Increasing Returns" 1994 formuliert (motivieret durch wirtschaftliche Änderungen aus Technologie und Innovation), und begonnen zu "Complexity Eonomy" zu forschen ...
http://tuvalu.santafe.edu/~wbarthur/
Die Modelle von Doyne Farmer, ebenfalls Santa Fe Institute of Complex Systems, gehen sehr tief ...
http://tuvalu.santafe.edu/~jdf/SFI%... %20Me.html
ganz tief zB in
http://tuvalu.santafe.edu/~jdf/SFI%... %20Me.html
Visionaeren die ihrer Zeit zu weit voraus waren.
Insofern ist die Erkenntnis, dass es es fuer die Innovation eine kritische Masse geben muss nicht sehr neu.
Es dauert auch meist in der Wissenschaft eine Zeit, bis sich neue Theorien durchsetzen.
Ganz allgemein gibt es fast in jedem dynamischen System eine kritische Schwelle. Z.B. braucht man fuer Atombomben eine kritische Masse.
Unterhalb der kritischen Masse zerfaellt Uran langsam, oberhalb kracht es.
Ein aehnliches Phaenomen gibt es bei der Magnetisierung (Ising-Modelle). Hier bildet die Temperatur die kritische Schwelle. Oder bei Epedemien, Massenpaniken ...
Kann mir sehr gut vorstellen, wie sich Lebenzyklen, Innovation und Wirtschaftswachstum mit zunehmender Komplexität eines Wirtschaftsraumes beschleunigen, egal ob gross, klein oder betrieblich. Hat nicht einmal etwas mit mehr konsumieren zu tun. Es geht um Innovationen die neue Innovationen auslösen und so Effizienzverbesserungen exponentiel steigern, und somit den Mehrwert, Ertrag und das Einkommen. Wenn man es liest, klingt "Schöpferische Zerstörung" konservativer Zustände sehr plausibel. Sehr anregender Denkansatz, mit dem man viel praktisch umsetzen kann.
eine innovative Firma bzw. Industrie loest eine veraltete Firma/Industrie ab. Man koennte auch die Abloese der fossilen Energiegewinnung durch erneuerbare Energien in diesem Sinne interpretieren.
Ich glaube dass Problem liegt halt darin, dass sich Menschen oft gegen Erneuerungen wehren. Das tun auch Firmen die durch diese Erneuerung "schöpferisch" zerstört werden würden.
Sind diese Firmen entsprechend groß haben Sie auch die Mittel und den Einfluss das effizient zu tun. D.h. z.B Marktbedinnungen zu gestalten, Information gezielt zu unterdrücken oder verbreiten.
Der Wechselstrom ist ein brillantes Beispiel. Der serbische Kroate Tesla erkannte im Wechselstrom die Stromversorgung und fand im Amerikaner Wesstinghouse einen unternehmerischen Partner. Der berühmte Erfinder Edison beharrte stur auf dem Gleichstrom und erlitt eine vernichtende Niederlage, die große Niederlage seines Lebens. Die Zeit marschierte einfach über ihn hinweg.
der protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus schon sehr detailliert beschrieben.
http://www.amazon.de/Die-prote... 137&sr=1-2
Das fundamentale Problem des Euros ist, dass dieser Geist nie in den Sueden Europas vorgedrungen ist.
Alle Modelle die vom Segen der Euro Einfuehrung ausgegangen sind, haben hingegen stillschweigend die allgemeine Praesenz dieses Geistes angenommen.
Sie meinen es gibt ein innereuropäisches Inovationsgefälle in Nord-Südrichtung? Interessant. Gibt es dazu Zahlen? Der Euro als gemeinsame Währung ist aus meiner Sicht nicht so wichtig, wie die gemeinsame Identität und der freie Informationsaustausch zwischen den Entwicklern. Und genau deshalb ist globale Grundlagenforschung so extrem wichtig.
Das war und ist ja das Euro-Problem. Die Produktivitaet ist in Deutschland pro Jahr um mindestens 1% staerker gestiegen als im Sueden.
Das gab es "immer" schon, wurde aber durch regelmaessige Abwertungen korrigiert. Mit dem Euro geht das nicht mehr.
Die These vor Euro-Einfuehrung war, dass sich durch den Druck des gemeinsamen Waehrungsraumes die Produktivszuwaechse angleichen werden, weil die einfache Loesung Abwertung nicht mehr geht. Das war nicht der Fall.
Der Geist des Kapitalismus setzt sich wie jeder kulturelle Prozess nur langsam durch. Da sind Generationen die Masseinheit.
Ich glaube auch, dass die Identitaet entscheidend ist. Die wollte man mit dem Euro quasi durch die Hintertuer einfuehren.
deren Ergebnisse letzten Endes konterkarieren. Bspw: Die Neoklassik postuliert einerseits, dass ein höherer Kapitalstock immer weiter sinkende Erträge pro investierter Einheit abliefere (gleichzeitig aber natürlich die Arbeitsproduktivität steigert). Das impliziert eine Konvergenz des Wohlstands in der Eurozone (wegen Investition in ärmeren Ländern). Andererseits gab es schon bei Ricardo die "komparativen Kostenvorteile", die besagen, dass ein Land sich möglichst monokulturell in Bezug auf das konzentriert, was es vergleichsweise am Besten kann - auf heute bezogen, bedeutete dies bspw.: DE Anlagenbau, GR Olivenhaine in alle Ewigkeiten.
Von humankapitalorientierten Ansätzen oder dem hier präsentierten mal ganz zu schweigen.
Vor kurzem konnte ich an einem Vortrag eines ehemaligen Chefökonomen einer renommierten Schweizer Bank teilnehmen. Der hat uns unter anderem ein nettes Zitat ans Herz gelegt, weiß jetzt nicht, von wem es stammt: All Modells are wrong, some are usefull. Ich denke, dieses Zitat sollte man bei Modellen immer berücksichtigen, da es nie die Absicht ist, dass sie richtig sind, da man ja in diesem Fall die Realität 1:1 abbilden müsste, wodurch ein Modell keinen Sinn gibt. Man muss halt immer aufpassen, welches Modell man für welchen Fall nimmt und immer im Hinterkopf behalten, dass die Zukunft sich auch ganz anders entwickeln kann und nicht blindlings auf die Modelle vertrauen.
Wenn ich ein neues Handy kaufe und das alte zum Recycling gebe, denke ich auch nicht an schöpferische Zerstörung. Weil die Zerstörung nur eine Nebensache ist, weil mein Fokus auf dem neuen Handy liegt und nicht auf dem alten. Und die Recycler denken auch nicht an Zerstörung, sondern daran die Wertstoffe aus den Handys herauszubekommen.
Aber bitte, der Schumpeter war ja ein Österreicher, die nörgeln und granteln halt von Natur aus.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.