"Wir sind Alpha-Jäger"

21. Juni 2012, 11:44
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Eckhard Sauren hält die Auswahl von guten Fondsmanagern für einen wichtigen Beitrag zum Investmenterfolg

Während der Trend zu passiven Index-Investments anhält, setzt Eckhard Sauren auf aktives Fondsmanagement - auf Portfoliomanager, die sich vom Index absetzen und "Alpha", also einen Mehrwert gegenüber dem passiven Index, erwirtschaften. Sauren ist der Gründer und Vorstand von Sauren Fonds-Service und vertritt wie kein Zweiter die Sparte der Dachfonds in Deutschland, also Fonds, die ihr Vermögen in anderen Fonds veranlagen. Seine Gesellschaft verwaltet aktuell knapp über zwei Milliarden Euro an Kundenvermögen und bietet eine Reihe von Dachfonds an.

Bei Sauren steht die Managerauswahl im Vordergrund. Das Unternehmen hat sich auf die qualitative Selektion spezialisiert. Die Fonds werden nicht durch ein mathematisches Modell gejagt, hingegen führen die 28 Mitarbeiter von Sauren laut eigener Darstellung im Jahr mehrere hundert Gespräche mit Fondsmanagern, um neue Investments zu finden. "Wir sind im Grunde genommen Alpha-Jäger, und wenn wir einen High-Alpha-Manager finden, ist das auch relativ unabhängig davon, in welcher Assetklasse dieser tätig ist." Man müsse aber die Investmentphilosophie und den Prozess nachvollziehen können.

Die "Königsdisziplin"

Ein wichtiges Kriterium für die Fondsauswahl ist und bleibt die Größe. Klein ist in der Welt des Geldes nämlich oft fein. "Leider werden gute Fondsmanager bei großen Gesellschaften mit viel Volumen bestückt. Dabei können sie bei steigendem Volumen immer weniger Alpha generieren", beklagt Sauren. Daher sei der Fokus seines Unternehmens klar auf Boutiquen und kleinere Fondsgesellschaften gelegt. Hingegen seien Fondsmanager von großen Fonds oft gezwungen, deutlich stärker am passiven Index zu kleben, und können so eben keinen Mehrwert liefern, wie Studien immer wieder gezeigt haben.

Chancen ortet Eckhard Sauren im Gespräch mit dem Standard bei Absolute-Return-Fonds - Produkten, die anstreben, unabhängig von der Marktlage einen positiven Ertrag zu bringen. "Absolute Return bleibt ein spannender Bereich. Doch hier muss die Selektion des Managers stimmen." Bei dieser "Königsdisziplin" der Fondsauswahl gehe es um Verlust oder Gewinn, während Manager ohne Absolute-Return-Auftrag lediglich ihrem Index ein paar Prozent hinterherlaufen.

Im Absolute-Return-Bereich könnten Fondsmanager immer wieder zeigen, was sie können. Für Sauren ist dies unabhängig davon, ob der jeweilige Manager aus dem Bereich der Hedgefonds kommt oder klassische Investmentfonds mit ihren deutlich strengeren Investmentrichtlinien verwaltet hat. "Wir finden in beiden Welten gute Manager." Allerdings sollten Anleger wissen, dass verschiedene Strategien sehr unterschiedlich aufgestellt sein können: "Man kann in diesen Bereichen nur schwer von einer Assetklasse sprechen, weil sich einzelne Manager doch gravierend von anderen abheben können."

Doch auch gute Manager haben in turbulenten Zeiten oft das Nachsehen. " In Marktphasen, in denen ohne Blick auf die Fundamentaldaten alles verkauft wird, tun sich die guten, fundamentalen Manager auch schwer." Auf Sicht mehrerer Jahre "setzt sich das Alpha durch", ist Sauren überzeugt.

Europäische Aktien günstig

Gleichzeitig ortet er aber durchaus Opportunitäten angesichts der jüngsten Marktverwerfungen: "Unsere Fondsmanager sagen vermehrt, dass europäische Aktien relativ günstig bewertet sind. Vor allem, wenn man sie mit den USA vergleicht."

Die oberste Prämisse bleibe aber - auch im Bereich des Dachfonds - die Diversifikation. Sauren sieht bei vielen Anlegern eine "große Gefahr: Sie setzen große Teile ihres Vermögens in einzelne Strategien, die gerade in der jüngsten Vergangenheit gut funktioniert haben." Doch diese Trends kehren sich regelmäßig um.

Sauren mahnt hingegen eine breite Streuung ein. "Wir wollen die Managerrisiken in Schach halten. Daher suchen wir Manager, die Generalisten sind und das große, makroökonomische Bild im Blick haben, ebenso wie jene, die Spezialisten sind und die bei der Aktienselektion einen Mehrwert schaffen." (Lukas Sustala, DER STANDARD, 21.6.2012)

  • Eckard Sauren: "Wir wollen die 
Managerrisiken in Schach halten."
    foto: privat

    Eckard Sauren: "Wir wollen die Managerrisiken in Schach halten."

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