Holzindustrie droht ÖBB mit Abwanderung

Der Fachverband beklagt empfindliche Preissteigerung und die Schließung von zahlreichen Verladebahnhöfen

Wien - Der Fachverband der österreichischen Holzindustrie übte am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz Kritik an den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Die Bahn sei für Holztransporte gegenüber der Straße nicht mehr konkurrenzfähig, sagte Christoph Kulterer, Vorsitzender der Österreichischen Sägeindustrie. Er forderte die Politik auf, den Einzelgüterverkehr als "gemeinwirtschaftliche Leistung" zu bewerten, "sonst gibt es pro Jahr 200.000 LKW-Transporte mehr".

Empfindliche Preissteigerung

Durch die ÖBB-Sanierung in den letzten zwei bis drei Jahren seien die Preise der Gütertochter Rail Cargo Austria (RCA) "empfindlich" gestiegen - "10 bis 15 Prozent", bezifferte Kulterer. Wegen einer neuen Kilometerstaffelung bei Kurzstrecken (unter 200 Kilometer) seien die Preise sogar um 30 bis 35 Prozent in die Höhe geschossen. Außerdem seien zahlreiche Verladebahnhöfe geschlossen worden. 140 von 250 seien noch offen.

Für die Versorgung der heimischen Holzindustrie mit Rundholz sei die Bahn von entscheidender Bedeutung. 26 Prozent werden derzeit auf den Schienen transportiert - laut Holz-Fachverband ein europaweiter Spitzenwert. Umgekehrt ist die ÖBB-Güterverkehrstochter Rail Cargo Austria (RCA) auch auf die Holzindustrie angewiesen: Der Anteil von Holztransporten beträgt 10 Prozent bzw. 10 Mio. Tonnen.

Sekundärnetz notwendig

Aufgrund der Sägewerk-Standorte in ländlichen Regionen sei ein ausreichendes Sekundärnetz notwendig. Die Holzindustrie sei auf den sogenannten Einzelwagenverkehr, bei dem einzelne Güterwägen durch die Eisenbahn in einem Zug zusammengefasst werden, angewiesen. Die meisten Transporte passieren auf Strecken von 200 bis 300 Kilometer.

Kulterer richtete einen Appell an die Politik, sich wirklich zur Schiene zu bekennen und "nicht nur ein Lippenbekenntnis" abzugeben. Die Weichen müssten neu gestellt werden, um den Holztransport auf der Schiene zu halten. Mit der Politik habe man in den letzten eineinhalb Jahren intensive Gespräche zur "volkswirtschaftlichen Verantwortung" geführt. Beim Fachverband hofft man nun auf eine Entscheidung im Herbst. (APA, 20.6.2012)

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