Torkosaken

Blog20. Juni 2012, 12:57
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Die Ukraine bei der EM: Ein Zeichentrickfilm

Das Ausscheiden der Ukraine nach dem Spiel gegen England kann man von zwei Seiten sehen: Man kann sich über das nicht gegebene Tor ärgern, oder aber auf die Abseitsstellung verweisen, die der Spielzug davor schon enthielt. In jedem Fall bleibt ein leicht unangenehmer Nachgeschmack darüber, dass gleich zwei Fehlentscheidungen der Offiziellen diese wichtige Szene mitbestimmt haben.

Zu Verschwörungstheorien besteht gleichwohl bei dieser EM wenig Anlass, auch wenn neben den beiden osteuropäischen Gastgebernationen auch die russische Sbornaja bereits ausgeschieden ist, während die westlichen Großmächte trotz teils wenig überzeugender Leistungen im Viertelfinale vertreten sind.

Als kleine Hommage an die tapfere Ukraine (und in jener Absehung von den politischen Konflikten des Landes, mit der sich auch die meisten Bürger im Moment auf das Turnier konzentrieren und sich tatsächlich daran erfreuen – in Form einer Auszeit) könnte man sich diesen sehr lustigen Zeichentrickfilm ansehen, den jemand auf YouTube gestellt hat, und den ich gefunden habe, als ich nach Reaktionen auf "Ukrainian defeat" gesucht habe:

Er zeigt, wie ukrainische Kosaken Fußball spielen und dabei Schweden, Frankreich und England besiegen. Das Ursprungsmaterial ist 42 Jahre alt, mehr ist dazu nicht zu erfahren, es sei denn, jemand liest Kyrillisch. So wird man dieses Dokument als das nehmen müssen, als was es wohl ursprünglich gedacht war: ein Mutmacher, bei dem die Widerlegung durch die Wirklichkeit schon mitbedacht ist.

Mich erinnert dieser Film auch daran, dass im österreichischen Fernsehen in den 70er und 80er Jahren viele Zeichentrickfilme aus dem ehemaligen Ostblock liefen, die eine Art Entspannungspolitik der anderen Art vertraten – auf der Ebene der komischen Debakel und schrulligen Figuren gab es keine Systemgrenze, oder wenn, dann konnte ich sie als Kind nicht entziffern.

Jetzt würde mich sehr interessieren, in welchem Kontext diese Kosakenheldentaten entstanden; gerade auch angesichts der Tatsache, dass die Ukraine geschichtspolitisch zwischen alle Stühle geraten ist, eingezwängt zwischen dem russischen Großmachtnationalismus und westlicher Rohstoffpragmatik. Und dass die Kosaken in der sowjetischen Geschichte nicht gerade auf Heldenrollen festgelegt waren. Hier zeigen sie immerhin etwas Ähnliches wie das, was Mehmet Scholl als ARD-Experte über die Taktik der Ukraine gegen England befand: absichtsvolle Verwirrung.

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    screenshot: cargo

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