Zahnverlust auf der Wasserrutsche

  • Mehr als 50 Prozent der Zahntraumata in der Altersklasse der Acht- bis Zehnjährigen passieren auf der Wasserrutsche.
    foto: apa/epa/partrick seeger

    Mehr als 50 Prozent der Zahntraumata in der Altersklasse der Acht- bis Zehnjährigen passieren auf der Wasserrutsche.

Bei Acht- bis Zehnjährigen ist die Wasserrutsche der häufigste Ort für ein Zahntrauma - Die Folgen sind langwierig und kostspielig

Ein heißer Tag im Freibad. Auf der Wasserrutsche geht es wild zu, und zack, schon ist ein oberer Schneidezahn bleibend verletzt oder, noch schlimmer, der Zahn ist verloren. So schnell das gehen kann, so langwierig und kostspielig sind die Folgen.

"Wenn die Freibadsaison beginnt, schlägt sich das umgehend auf unsere Arbeit in der Kieferklinik nieder", berichtet Thomas Bernhart, Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Leiter der chirurgischen Ambulanz der Abteilung für Orale Chirurgie an der MedUni Wien und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Orale Chirurgie Österreich.

"Laufen, Raufen und Saufen"

Insgesamt erleiden 35 Prozent aller Kinder und Jugendlichen einmal im Leben ein mehr oder minder schweres Frontzahntrauma. Drei gefährliche Phasen treten im Leben jedes Menschen auf: "Laufen, Raufen und Saufen", zitiert Bernhart die Arbeitsgemeinschaft für Zahntraumatologie. Mit dem Erlernen des aufrechten Ganges zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr kommt es zu Stürzen und in der Folge zum Milchzahntrauma. Das Raufen zwischen dem achten und zehnten Lebensjahr gefährdet vor allem die bleibenden Frontzähne von Buben. Durch die Auswüchse des Saufens verursachter Zahnverlust fällt in die Zeit der Pubertät.

Der Verlust von Zähnen auf der Wasserrutsche ist in der Phase des Raufens angesiedelt, "ein Alter, in dem man sich beweisen muss", so Bernhart. Mehr als 50 Prozent der Zahntraumata in der Altersklasse der Acht- bis Zehnjährigen passieren auf der Wasserrutsche.

"Die Rutsche an sich ist sicher", meint der Experte, denn die Kinder verletzen sich vor allem an den Köpfen der Kinder, die vor ihnen rutschen. "Es ist immer die Kumulation an Jugendlichen, die zum Zahntrauma führen kann." Dazu kommt der Faktor der Unkontrollierbarkeit. Bernhart: "Versuchen Sie einmal, eine Wasserrutsche kontrolliert hinunterzurutschen. Sie werden es nicht schaffen."

Lebenslange Nachbehandlungen

Es ist immer ein Schlag auf den Zahn, der ein Zahntrauma auslöst, und so gut wie immer betrifft es die Frontzähne im Oberkiefer, die für die Ästhetik am wichtigsten sind. Darüber hinaus ist der Oberkiefer der Knochenabschnitt, der am längsten wächst und am spätesten vollständig entwickelt ist. Weshalb ein Zahntrauma bei einem Kind von etwa acht Jahren lebenslange Nachbehandlungen nach sich ziehen kann. "Das ist ein durchaus dramatischer Vorfall, der mit einer Veränderung in Kieferbiologie, -wachstum und -größe bis zum 25. Lebensjahr einhergeht", weiß Bernhart. Dementsprechend reduziert sind die Möglichkeiten der Therapie.

Ist ein kleines Eck vom Schneidezahn abgebrochen, setzt die moderne Zahnmedizin auf einen Kunststoffaufbau, der auch von der Kasse übernommen wird. Ein Zahn, der durch den Schlag zu wackeln begonnen hat, kann sich wieder festigen. Dabei kommen Schienen zum Einsatz, die etwa zwei Wochen lang getragen werden müssen, bis der Zahn wieder fest verwurzelt und belastbar ist.

Die Zahntransplantation als Option

Größere Schäden oder der Verlust von Zähnen sind bei Kindern und Jugendlichen schwieriger zu therapieren. "Kronenversorgungen führen wir bei Kindern kaum durch, weil das ein massiver Eingriff in die Hartsubstanz ist", erzählt Bernhart. Ähnlich verhält es sich mit Implantaten. Bis zum 25. Lebensjahr kommen sie nur sehr selten zum Einsatz, da der Kiefer im Oberkieferfrontbereich bis dahin im Wachsen begriffen ist.

Hier ist die Zahntransplantation eine Option. "Wir entfernen aus dem Kiefer einen Zahn, den man nicht so dringend braucht, und setzen ihn anstelle des Frontzahnes ein", erklärt der Experte. Der implantierte Zahn wächst mit dem Kiefer mit. Mit Kunststoff wird er in die richtige ästhetische Form gebracht. Die Lücke, die im Kiefer entsteht, kann mit Hilfe einer Zahnspange geschlossen werden.

Die Sportschiene als Prävention

Doch vor allem gilt es Präventionsmaßnahmen zu beherzigen, damit das Rutschvergnügen nicht mit Zahnverlust einhergeht: "Den Kindern zu sagen, du darfst nicht rutschen, ist hier der schlechteste Weg", sagt Bernhart und spricht sich zwecks Bewusstseinsbildung für Warnhinweise an Wasserrutschen aus.

Als einfachste vorbeugende Maßnahme empfiehlt er jedoch das Tragen einer Sportschiene. Ob das nicht "uncool" sei? "Es gibt auch coole Sportschienen mit diversen Lieblingsfarben, Fußballvereinen und so weiter", entwarnt er, und artikulieren könne man sich damit auch noch. Das Produkt besteht aus individuell an den Kiefer angepasstem elastischem Kunststoff und eignet sich für alle Mannschaftssportarten, die eine Gefahr für die Zähne darstellen. Die Kosten dafür werden allerdings nicht von der Sozialversicherung getragen.

Zahnrettung durch rasches Handeln

Ist ein Zahn einmal verletzt oder ausgeschlagen, plädiert Bernhart für rasches Handeln: "An vielen Schulen und in Bädern finden sich mittlerweile sogenannte Zahn-Rettungsboxen mit einer Nährlösung, in die man den Zahn hineingibt und in die Ambulanz fährt."

Ist keine Zahn-Rettungsbox greifbar, transportiert man den Zahn am besten in kaltem Wasser. Schnell muss es gehen, denn "wir haben viele Patienten versorgt, die zu spät gekommen sind und im Endeffekt den Zahn verloren haben", so Bernhart.

Das gilt auch im Falle eines kleinen ausgebrochenen Ecks. "Das Eckerl kann viel größer sein, als man bemerkt", erklärt Bernhart. "Der Schmelz ist die harte Hülle. Wenn diese bricht, handelt es sich um eine offene Wunde, in die Bakterien eintreten und Schmerzen entstehen können. Deshalb sollte man rasch einen Zahnarzt oder - außerhalb der Praxiszeiten - den Zahnarztnachtdienst, die Zahnklinik oder die Unfallambulanz im Krankenhaus aufsuchen." (Eva Tinsobin, derStandard.at, 4.7.2012)

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19 Postings

Also mein Zahntrauma ist auf jeden Fall auf letzeres der drei "Xaufen"-Wörter zurückzuführen.

Ein Zahn ist ein geringer Preis für den Spaß.

Man kann Kinder vor fast jeder Verletzung schützen, aber die ängstlichen Kreaturen, die aus der Behütung entstehen tun mir mehr leid, als jene Kinder mit Gips oder Zahnverlust.

Diese überbehüteten Kreaturen verletzen sich auch eher als die, die wild sein dürfen, denn Zweitere bewegen sich viel mehr und werden dabei immer sicherer.

Zahntrauma!

Ist das jetzt das Sommerwort 2012?

Und gibts dagegen eh Globuli und Engelsspray?

Nun, mein 11.jähriger hat vor genau 1,5 Monaten bei einer Wasserrutsche den linken Schneidezahn verloren, beim rechten fehlt ein Stück - insofern unser Beitrag für die Statistik. Mein Tipp: bei der privaten Unfallversicherung immer die Unfallkosten miteinbeziehen - damit kann man Kosten solcher Art gut abdecken.

Sofort verbieten diese pösen WASSERUTSCHEN!!!

Und wenn sich die Kids beim Laufen die Knie aufhauen bitte unbedingt ins Krankenhaus. Da muss eine Impfung rein, die Wunde professionel sauber gemacht werden und ein Verband herum.

Mein Gott...aufgehaute Knie, ausgeschlagene Zähne, gebrochene Hände und Füsse gehören zu einem erfülltem Kinderleben dazu.

DAS GEHÖRT ZUM LEBEN dazu und man sollte nicht um alles ein TamTam machen.

Laufen, Raufen, Saufen - thats life!

Also wenn sich dein Kind einen Zahn ausschlägt und du anschließend nicht mit ihm zu einem Arzt gehst, ist dir nicht mehr zu helfen...

Kein Problem: die Badeanstalt, die Rutschenherstellerin und im Zuge der Therapie wegen Aufklärungsmangelm die Ärzte klagen, und vom Geld das übrig bleibt finanziert sich auch noch die Brust-OP der Tochter. Das Blöde ist nur dass es dann bald keine Wasserrutschen mehr geben wird und eine andere Einkunftsquelle gesucht werden muss.

" Mehr als 50 Prozent der Zahntraumata

in der Altersklasse der Acht- bis Zehnjährigen passieren auf der Wasserrutsche" Hat es der Herr Experte Thomas Bernhart noch? Wenn diese Statistik stimmt, lasse ich mir einen Weisheitszahn ohne lokaler Anästhesie mit der Flex rausschneiden, hehe

Wer die Kleinsten zuviel bemuttert und sie nichts selbst machen lässt

braucht sich später nicht zu wundern, dass sie tolpatschig werden.

auf dem weg zur rutsche muss meist eine hochgefährliche treppe überwunden werden, hier werden zusätzlich zum zahnschutz noch helm, knie- und ellenbogenschützer empfohlen.

also nur noch mit vollvisierhelm auf die wasserrutsche ;-)

"Mehr als 50 Prozent der Zahntraumata in der Altersklasse der Acht- bis Zehnjährigen passieren auf der Wasserrutsche."

die statistik würd ich gern sehen...

statistik stimmt schon

sie wurde halt repräsentativ in zwei schwimmbädern (mit rutsche) durchgeführt.

Vermutlich von der Sprungbrett-Lobby herausgegeben.

Gehören Sie zu den 13,671% alle Menschen, die Statistiken nicht glauben können?

70% aller Statistiken sind falsch,

das ist beinahe die Hälfte!

ich persönlich glaub auf jedem fall keiner statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe...

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