VÖZ-Präsident warnt vor griechischen Verhältnissen in der Printbranche

20. Juni 2012, 11:42

Finanzlage der Verlage "nach wie vor relativ gut" - Gasser bekräftigt Forderung nach Online-Werbeabgabe - Zeichen der Zeit "insgesamt nicht auf Wachstum ausgerichtet"

Wien - Der Journalistenzunft könnte ein Griechenland-Schicksal drohen: "Wohin überzogene Löhne und Forderungen der Gewerkschaft führen können, kann man aktuell am Beispiel Griechenlands studieren", warnte Hans Gasser, Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ), mit Blick auf die gescheiterten Kollektivvertragsverhandlungen. Man müsse die Zeichen der Zeit erkennen, "und die sind insgesamt nicht auf Wachstum ausgerichtet. Diesem Umstand muss natürlich auch ein neuer Kollektivvertrag Rechnung tragen."

Die Verleger werden jedenfalls gegensteuern, "denn griechische Verhältnisse möchte in der österreichischen Printbranche niemand haben", so Gasser. Grundsätzlich sei die finanzielle Lage der Zeitungen derzeit aber "nach wie vor relativ gut, obwohl sich die wirtschaftliche Situation allgemein eintrübt", sagte Gasser im Vorfeld der VÖZ-Generalversammlung am Donnerstag. Die stabile Situation der Medien sei "in erster Linie auf die Anstrengungen der Verleger und Zeitungsmanager zurückzuführen, Synergien zu suchen und Kosten zu optimieren".

Online am Vormarsch

Mit knapp 60 Prozent Erlösanteil am österreichischen Werbekuchen habe die Gattung Print einen internationalen Spitzenwert, was der hohen Gesamtreichweite der Printtitel von 72 Prozent zu verdanken sei. Zweifelsohne werde künftig auch Online seinen Anteil am Kuchen weiter ausbauen, "weil in diesem Bereich immer neue Werbeformen und Modelle entwickelt werden". Pessimistischer ist Gasser für den Fernseh-Bereich, wo mit dem Aufkommen von Smart TV "einiges in Bewegung geraten" werde.

In dem Zusammenhang bekräftigte der Verlegerpräsident auch die Forderung der Zeitungshäuser nach einer Werbeabgabe für den Onlinesektor. Die Kritik mancher Onliner an dieser Forderung sei für ihn zwar verständlich, aber wenig berechtigt - schließlich gehe es um Wettbewerbsgleichheit. "Es ist nicht einzusehen, dass große Onlineplattformen Millionen scheffeln und nicht mal die fünf Prozent Werbeabgabe zahlen, alle anderen Mediengattungen das aber tun müssen." Dass auch die Verleger selbst und deren Onlineaktivitäten von der Abgabe betroffen wären, "dokumentiert vor allem eines: die Ernsthaftigkeit und das Bemühen um fairen Wettbewerb am heimischen Medienmarkt".

Spielregeln bei Social Media gefordert

Die diesjährige VÖZ-Generalversammlung geht der Frage nach, was Social Media Plattformen für die Zukunft klassischer Medien bedeuten. Für Gasser ist hier der problematischste Punkt "die Verwendung und Monetarisierung von Inhalten, die vor allem von klassischen Medien unter erheblichen Kosten produziert worden sind. Hier brauchen wir klare Spielregeln, an die sich auch freiheitsliebende Start-ups halten müssen."

Von der Politik erwartet sich Gasser daher die Einführung eines Leistungsschutzrechts für Verlage, um einen fairen Anteil für die Inhalte im Netz zu erlösen, sowie faire Rahmenbedingungen im Wettbewerb zwischen öffentlichen und privaten Medienunternehmen. Weiters erneuert er die Forderung nach einem "spürbaren Ausbau der Presseförderung zur Stärkung der heimischen Titelvielfalt und Medienqualität".

Zum aktuellen Dauerbrenner der Medienberichterstattung, der ORF-Standortfrage, äußerte sich Gasser indes nur zurückhaltend. "Der Standort eines Unternehmens hat ohne Zweifel Auswirkung auf Unternehmensstrategie, - entwicklung und -kultur." Im Falle des ORF, einem für österreichische Verhältnisse relativ großen Unternehmen, stelle neben den Kosten sicher auch die Akzeptanz der Mitarbeiter einen Faktor da. Die Performance von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz in dieser Angelegenheit wollte er nicht beurteilen. Aus Sicht der Privatwirtschaft könne er lediglich festhalten, "dass in ähnlichen Fällen der Aufsichtsrat gegenüber CEO oder Geschäftsführung schon deutlichere Akzente gesetzt hat". (APA, 20.6.2012)

Werbeabgabe für Online?

Der Oberindianer sollte lieber den eigenen Stall in Ordnung bringen als neue Abgaben für Online zu fordern. Ein Blick ins Firmenbuch seines Verlags verrät da nichts Gutes. Das ist ein Sanierungsfall seit vielen Jahren. Jetzt Verhinderungspolitik zu betreiben in der Hoffnung selbst bessere Umsätze zu generieren, ist naiv. Sein Kolege Grünberger vom VÖZ ist da ganz auf seiner Linie und zählt seit vielen Jahren die Werbeminuten des ORF in der Hoffnung was er dort an Umsätzen verhindert käme wohl den Verlagen zugute. Er sollte lieber täglich gegen die Werbesteuer vorgehen und zugleich die Vorzüge von Print herauskehren. Da gäbe es viel zu tun!

Glaubwürdigkeit

Hr. Gasser -folgende Fragen:

Warum binden Sie Social Media Funktionalitäten auf ihrer Webseite ein, wenn sie die Verbreitung ihrer Inhalte dort nicht wünschen.

Warum optimieren Sie Ihre Inhalte für google, wenn sie die Verbreitung ihrer Inhalte dort nicht wünschen?

Warum fordern sie eine Werbeabgabe die das neue Onlinebusiness trifft, um damit das aussterbende Holzbusiness via Presseförderung zu refinanzieren, und beklagen sich gleichzeitig über die Schwierigkeit online Geld zu verdienen?

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