Gigapixel-Kamera soll Fotografie revolutionieren

21. Juni 2012, 09:10
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Das 25-Millionen-Dollar-Projekt wird vom amerikanischen Verteidigungsministerium finanziert

An der Duke University in North Carolina haben Wissenschaftler eine Kamera entwickelt, mit der man im Nachhinein in Teile eines Bildes hineinzoomen und Details haarscharf erkennen kann. Die Entwicklung der Kamera könnte laut "Wall Street Journal" die Aufnahme und Betrachtungsweise von Bildern maßgeblich revolutionieren. 25 Millionen Dollar hat das Projekt gekostet. Das Geld wurde von der Defense Advanced Research Project Agency aufgebracht, die Teil des US-Verteidigungsministeriums ist. 

18 Sekunden für ein Foto

Dass heutige Kameras Pixel in zweistelliger Millionenhöhe aufweisen, ist nichts Neues. Die von Duke entwickelte Kamera "Aware-2" hingegen enthält 30-mal mehr Bilddaten und Milliarden Pixel, die Details im Bild auch bei starkem Zoomen gut erkennen lassen. Die Kamera steckt noch in den Kinderschuhen und wird so schnell nicht auf den Markt kommen. Das Gerät ist sehr groß und braucht ein eigenes Kühlsystem. Ein Foto zu machen dauert in etwa 18 Sekunden. Mit knapp 50 Kilogramm Gewicht ist sie auch nicht gerade handlich. 

Dem menschlichen Auge nachempfunden

Wenn "Aware-2" irgendwann marktfähig wird, könnte das die Fotografie im Gesamten stark verändern. Das Fokussieren von Bildern wäre nicht mehr nötig, denn das Bearbeiten im Nachhinein erlaubt es, den Fokus zu verändern. David Brady, Optotechniker an der Duke University, sagt gegenüber dem "Wall Street Journal", dass Fotografieren mit konventionellen Kameras wie das "Schauen durch einen Strohhalm" sei, wohingegen die "Aware-2" wie ein Feuerwehrschlauch wirke. Die Linse ist kugelförmig, ähnlich wie das menschliche Auge, und mit 98 Mikrokameras versehen, die jeweils 14-Megapixel-Sensoren haben. Das Bild setzt sich dann aus den fast 100 Bildern der Kameras zusammen. Bislang sind nur Schwarz-Weiß-Fotos möglich. 

Videos mit gleicher Detailtreue

Eines der ersten Bilder, die mit dem Gerät gemacht wurden, zeigt die Skyline von Seattle. Brady meint, dass die Aufschrift einer Garage, die etwa 800 Meter weit entfernt war, beim späteren Zoomen deutlich zu lesen gewesen sei. Auch Videos können mit der Kamera gemacht werden und zeugen von gleicher Detailtreue. 

Größeres Sichtfeld als Teleskope

Teleskope wie das Pan-Starrs-Teleskop in Hawaii befinden sich bereits im Gigapixel-Bereich. Diese haben jedoch ein eingeschränktes Sichtfeld. Die "Aware-2" ist die erste Kamera, die für den allgemeinen Gebrauch eingesetzt werden kann. Die größte Herausforderung wird es sein, so ein Wissenschaftler an der Columbia University, die Elektronik zu verkleinern und den Energieverbrauch zu senken. Auch die Software, um diese Daten zu bewältigen, wird ein wichtiger Entwicklungsschritt sein. Bis die Kamera auf den Markt kommt, werden noch einige Jahre vergehen. Die Konstruktion der Kamera kann in einem Zeitraffer-Video angesehen werden:

 

(iw, derStandard.at, 21.6.2012)

  • Die Kamera ist so groß wie zwei Mikrowellen und wiegt fast 50 Kilogramm.
    foto: duke university

    Die Kamera ist so groß wie zwei Mikrowellen und wiegt fast 50 Kilogramm.

  • Ein Gruppenfoto wurde an der University of Washington aufgenommen.
    foto: duke university

    Ein Gruppenfoto wurde an der University of Washington aufgenommen.

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