Experten als Lehrer in der Schule der Zukunft

20. Juni 2012, 18:22
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Wirtschaftsbund-Vordenker wollen Lernstätten für mehr Kreativität und Neugier öffnen

Innsbruck - Peter Haubner ist optimistisch. In 20 Jahren wird er 72 Jahre und immer noch Unternehmer sein. Der Generalsekretär des Österreichischen Wirtschaftsbundes möchte, dass sich bis dahin etwas bewegt in Österreich. Damit das Land auch in 20 Jahren noch erfolgreich ist. Und das will er auch selbst noch beruflich miterleben. Es brauche Innovation, die Politik bewege sich in festgefahrenen Kreisen. Immer dieselben Personen würden zu denselben Themen befragt.

Also beschlossen Haubner und sein Team, einen komplett anderen Weg zu gehen. Monatelang wurden Experten, Zukunftsmacher aus allen unternehmerischen oder wissenschaftlichen Bereichen gesucht. Es solle ein längerfristiger Prozess angeregt werden, eine Vision müsse entwickelt werden. "Create 32" ist auf die Zukunft ausgerichtet, auf Österreich im Jahr 2032. In einem sich rasch verändernden Umfeld brauche es neue, frische Perspektiven. Diese eröffneten sich den 32 Zukunftsmachern Anfang der Woche am Ahornplateau 1275 Meter über dem Zillertaler Ort Mayrhofen. Mit Blick auf Auerspitze, Rosskogel oder Großen Lüftler werden Ideen für die Zukunft präsentiert. Das Bildungssystem müsse sich rasch ändern, sagt Stefan Röhrig, Vizepräsident des Babyprodukteherstellers MAM. Gefragt seien in Zukunft Faktoren wie Kreativität und Teamfähigkeit. Freies Denken müsse gefördert werden. Die Schule sollte zu einem "hybriden Ort des Lernens" werden, wünscht Röhrig.

Der einzelne Schüler müsse künftig im Mittelpunkt des Lernprozesses stehen. Basiswissen, wie Mathematik, Geschichte oder Biologie würden noch von Lehrern vermittelt. Diese sollten allerdings nicht nur Vermittler von Wissen, sondern auch Coaches sein. Mit modernen Technologien sollten die Schüler sich auch spezialisieren können. "Die besten unter den Experten müssten Videos mit ihren Lerninhalten aufnehmen. Diese werden dann mit Hologrammen den Schülern vorgeführt." Auch etwaige Fragen sollte der Experte bereits vorab beantworten, sodass ein Schüler, der etwa das Integrieren nicht versteht, einfach drauflos fragen könnte. Per Spracherkennung werde dann prompt geantwortet. So könne auch Spezialwissen vermittelt werden, sagt Röhrig.

Lehrer wären in dieser Zukunftsvision aber nicht mehr nur ausgebildete Lehrer. Über sogenannte "Wissens-Plattformen" sollten Experten gesucht werden in allen Bereichen: von japanischer Geschichte des Mittelalters bis zum Törtchenbacken. Natürlich wäre die Schule der Zukunft international vernetzt. Denn Törtchenbacken wäre vermutlich kein Massenfach, den einen oder anderen würde es aber wohl interessieren, erklärt Röhrig.

Zukunftsmacherin Catriona Maclay ist Expertin für problembasiertes Lernen. Sie selbst leitet in London das Projekt "Hackney Pirates". Kinder kommen am Nachmittag in die Schule. Sie üben Lesen und Schreiben, aber auch Kreativität und Problemlösung. Maclay wünscht sich, dass das Schulmodell für das Jahr 2032 kurzerhand in einem Pilotprojekt versucht wird. Sie glaubt, dass Experten ihr Wissen unentgeltlich zur Verfügung stellen würden - das steigert ja die Reputation.

In den Visionen der Zukunftsmacher wird in den kommenden Wochen ein roter Faden gesucht. Dann will Haubner "die Ideen auf den Boden bringen". (Verena Langegger, DER STANDARD, 21.6.2012)

  • Zukunftsmacher überlegen sich mit Blick auf die Zillertaler Bergwelt,
 wie Schule in 20 Jahren sein sollte.
    foto: wirtschaftsbund

    Zukunftsmacher überlegen sich mit Blick auf die Zillertaler Bergwelt, wie Schule in 20 Jahren sein sollte.

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