"Kein unbeschriebenes Blatt"

Andrea Schurian
20. Juni 2012, 21:48
  • Bundesministerin Claudia Schmied (li.) ist glücklich und Kurator Jasper 
Sparp (re) zufrieden mit der Ernennung von Mathias Poledna (Mitte) zu 
Österreichs Biennale-Teilnehmer 2013.
    vergrößern 750x500
    foto: apa / schlager

    Bundesministerin Claudia Schmied (li.) ist glücklich und Kurator Jasper Sparp (re) zufrieden mit der Ernennung von Mathias Poledna (Mitte) zu Österreichs Biennale-Teilnehmer 2013.

Wer 2013 im Hoffmann-Pavillon ausstellt, wurde im Volksgarten-Pavillon in Wien vorgestellt: der in Los Angeles lebende, interdisziplinär arbeitende Künstler Mathias Poledna

Wien - "Dank an Ministerin Claudia Schmied, dass sie Jasper Sharp als Kurator bestellt hat; Dank an Jasper Sharp, dass er mich als Künstler bestellt hat. Ich werde jetzt niemanden mehr bestellen": Kurz, präzise und nicht frei von feiner Ironie fiel die erste offizielle Stellungnahme Mathias Polendas als Österreichs nächster Biennale-Teilnehmer aus. Passt zu seiner Kunst. Die über die Auswahl offenbar höchst beglückte Kunstministerin bezeichnete den in Los Angeles lebenden Künstler in ihrem Statement etwas euphemistisch gar als "Hauptperson des Jahres 2013" und freute sich auf "den Blick von außen".

Der 37-jährige britische Kurator Jasper Sharp, den Ministerin Schmied erst im Dezember 2011 als Österreichs Biennale-Kommissär vorgestellt hatte, hatte eine rasche Wahl getroffen. Obgleich er, wie er im STANDARD-Gespräch betonte, die ersten zwei, drei Monate erst einmal damit zugebracht hatte, sein Team zu formieren und eine tragfähige Arbeitsstruktur zu installieren, etwa ein Büro in der Wiener Schleifmühlgasse.

Weil die Biennale öffentliche Mittel bekommt, so Sharp, ist dieses Büro ein Raum für die Öffentlichkeit und für jedermann zugänglich. 400.000 Euro stellt Schmieds Ministerium zur Verfügung, 20.000 Euro extra gibt es vom Ministerium für ein von Sharp geplantes Buch, in dem Österreichs Beiträge in 120 Biennale-Jahren analysiert und in einen soziopolitischen Kontext gestellt werden. Außerdem muss sich Sharps Team fleißig um weitere Geldbeschaffung kümmern, ohne Privatsponsoren ist Österreichs Biennale-Auftritt schon längst nicht finanzierbar.

Richtiger Zeitpunkt

Poledna hat zuletzt die Beiträge von Hans Schabus (2005) sowie Elke Krystufek, Dorit Magreiter, Franziska & Lois Weinberger (2009) gesehen und ist froh, "dass ich den Pavillon allein bespielen kann. Gruppenkonstellationen sind eher kompliziert. Ich bin sehr glücklich über die Carte blanche."

Dass es eine Soloschau werden würde, sei ihm von Anfang an klar gewesen, sagte Sharp, der sechs Jahre als Kurator für die Peggy Guggenheim Collection in Venedig arbeitete: "Die Biennale ist ja eine einzige große Gruppenausstellung." Natürlich sei die Wahl eines einzelnen Künstlers auch immer umstritten: "Man sagt, die Biennale sei die Olympischen Spiele der Kunstwelt. Aber für die Olympiade muss man am schnellsten laufen, am höchsten springen können, es gibt klare Qualifikationen. In der Kunst nicht. Da geht es um Ansichten. Um Überzeugungen." Jedes Land wähle einen anderen Zugang, bei einigen sei die Biennale-Teilnahme eine Art Auszeichnung für das Lebenswerk, "denken Sie an Gilbert & George oder zuletzt Boltanski. Die sind schon im Pantheon. Ich wollte einen Künstler, für den Venedig genau zur richtigen Zeit kommt. Ich wusste schon ziemlich früh, dass ich Mathias einladen möchte."

Stimmen und Geister

Der wiederum, in Sammlungen vieler internationaler Museen vertreten, brauchte seinerseits auch nicht viel Überlegenszeit: "Ich habe sofort zugesagt." Und hat nun genügend Zeit, um bis zum Juni 2013 ein Konzept für den Hoffmann-Pavillon zu entwickeln: "Man möchte ja immer, das die nächste Arbeit die beste wird. Es gibt viele Zusammenhänge, die Geschichte Venedigs, der Biennale, jene des Hoffmann-Pavillons. Das aber heißt nicht, dass alle diese Aspekte in das Projekt einfließen." Er stehe wie ein Schriftsteller vor einem leeren Blatt: "Aber es ist kein unbeschriebenes Blatt."

In den nächsten Tagen jedenfalls werden Kommissär und Künstler den leeren - und frisch restaurierten - Pavillon besuchen: "Wir beide haben ihn noch nie leer erlebt. Wann immer man ihn sah, war er mit Kunst von jemandem besetzt. Er ist voller Stimmen und Geister und Erinnerungen." (Andrea Schurian, DER STANDARD, 21.6.2012)

Büro des österreich. Pavillons, 1040 Schleifmühlgasse 1

Share if you care
10 Postings
Der hat halt ein Handerl dafuer

wie man mit Ministerinnen umgeht.

trügerisch

war eher ein echt sekundenschneller moment - und ich am abdrücker, grad Poledna hat SEHR schnell zurückgezogen - Poledna wirkt eher wie jemand der vor derlei Umarmungen SEHR zurückschreckt.

danach schauts aber nicht aus. Wo ihre Hand ist, kann er nicht bestimmen, aber seine doch wohl schon?

Die alte Schabracke gefällt sich mit Steuergeld in der Rolle der fürstlichen Mäzenin - die alte Misere der staatlichen Kunstförderung
Aber den Noever fertigmachen!
http://zeichenblogger.blogspot.co.at/2011/02/m... toren.html

das foto!

ist das echt?? ein wahnsinn! schmieds kulturpolitik am punkt getroffen!

überfällig

die kunsthistorische ablösung der dachlatten und labbrigen lappen durch die rigipsplatte als neuen diskursträger.

An der Rigipsplatte sieht man, was Kunst bewirkt

Ohne das weisse Quadrat waere die womoeglich gar nicht erfunden worden.
Ein leeres aber nicht unbeschriebenes Blatt ist hingegen nicht innovativ. Das ist als Double-Buffering bzw. page-flip in der Computergrafik schon lange erfunden.

vor dem 'double buffering' war da auch noch das 'latente bild' in der fotografie

rein affirmativ natuerlich.

das foto! hinreissend!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.