Hannes Androsch: Wie es ihm nicht gefällt

  • Lieber "Hofnarr" oder "selbsternannter Watchdog", der für 
Bildungsreformen kämpft, als "handlungsunfähige Marionette", die 
politisch fremdgesteuert ist: Hannes Androsch will weitermachen.
    foto: der standard/corn

    Lieber "Hofnarr" oder "selbsternannter Watchdog", der für Bildungsreformen kämpft, als "handlungsunfähige Marionette", die politisch fremdgesteuert ist: Hannes Androsch will weitermachen.

Der Industrielle und seine Mitstreiter sind empört über den Umgang der Regierung mit dem Bildungsvolksbegehren

Wien - Hannes Androsch suchte Zuflucht bei William Shakespeare. Den Ausgang des von ihm im vergangenen Herbst initiierten Bildungsvolksbegehrens empfindet der Industrielle und Ex-Vizekanzler nämlich durchaus als dramentauglichen Stoff in der Liga des englischen Dramatikers.

"Something is rotten in the state of Denmark." ("Hamlet")

Etwas sei faul im Staate Österreich, formulierte Androsch bei einem "Resümee des Zwischenstandes" am Donnerstag so: "Wir haben gehofft, dass die Abgeordneten im Parlament das, was sie wollen, auch tun werden - dürfen" - durften sie dann aber augenscheinlich nicht, vermutete Androsch, weil die parteienübergreifende Einigkeit im parlamentarischen Sonderausschuss bei mehreren Themen zu keinem einzigen Beschluss im Parlament führte.

"Nichts ist erledigt"

"Vom Volksbegehren ist schlicht und ergreifend nichts erledigt", kritisierte Androsch und sah darin "ein Spiegelbild unserer politischen Verhältnisse": "Angeblich frei gewählte, vermeintlich nur ihrem Gewissen verantwortliche Abgeordnete" hätten entgegen ihrer gemeinsamen Überzeugung im Ausschuss später im Nationalrat gegen die eigene Überzeugung gearbeitet. Warum? "Die Macht-Instrukteure geben vor, was die Koalitionäre machen dürfen." Gemeint waren vor allem Lehrergewerkschaft und Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP). Die demokratiepolitische Konsequenz sei, so Androsch: "Das Parlament wird gelähmt zur handlungsunfähigen Marionette, es wird leider ausgeschaltet."

Das wollen Androsch und seine Mitstreiter - darunter ÖVP-Bildungsexperte Bernd Schilcher, Deloitte-Unternehmensberaterin Gundi Wentner und der Bereichsleiter für Bildungspolitik in der Industriellenvereinigung (IV), Gerhard Riemer - nicht akzeptieren.

Der mehrfach geforderte "Bildungsrat" müsse installiert werden, ähnlich wie der bestehende Forschungsrat, und sei es nur als "Hofnarr", der unbequeme Wahrheiten ausspreche, sagte Androsch. "Watchdog" könne man es auch nennen, "aber mir gefällt der Shakespeare immer noch besser".

"Me, poor man, my library was dukedom large enough." ("The Tempest")

Einen Büchersaal wie in Shakespeares "Der Sturm" würde der literaturbeflissene Androsch zwar allemal wie ein Herzogtum würdigen, aber im Zusammenhang mit "seinem" Volksbegehren ist ihm der Erfolg - und das sei das Begehren und die Behandlung im Sonderausschuss gewesen - dann doch nicht genug. Er denkt nicht daran, von nun an die Bildungspolitik wieder der Regierung und den Abgeordneten zu überlassen. " Das bedarf der Fortsetzung", kündigte Androsch an, und die Gelegenheit dazu werde schon der Wahlkampf für die Nationalratswahl 2013 bieten.

Bei der müssten SPÖ und ÖVP ohnehin mit gröberen Verwerfungen rechnen, warnte auch Bernd Schilcher (ÖVP), der glaubt, "dass die Koalitionsparteien auf dem besten Weg sind, sich nicht stilvoll, aber sehr effizient selbst aufzulösen". Die ÖVP tue das etwa, indem sie ihre " christlich-soziale" Seite konterkariere durch eine "Politik nur für die, die es geschafft haben, statt einer Politik, damit es alle schaffen".

So könnten sich SPÖ und ÖVP in die Lage manövrieren, nach der Wahl zu zweit zu klein für eine Regierung zu sein und einen Dritten zu brauchen. Androsch rät für diesen Fall zu den Grünen, die sich über freundliche Worte des früheren SPÖ-Politikers freuen dürfen, seien sie doch "für Bildung uneingeschränkte Mitstreiter, die größtmögliche Unterstützung verdienen", betonte Androsch, während "die Blockadeure abgestraft gehören". Damit zielte er auch auf seine Partei, von der er als "das Mindeste" verlangt, dass sie für eine Neuauflage der Koalition mit der ÖVP Bildungsreformen zur Koalitionsbedingung mache. Es dürfe "keine Rücksichtnahme auf oligarchische Interessen gewisser Gewerkschaftsbosse mehr geben".

Einen Satz von Shakespeare wird Shakespeare-Adorant Androsch jedenfalls nicht umsetzen: "The rest is silence." ("Hamlet") (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 21.6.2012)

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In Pension gehen

Ich bin der Meinung, dass der Androsch endlich in Pension gehen sollte und nicht ständig beim AIT oder in Bildung "umeinanderpfuschen" sollt

zwi- tri-Gespräch

A:'da wollte jemand nach Tirana fahren'
B:'wo ist denn das?'
A:'das ist die Hauptstadt von A, A, A Afghanistan glaub ich'
C:'Tirana ist die Hauptstadt von Albanien'
A:'ist auch möglich'
B:'man kann ja nicht alles wissen'

A u. B sind ca. 40 Jahre alt, nicht gemeinsam

Bildung, Bildung, Bildung - bitte jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa

Bildung muss sich auch lohnen - der Gebildete darf nicht ausgebeutet werden !!

Eine vernünftige Bildungsreform ist wichtig, bringt aber nichts, wenn der Gebildete (samt Familie) verhungert. Man betrachte etwa diese Stellenausschreibung: http://www.absolventen.at/jobs/pdf-... ender=slim und halte sich folgendes vor Augen:

Bis zum Studienende (Alter: 24-25 J): kein Einkommen
Gerichtsjahr: Einkommen deckt NICHT den Bedarf
Geforderte Berufserfahrung: erste Einkünfte, aber nicht weltbewegend

Und dann, mit rd. 30, soll bei geforderten Zusatzkenntnissen das mtl. Nettoeinkommen nicht einmal 1.500 € sein? Das ist Ausbeuterei !!!

Wer die Arbeit nicht scheut und nach der Pflichtschule arbeiten geht, kann bis dahin einen uneinholbaren Einkommensvorsprung von rd. 300.000 € netto haben !!

Herr Androsch hält sich eben für eine Ausnahme. Volksbegehren sind seit Jahrzehnten fast durchwegs für die Katz gewesen. Aber wenn er als Wichtikus so etwas initiiert, müssen die Abgeordneten natürlich hüpfen. Andernfalls ist was faul im Staat, und die direkte und die repräsentative Demokratie sind in Gefahr. Das Volksbegehren war zwar trotz erheblichen Pressegetrommels eigentlich ein Flop, aber es hat immerhin über 100.000 Stimmen erzielt. Also.

Der Realitätsverlust, unter dem dieser Herr leidet, steht im umgekehrten Verhältnis zu der Bedeutung, die man ihm beimessen sollte.

Im Herbst steht übrigens das nächste Volksbegehren an, das einige Herren mit Alterszucker initiiert haben. Die werden auch erstaunt sein, wie unwichtig sie sind.

irgendwie komisch

plötzlich lernt ein vermeintlich "oberer",wie sich der sogenannte kleine bürger immer fühlt-hat irgendwie was!

Österreich ist halt das Land der Suderanten.

Schon erstaunlich, was hier alles vorgebracht wird, einfach nur um mosern zu können.

Es ist doch erstmal völlig egal was der Hr. Androsch dann und wann gemacht hat oder tun hätte können!
Das Volksbegehren UM DAS ES HIER GEHT ist auf jeden Fall eine positive Aktion, die man zumindest soweit unterstützen könnte, dass man aufhört grundlos zu jammern und schlecht zu reden.

das system schlägt zurück

...es war zu erwarten, dass die politiker, deren sprachkenntnisse und deren weltpolitisches wissen im besten fall mittelmass ist, gegen eine initiative die gegen das mittelmass steuert, arbeiten werden...ich habe österreich vor fast 30 jahren desshalb verlassen und ich werde wie viele andere nicht in ein system des mittelmasses zurückkehren! armes österreich

Schön für Sie

Ich für meinen Teil fühle mich trotzdem hier mitten im Mittelmaß trotz aller mieselsüchtigen Mitteilungen weit besser als mittelprächtig.
Und ich verrate Ihnen ein Geheimnis:
Meine zwei Töchter besuchen gerade die Volksschule.
Ich staune jeden Tag, wie viel sie dort lernen.
Und ich halte das NICHT für einen Zufall, sondern für den Regelfall.
Es kommt halt auch darauf an, ob man die Bildung seiner Kinder ausschließlich delegiert oder ob man sich auch selber ein wenig darum kümmert.
Bildung ist keine Konsumware, Bildung gelingt im Dialog mit allen Beteiligten oder gelingt nicht, wenn man den Dialog nicht führen kann oder nicht führen will.
Das "System" ist dabei ein zu vernachlässigender Faktor.

na dann ist ja alles gut....

...nur im internationalen vergleich ist das was in österreich geboten wird, unterstes mittelmaß. wir leben in einem globalen dorf und müssen die benchmarks im globalen kontext suchen...sich mit sich selbst zu vergleichen mag beruhigen, aber macht uns und unsere kinder nicht wettbewerbsfähig. oder glauben sie das der absolvent der wirtschaftsuni wien einem absolventen von st gallen vorgezogen wird...wir sollten mit weitsicht handeln. keine stärke der österreichischen politik

Viel Spaß im globalen Dorf.

Wo suchen Sie in Ihrem Dorf die Benchmark im globalen Kontext?
Phrasendrescherei.

Es gibt sicher einiges zu verbessern in Ö.
Aber Pauschalkritik ist billig. Wo immer Sie auch leben mögen, gibt es mit Sicherheit auch Dinge, die verbesserungswürdig sind.

Und da Sie die WU ansprechen:
Mit St. Gallen kann sie mit Sicherheit nicht konkurrieren. Wenn man aber bedenkt, mit welchen Mitteln die WU arbeiten muss, wird hervorragend Leistung geboten.

Schaut mit jedem Tag versoffener aus...

Hicks!

Wo haben Sie denn Medizin studiert?

Des is doch bekannt über Androsch...

super sachliche

Meldung.

Stellvertretend für die österreichische Bildungselite, nehme ich an.

Was war daran jetzt unsachlich?

was macht übrigens der südtiroler neanderthaler

der sich so überaus heftig für das androsch-volksbegehren eingesetzt hat und in allen medien präsent war?

(scheint sich wieder nach südtirol zurückgezogen zu haben, um gemeinsam mit seinem alten kumpel "ötzi" trübsal zu blasen)

Wenn jemand wie Androsch

sich als "Volk" fühlt, dann ist wahrlich etwas ziemlich faul in diesem Land...

Aus welcher ussage lässt sich das erkennen?

ich meine damit, dass sich Androsch als Volk betrachtet! Ich erkenne das nirgends - in keinem einzigen Interview - ich erkenne nur, dass es ihm ein anliegen ist. Sorry

Und warum nennt sich die Initiative dann nicht korrekterweise

"Androschbegehren", "Industriebegehren" oder von mir aus "Elitenbegehren"?!

Besonders Mitstreiter Schilcher

wird es furchtbar weh tun, so selten in TV, Radio und Zeitungen zu sein...

schilcher hat aber von schule und bildungswesen mehr ahnung als alles, was da in österreich auf diesem gebiet herumfuhrwerkt bzw. sich wichtig macht - an der spitze die österreichiischen bildungspolitiker.

Stimmt

Für mich und den Fußball gilt ähnliches...

Ich ärgere mich auch.

Ich habe mein privates Volksbegehren gemacht, das nur ich selbst unterschrieben habe.

... jammerschade, dass sie mich nicht informiert haben.

(dieses ihr begehren hätte ich nämlich bedenkenlos unterschrieben)

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