Holzindustrie droht ÖBB mit Abwanderung

20. Juni 2012, 15:44

Der Fachverband beklagt empfindliche Preissteigerung und die Schließung von zahlreichen Verladebahnhöfen

Wien - Der Fachverband der österreichischen Holzindustrie übte am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz Kritik an den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Die Bahn sei für Holztransporte gegenüber der Straße nicht mehr konkurrenzfähig, sagte Christoph Kulterer, Vorsitzender der Österreichischen Sägeindustrie. Er forderte die Politik auf, den Einzelgüterverkehr als "gemeinwirtschaftliche Leistung" zu bewerten, "sonst gibt es pro Jahr 200.000 LKW-Transporte mehr".

Empfindliche Preissteigerung

Durch die ÖBB-Sanierung in den letzten zwei bis drei Jahren seien die Preise der Gütertochter Rail Cargo Austria (RCA) "empfindlich" gestiegen - "10 bis 15 Prozent", bezifferte Kulterer. Wegen einer neuen Kilometerstaffelung bei Kurzstrecken (unter 200 Kilometer) seien die Preise sogar um 30 bis 35 Prozent in die Höhe geschossen. Außerdem seien zahlreiche Verladebahnhöfe geschlossen worden. 140 von 250 seien noch offen.

Für die Versorgung der heimischen Holzindustrie mit Rundholz sei die Bahn von entscheidender Bedeutung. 26 Prozent werden derzeit auf den Schienen transportiert - laut Holz-Fachverband ein europaweiter Spitzenwert. Umgekehrt ist die ÖBB-Güterverkehrstochter Rail Cargo Austria (RCA) auch auf die Holzindustrie angewiesen: Der Anteil von Holztransporten beträgt 10 Prozent bzw. 10 Mio. Tonnen.

Sekundärnetz notwendig

Aufgrund der Sägewerk-Standorte in ländlichen Regionen sei ein ausreichendes Sekundärnetz notwendig. Die Holzindustrie sei auf den sogenannten Einzelwagenverkehr, bei dem einzelne Güterwägen durch die Eisenbahn in einem Zug zusammengefasst werden, angewiesen. Die meisten Transporte passieren auf Strecken von 200 bis 300 Kilometer.

Kulterer richtete einen Appell an die Politik, sich wirklich zur Schiene zu bekennen und "nicht nur ein Lippenbekenntnis" abzugeben. Die Weichen müssten neu gestellt werden, um den Holztransport auf der Schiene zu halten. Mit der Politik habe man in den letzten eineinhalb Jahren intensive Gespräche zur "volkswirtschaftlichen Verantwortung" geführt. Beim Fachverband hofft man nun auf eine Entscheidung im Herbst. (APA, 20.6.2012)

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21 Postings
Lobbyismus

Wenn dieser Herr Vergünstigungen für die Klientel die er vertritt haben will, ist das für ihn nur legitim.

Nicht legitim ist für mich die Bahn für die Subventionierung bestimmter Branchen heranzuziehen. So werden auf beiden Seiten, sowohl bei der Holzindustrie (oder einer beliebigen anderen Branche) und der ÖBB nur unwirtschaftliche Strukturen gestützt.

Als Steuerzahler kann ich das nicht gut finden. Ich würde es vielmehr begrüßen wenn für Kostenwahrheit bei Schiene und Strasse gesorgt würde - dann würde sich das Problem ohnehin von alleine lösen.

bisserl unehrlich

wer hat denn unter blauschwarz durchgesetzt, dass holztransport auf der straße durch gesetzliche ausnahmen zb vom tonnagelimit bevorzugt wird? "für die kleinregionale wirtschaft", deshalb sehr logisch "bis 100 kilometer fahrstrecke"? ah, das war die holz- und papierlobby, die billigere einkaufspreise wollte. lkw-maut hamma auch keine auf den normalen straßen, die bahn zahlt schienenmaut bis ins hinterste winkerl. und für den rest vom holz und papier, der trotzdem noch bahn fährt, haben die schwarzen nicht kostendeckende öbb-tarife erzwungen. aber dann werden krokodilstränen zerdrückt, weil die bahn irgendwann sagt, jetzt ist schluss? verkehrspolitik mit rückgrat für kostenwahrheit wär gefragt, nicht bei den steuerzahlern die hand aufhalten!

Die Bahn steckt beim Güterverkehr in einem Dilemma:

- Nach der derzeitigen Philosophie (möglichst wenig Personalaufwand, möglichst lange Strecken) zahlen sich nur Ganzzug-Transporte aus. Dafür fehlen aber einfach bis auf ganz wenige Ausnahmen die Großbetriebe.
- Die größten Tonnagen macht die Bahn mit Schüttgut und einfachen Massengütern (Getreide, Holz, Stroh (!), Kohle, Schotter,... Dafür sind aber die Tarife nicht kostendeckend, und deshalb wird das eher (mit Tarifsteigerungen, Schließung von Verladestellen, etc..) zurückgefahren.
- Wirkliche Nachfrage bestünde nach einem Einzelwagen- und Stückgutverkehr, der wird aber aus den oben genannten "Sachzwängen" noch mehr zurückgefahren bzw. ganz aufgegeben.

Ohne die Politik wird die Bahn dieses Dilemma nicht lösen können!

Kostendeckend

wird der neue Preis auch nach lächerlicher 10 - 15% Erhöhung nicht sein. Der Wettbewerbsvorteil des LKW-Transportes - einmalige Ersparnis der Umladung - ist auf kurzer Entfernung nicht so leicht wettzumachen.
Interessant wäre nur, die Industrie zum Bahntransport zu zwingen, was im Zuge von UVPs bei Neuerrichtung von Industrieanlagen auch passiert.

Die Thayatalbahn

die eigentlich in Zlabings an das tschechische Bahnnetz angeschlossen werden sollte, wurde von der NÖ Landesregierung endgültig eingestellt. Holz wird nur mehr mit LKW transportiert. Auf der ehemaligen Bahnstrecke wird für viel Geld ein Radweg eingerichtet.

Der Einzelwagenverkehr ist deswegen so teuer,

weil das Abholen, Rangieren und Zugbilden viel zu personalintensiv, langsam und umständlich ist.
Aber es gäbe eine wirksame Abhilfe: die automatische Mittelpufferkupplung mit automatischer Luft- und Elektroleitungsverbindung (schon seit ca. 2006). Damit könnte alles viel schneller und mit wesentlich geringeren Arbeitskosten ablaufen. Die Kupplung ermöglicht automatische Bremsprobe, ep-Bremsen und daher zügigeres und flexibleres Fahren, wesentlich größere Zugmasse, schneller Lokwechsel an Grenzen, automatische Überwachung des Zuges (Sicherheit), stärkere Nutzung der Bremsenergie, usw.. Es ist schlichtweg absurd, wie die Politik der Bevölkerung aufschwätzt, die Megatunnels seien nötig, anstatt endlich zeitgemäße Fahrzeugtechnik einzusetzen!

das passiert wenn Ahnungslose (=Politiker)

Entscheidungen treffen, von denen sie keinen Ahnung haben, bzw. die ihnen von leuten eingeflüstert werden, die ganz andere Absichten damit bezwecken...

Was die UdSSR und die USA vor Jahrzehnten eingeführt haben,

ist im Europa der Einzelinteressen sehr schwer durchzusetzen.
Und außerdem ist der Druck der Bauindustrie viel mächtiger, in gewaltige Neubaustrecken und Tunnels zu investieren, als der Druck der Bahnverantwortlichen, endlich in die seit 40 Jahren fällige Modernisierung der Güterwaggons.
Was u.a. auch eine Lärmreduzierung brächte, die viele Lärmschutzmaßnahmen völlig unnötig machen würde.
Es ist aber nach bisheriger Erfahrung auch anzunehmen, dass die Interessen der Bahnverantwortlichen durch gezieltes "Lobbying" der Bauindustrie in die gewünschte Richtung "gelenkt" werden.

die öbb

wäre hochprofitabel, wären da nicht diese "kunden"

Dürfte vermutlich wirklich nicht

Profitabel sein. Andernfalls würden schon private EVUs die Holzindustrie bedienen.

Unsre Bauern können ohne Subventionen nicht leben.

dein nick passt zumindestens

Da hat man eine einigermaßen klimaneutrale Industrie und dann sorgt ein subventionierter Staatsbetrieb dafür, dass wir noch mehr Treibgase in die Luft blasen. Auf der anderen Seite kauft der Staat Klimazertifikate um den Treibhausverbrauch zu kompensieren. Wenn das nicht krank ist....

jetzt würd mich allerdings interessieren, wieso die öbb daran schuld sind? weil das herauskarren von ein paar baumstämmen aus jedem kleinen wald zu teuer für die bahn ist? na da bin ich aber überrascht..

die herren fordern diese verkehre ähnlich dem personenverkehr zu subventionieren. das geht in richtung politik, nicht öbb.

Wieder mal Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren. Genau das will der Herr Kulterer mit der Aussage

<<den Einzelgüterverkehr als "gemeinwirtschaftliche Leistung" zu bewerten>>

uns mitteilen. Also billigere Transporte für Holzfirmen.

Das war der einzige der vielen Holzwege der ÖBB, der wirtschaftlich sinnvoll wäre !

privates unternehmen für transport auf den schienen machen

Die privaten Unternehmen machen das alles per LKW, da dies billiger ist.

jo träumens weiter...

Holz oder andere Rohstoffe, Treibstoffe zu den Umschlaglagern oder Fahrzeuge werden in erster Linie mit Ganzzügen transportiert. oder auch mit Schiffen..

dafür sind LKW Ladekapazitäten viel zu klein...

Wäre das nicht ein Thema für ÖBB-Chef Kern....

... anstatt sich mit Frauenquoten herumzuschlagen.

Kern ist daran Schuld!

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