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Pro: Rare Güter
Von Ronald Pohl
Man kann den Mitmenschen in unserer schnelllebigen Zeit gar nicht genug Geschenke machen. Kleine Geschenke sind das A und O unseres Zusammenlebens. Der aufgeschlossene Mensch beginnt mit dem Schenken günstigstenfalls schon frühmorgens: zu jener Stunde also, wenn die Langschläfer noch das Granulat aus den Augen kratzen, das ihnen der Sandmann vorbeigebracht hat.
Geschenke sind keine Frage des Geldes. Man schenkt der Semmelschlichterin in der Industriebackstube einen Augenaufschlag: Das genügt völlig. Das Retourgeld in der Bäckerei - meistens eine ungerade Zahl kupferner Cent-Stücke! - könnte man sich auch schenken. Aber das wäre, mit Blick auf die handverlesenen Dinkelkörner, unredlich.
Das schönste Geschenk, das man einem Schulpädagogen machen kann, ist Fersengeld. Mit diesem entgilt man dem Lehrer sein ungebetenes Auftauchen: etwa wenn man als Schüler die Lunge gerade mit Rauchinhaltsstoffen bewirtschaftet. Man soll Lehrer reich beschenken. Am besten schenkt man ihnen Aufmerksamkeit.
Kontra: Kein Wort dagegen
Von Eric Frey
Gewisse Artikel sollte man erst gar nicht beginnen - nicht wenn die Tochter zwar gerade Matura gemacht hat und damit aus der Gefahrenzone heraus ist, aber der Herr Sohn noch mindestens vier Jahre vor sich hat, in denen er von der Gunst von Menschen abhängig ist, deren Intelligenz er zwar geringschätzt, die ihm aber dank der Macht der Notengebung eindeutig überlegen sind.
Daher habe ich mir geschworen, bis Juni 2016 keinen Kommentar gegen Lehrer zu schreiben. Und auch eine Tirade gegen die Unart der Lehrergeschenke werde ich mir verkneifen. Das mühsame Nachdenken, was denn gefallen könnte; das frustrierende Einsammeln kleiner Beträge in der Klasse; die Mahnungen an jene Eltern, die nicht und nicht zahlen wollen; und dann die peinliche Übergabe durch die Kinder, die nach dem schrecklichen Schuljahr kaum in Geberlaune sind - kein Wort dagegen kommt von mir.
Aber werden Lehrergeschenke nicht ohnehin im neuen Antikorruptionsgesetz untersagt? Dann bedarf es dieses Kontras gar nicht. (Rondo, DER STANDARD, 22.6.2012)
Die Suche in Taschentiefen oder Zimmerfluchten ersparen oder Understatement mit einem einzigen Klingelton
So ein charakterstarker Sattelschutz gibt uns den allerschönsten Schliff im Meer des seriösen Gleichklangs - Oder: der Schoner steht dem Wesen des Radfahrens entgegen
Die dumme Augustine trug sie und wurde umjubelt, aber der Modetrend gilt als Gegenteil von Freiheit
Maunchmoi is scho vü gscheida, ma bleibt bei dem wos ma dalernt hot oder Hochsprache ist Facebook-Sprache
Die gedruckte Zeitung darf nicht sterben - oder: Wenn gedruckte Gedanken zu Wischdiensten abkommandiert werden, sterben sie einen feuchten Tod
Einen Goldfisch damit nach Hause transportieren oder Liebe geht durch den Magen
Ein Zeichen einer erwarteten Gemütlichkeit oder so graziös wie Bambi auf dem zugefrorenen Teich
Ein gerade unübertreffliches Glücksrezept oder logistischer Stress durch neumodisches Brauchtum?
Weshalb das viel gepriesene "Runner's High" in der Stadt mitunter auf sich warten lässt und das duch-die-Stadt-joggen eine Sightseeing-Tour ersparen kann
"Damit sich nicht wieder irgendein Armleuchter in den Luster hängt" oder "Fröhlichkeit ganz ohne Alkohol ist immer etwas gezwungen"
Seine Entscheidung - "eine oda auße?" - jederzeit staufrei revidieren oder es ist nicht der Mensch, der den Rhythmus vorgibt
Her mit der heißen Ware, oder sind erotische Geschenke einfach nur peinlich?
"Welcher Superstar wird dich heiraten?" oder Danke, wir wollten es echt nicht so genau wissen
Wer die Lure aus dem Stockwerksautomaten am Platz genießt, versäumt nichts Spannendes - oder die Sitten im Büro sind immer nur so rau wie das Leben auf der Straße
"Das WC ist nicht Rückzugsraum, sondern reine Bedürfnisanstalt" oder: "Undenkbar, dieses Elend den Blicken einer weiblichen Laufkundschaft preiszugeben"
Heißer Tee, Suppe oder auch Punsch oder die Eismischerzunft soll endlich auf den Klimawandel reagieren
Rockgott versus Gott der Allmächtige - zumindest wenn es um die Frage nach hell oder dunkel geht
"Mindestens haltbar bis ..." - "Best before" ist schlicht irreführend übersetzt oder ein farbenprächtiger Abdruck einer Fontäne an der Toilettenwand
Weshalb der Alltag der KollegInnen schon interessant ist und portionierte Grußbekanntschaften einem weißen Wal das Leben schwer machen
In der Leichtigkeit muss man das Üppige wählen oder der Schaum, ein Traum
Gluck, gluck, und runter damit oder rot steht für Wärme, Leidenschaft und große Gefühle
Wer nicht mit Kanonen auf Brösel schießt, greift zum Bartwisch und dessen Zwilling, dem Schauferl oder ihr Traditionsritter von der traurigen Gestalt
"Du, in meinem Zelt ist eh Platz für zwei!" oder eine Mischung aus Schweiß und Uringeruch
Man kann sich, muss sich aber nicht festlich kleiden oder das Wohnzimmer ist und bleibt eine pinguinfreie Zone!
Ich möchte bitte KEINE Geschenke mehr. Das sage ich auch meinen Kindern jedes Jahr. Trotzdem: auch heuer wird es wieder etliche der folgenden - und sicher sehr gut gemeinten - Köstlichkeiten geben: ägyptische Papyri, bei denen die Farbe schon beim Aufrollen abblättert; Aufzieh-Schneekugeln, die La le lu spielen, kleine Figurinen, die Elfen, Babys, Bauernhäuser oder niedliche Tiere darstellen; kleine Pyramiden mit Glitzergel gefüllt, die als Stifthalter fungieren; Engelchen, die fröhlich singen; Pharaoh-Statuen als Briefbeschwerer; selbst gehäkelte Hauspatscherl, 100% Arcryl, 3 Nummern zu klein; silberne Hirsche, deren Augen rot blinken können; Duschgels und Parfums aus dem Diskonter; 1 Kilo Datteln; 1 Kilo zuckriger, rosa Lokum...
Eine gute Flasche Wein, Blumen, ein Taschenbuch etc. sind eine kleine Aufmerksamkeit, die man geben möchte, wenn ein Lehrer seinen Job gut macht.
Organisiertes Sammeln für Geschenke um mehrere hundert EURO ist aber definitiv abzulehnen.
Ach ja, und die Sachen, die keiner haben will, könnte man ja wirklich irgendeinem guten Zweck zuführen. In einem Asylantenheim würden sich die Kinder sicher auch über Schneekugeln freuen.
um die buchstäblich notwendigen geschenke für meine lehrer/innen - meist waren es natürlich alkoholika - zu finanzieren.
(aber ich kann mit freude berichten, dass es sich wirklich gelohnt hat! letztendlich habe ich - wenngleich natürlich nicht auf anhieb - den hauptschuhlabschluß doch geschafft)
Der Brauch, irgendwelche Lehrer zum Schulschluss zu beschenken, erschloss sich mir nie ganz. Aber das mag daran liegen, dass ich erst davon erfuhr, als ich nach Wien gezogen bin ... ;-)
Weiß hier jemand, wie, wann und vor allem: warum sich das etabliert hat?
Nachkriegszeit?
Kaiserreich?
Für unseren Physiklehrer im Gymnasium (kein Klassenvorstand, einfach ein leiwander Typ) vor zwei Jahren gab es ein kleines Fass Bier und ein photogeshopptes Bild (Postergröße) mit seinem Konterfei anstatt dem von Newton.
Muss auch dazusagen, dass er zwar streng, aber immer fair benotet und gehandelt hat. Das wissen Schüler (zumindest die Meisten) zu schätzen!
Und die Blumen und das Buch erschnorren Sie sich?
Ich habe von meiner Lieblingsklasse - lange, lange ist's her nach den gemeinsamen Jahren eine sehr schöne u. geschmackvolle Vase bekommen. Nachdem meine Katzen sie zerstört haben, war ich traurig, da sie mich immer an diese Klasse erinnert hat. Aber egal - besonderes vergisst man auch so nicht.
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