Sommerbeginn in Österreich mit Unwettern und Überflutungen

21. Juni 2012, 10:13
  • In Oberösterreich hat das Unwetter in der Nacht auf Donnerstag für starke Regenfälle gesorgt.
    foto: apa/manfred fesl

    In Oberösterreich hat das Unwetter in der Nacht auf Donnerstag für starke Regenfälle gesorgt.

Helfer kämpften sich zu Fuß durch Fluten zu bettlägeriger Seniorin in Gefahr vor - Muren verlegten Verkehrswege - Blitzschlag löste Waldbrand aus - Auch heute Gewittergefahr

Wien - Sommerbeginn mit Blitz, Donner und lokal Rekordniederschlägen: Heftige Unwetter haben in Teilen Österreichs am Mittwochabend und in der Nacht auf Donnerstag zu Überflutungen, Murenabgängen und Bränden geführt. Am schlimmsten betroffen waren der nördliche Teil des Landes Salzburg, das Innviertel in Oberösterreich, das südliche Niederösterreich und der obersteirische Bezirk Mürzzuschlag. Tausende Feuerwehrleute standen im Einsatz. Auch für heute, Donnerstag, erwarten die Meteorologen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) heftige Gewitter - zum Teil mit Sturmböen und Hagel.

Notruf in Oberösterreich

Gefährlich war die Situation im oberösterreichischen Bezirk Braunau: Dort ging kurz nach 1.00 Uhr ein Notruf ein, wonach in Polling bei einer pflegebedürftigen Person die Fluten schon bis zur Bettkante reichten und die Frau sich selbst nicht in Sicherheit bringen könne. Ein Polizist und Feuerwehrmänner machten sich auf den Weg zu dem Haus, das Löschfahrzeug blieb aber wegen der Wassermassen hängen. Die Helfer kämpften sich daraufhin zu Fuß durch die Flut, bis sie das Gebäude erreichten. Die 85-Jährige lag im Erdgeschoß, ihr 89 Jahre alter Mann befand sich im ersten Stock. Das Ehepaar wurde per Boot geborgen und mit einem Schock und Unterkühlungen ins Krankenhaus Braunau eingeliefert. In Aspach befreite sich ein 25-Jähriger in letzter Sekunde aus seinem Auto, bevor es von den Fluten mitgerissen wurde. In Oberösterreich wurden knapp 200 Feuerwehren alarmiert, mehr als 3.500 Mann leisteten Hilfe.

In Krenglbach (Bezirk Wels-Land) schlug ein Blitz in den Kirchturm ein. Die Bahnverbindung zwischen Wernstein (Bezirk Schärding) und Passau in Bayern war unterbrochen, in Mehrnbach (Bezirk Ried im Innkreis) wurden die Gleise der ÖBB-Strecke Ried-Braunau unterspült. Die Feuerwehr barg Passagiere einer Garnitur, die rechtzeitig angehalten hatte. Der betroffene Abschnitt ist voraussichtlich bis Samstag gesperrt.

Muren in Salzburg

In Salzburg arbeiteten 1.562 Feuerwehrleute bis nach Mitternacht 651 Einsätze ab. Binnen weniger Stunden fielen bis zu 74 Liter Regen pro Quadratmeter, was laut ZAMG in Salzburg nur alle paar Jahre vorkommt. Nördlich des Pass Lueg, also im Flachgau, Tennengau und in der Stadt Salzburg, blieb praktisch kaum eine Gemeinde von zumindest kleineren Überschwemmungen verschont. In der Landeshauptstadt, in Koppl und Plainfeld lösten die Regenfälle auch Murenabgänge aus. In Straßwalchen trat der Hainbach über die Ufer und setzte ein Sägewerk unter Wasser. "An der Messstelle Kolomannsberg fielen innerhalb weniger Stunden 74 Liter Regen pro Quadratmeter", sagte Josef Haslhofer von der ZAMG. Gewitter mit 40 Litern Niederschlag kämen durchschnittlich einmal im Jahr vor, 74 Liter seien also schon ungewöhnlich. In der Stadt Salzburg wurden bei der Messstelle Freisaal 69 Liter registriert.

In Gloggnitz im niederösterreichischen Bezirk Neunkirchen haben 60 Mann bis Mitternacht überflutete Keller ausgepumpt sowie Vermurungen und Verklausungen beseitigt. Am Abend waren Bäume auf drei Autos gestürzt, zwei Fahrzeuge wurden zerstört. In einem Pkw war der Lenker gefangen, weil der Baum auch eine Stromleitung abgerissen hatte. Nach kurzfristiger Stromabschaltung konnte der Mann befreit werden. Am Edelstein in den Gemeindegebieten von Gutenstein und Neusiedl (Bezirk Wiener Neustadt) bekämpften 75 Feuerwehrleute einen durch Blitzschlag ausgelösten Waldbrand.

Überflutungen auch in der Steiermark

Jenseits des Semmerings, im obersteirischen Bezirk Mürzzuschlag, wurden Straßen und Keller überflutet. Auch Hagel und Sturm richteten zum Teil massive Schäden an. Die Feuerwehren standen im Dauereinsatz. Betroffen waren vor allem die Gemeinden Hönigsberg, Langenwang, Stanz, Edelsdorf sowie die Bezirkshauptstadt Mürzzuschlag. Es gingen bis zu 78 Liter Regen pro Quadratmeter nieder. Der Stanzbach war über die Ufer getreten, eine Brücke wurde weggerissen, zwei wurden verschoben und unpassierbar. Die Semmering-Schnellstraße (S6) war bei Mürzzuschlag vorübergehend nicht passierbar. (APA, 21.6.2012)

Kommentar posten
10 Postings

im südburgenland und im südosten der steiermark werden die menschen in zukunft bald regentänze veranstalten, wenn das mit dem klima so weitergeht. und auch, wenn deswegen alles überflutet ist...

Wie es leise wird...

und keiner mehr von Feuerwehrzusammenlegungen spricht...

Auf einmal währe wieder jeder investerter cent was wert gewesen, aber wenn die Feuerwehren wieder was brauchen gibts nix!

"Diese sollten aber nicht mehr so heftig ausfallen. Außerdem sollte heute eher der Süden des Landes betroffen sein"

die betonung liegt hoffentlich auf den wörtern

- sollten
- sollte

ich wär mir da nämlich nicht so sicher ...

Naja nach den Radarschirmen schaut´ das heute teilweise noch heftiger aus als gestern. Teilweise wurden schon wieder Hagelkörner gemeldet mit 6cm DM, gibt auch schon einige Bilder davon. Feuerwehren sind auch im Einsatz und eine Ortschaft ist bereits gesperrt

So wie sich das aktuell entwickelt...

...werden heute zumindest zum Teil dieselben Regionen heimgesucht.

Das Wetter macht halt nie was man will.

"Also wenn eh nur der Süden betroffen ist,
dann ist's ja halb so schlimm." Oder wie?

allemal besser als nochmal der norden.

sinnerfassendes Lesen wär halt vo Vorteil...

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.