Vom städtischen Raum in ferne Galaxien

20. Juni 2012, 17:29
posten

"Space Holder": In ihrer Einzelausstellung verbindet Sonia Leimer kleinliche und imaginäre mit den ganz großen Vorstellungen von Raum

Wien - Sonia Leimer hat sich immer wieder als gute Beobachterin des städtischen Raumes erwiesen. 2008 realisierte die Künstlerin am Praterstern im Rahmen eines Kunstprojektes rund um das Fluc etwa die Installation "Beton, Stahl, Glas 2008". Diese in riesigen Lettern geschriebenen Worte legten sich über den Blick auf den neuen Bahnhof, den sie so noch einmal in seine Hauptbestandteile - Beton, Stahl und Glas - zerlegte.

In ihrer Ausstellung "Space Holder" gibt es diesen Verdoppelungseffekt ebenfalls: Betritt man die Räume der Galerie nächst St. Stephan, trifft man auf Skulpturen, die man schon einmal woanders gesehen hat: Betonteile, die sich aufgrund von Spuren von Straßenmarkierungen als Objets trouvés erweisen, dienen etwa als Sockel für unterschiedlich geformte Stahlrohre.

Werden diese Objekte im urbanen Umfeld schnell als Instrumente von Ordnung, Hermetik und Unzugänglichkeit erkannt, sind sie im White Cube jedoch von diesen reglementierenden Funktionen befreit. Sie stehen dort ganz allein für sich, auch wenn sie ihr Titel als Platzhalter ausweist. Und Platz halten Leimers Skulpturen wirklich viel frei: Anstatt die Beengtheit des Stadtraums zu symbolisieren, sind die mächtigen Skulpturen hier großzügig auf die Ausstellungsräume verteilt.

Auch das Video "Western", das auf eine Betonplatte als Leinwandersatz projiziert ist, bringt jenseits der kleinlich bemessenen territorialen Aufteilungen ganz andere Raumfragen ins Spiel. Zu sehen ist eine für das Westerngenre übliche Landschaft, die auf die imaginären Räume des Kinos verweist.

Im Video selbst geht es der Künstlerin aber nicht nur um das Aufzeigen anderer Räume, vielmehr wird die konventionelle Besetzung dieser Landschaftsbilder gekonnt konterkariert: Nach langsamen Schwenks über die "Prärie" und dem Einsetzen eines an "Bonanza" erinnernden Soundtracks kommen anstelle von Cowboys die für den Sound verantwortlichen Musikerinnen ins Bild.

Gleichermaßen am Auseinandernehmen, Transformieren und neuen Zusammensetzen von urbanen Räumen, Kinolandschaften, aber auch hypothetischen Territorien interessiert, hat die Künstlerin für die Installation "Not yet there, already gone" selbst eine Raum-Illusionsmaschine gebaut: Sie produziert eine flirrende galaktische Formation, für die die Künstlerin kein Teleskop, sondern nur Spiegel, Projektor und eine Rückprojektion benötigt.   (Christa Benzer, DER STANDARD, 21.6.2012)

Bis 14. 7., Galerie nächst St. Stephan, Grünangergasse 1, 1010 Wien

  • Ein Platzhalter, der sich eher zusammengerollt zeigt: Sonia Leimers 
"Right Time Right Place" (2012) in ihrer Ausstellung in der Galerie 
nächst St. Stephan.
    foto: galerie nächst st. stephan

    Ein Platzhalter, der sich eher zusammengerollt zeigt: Sonia Leimers "Right Time Right Place" (2012) in ihrer Ausstellung in der Galerie nächst St. Stephan.

Share if you care.