"Hin- und Rückflugklausel" gesetzwidrig

  • "Diese Regelung wäre etwa so, wie wenn man bei der Bestellung eines Menüs ohne Suppe plötzlich einen Aufpreis zahlen müsste".
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    foto: apa/herbert neubauer

    "Diese Regelung wäre etwa so, wie wenn man bei der Bestellung eines Menüs ohne Suppe plötzlich einen Aufpreis zahlen müsste".

Sieg für die Konsumentenschützer in zweiter Instanz - VKI: "Gröblich benachteiligend" - AUA: "Ist Industriestandard" - AUA geht nun in Revision zum OGH

Wien - Die "Hin- und Rückflugklausel" in den Geschäftsbedingungen der Lufthansa ist ebenso unzulässig wie bei der AUA, teilte der VKI am Mittwoch in einer Aussendung mit. Das habe das OLG Wien in zweiter Instanz entschieden. Diese Klausel besagt, dass der Passagier, lässt er einen Flug verfallen, nachträglich den oft höheren Preis für ein One-Way-Ticket zahlen muss. Das OLG Wien habe damit ein Urteil des Handelsgerichts Wien bestätigt und die Klausel als überraschend und nachteilig angesehen. Sie könne damit nicht Vertragsbestandteil sein, schreibt der VKI, der gegen die Klausel geklagt hat. Die AUA erklärte gegenüber der APA, den Obersten Gerichtshof (OGH) mit der Causa zu befassen.

"Diese Regelung wäre etwa so, wie wenn man bei der Bestellung eines Menüs ohne Suppe plötzlich einen Aufpreis zahlen müsste", kommentierte Juristin Maria Ecker vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) am Mittwoch in einer Aussendung.

Erst vor wenigen Tagen hat das OLG Wien gegen die Lufthansa-Tochter AUA (der VKI hatte im Auftrag der Arbeiterkammer Tirol geklagt) bereits ähnlich entschieden und die "Hin- und Rückflugklausel" ebenfalls als überraschend und nachteilig beurteilt. AUA-Pressesprecher Michael Braun erklärte in einer schriftlichen Stellungnahme: "Was wir hier machen, ist Industriestandard in der Airlinebranche, also völlig üblich bei den Netzwerkairlines." Die Regel sei fair für alle Kunden, die sich legal verhalten. "Denn: Ist ein Passagier ohne sein Verschulden für den Hinflug durch höhere Gewalt verhindert (wegen Unwetter oder eingeschneit wegen Schneechaos), muss er auch derzeit nicht aufzahlen. Nur bei jenen Kunden, die unsere Beförderungsbedingungen bewusst umgehen und unterwandern, wenden wir die Regelung an."

Der Ball liegt also nun bei den Höchstrichtern. Dazu der VKI: "Wir hoffen, dass der OGH das Problem umfassend prüfen wird und auch zur Frage der inhaltlichen Kritik an der Klausel Stellung nehmen wird. Denn diese Klauseln sind nicht nur überraschend, sondern sie sind - auch wenn man sie ausdrücklich vereinbaren würde - durch nichts gerechtfertigt und daher gröblich benachteiligend."

Die umstrittene Klausel im Wortlaut: "Wird die Beförderung auf einer vorangehenden Teilstrecke nicht oder nicht in der im Flugschein vorhergesehenen Reihenfolge angetreten, so wird derjenige Flugpreis berechnet, der zum Zeitpunkt der Buchung für ihre abweichende, tatsächliche Streckenführung maßgeblich gewesen wäre. Sofern dieser Flugpreis höher ist, als für die im Flugschein angegebene Strecke, können wir die weitere Beförderung davon abhängig machen, dass Sie den anfallenden Aufpreis nachentrichten." (APA)

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völlig falsch. bei buchung eines aua return tickets wird der preis nicht neu berechnet, wenn man den rückflug nicht antritt. hatte selbst kurzfristig in vie einen aua langstrecken flug gebucht, brauchte nur oneway, die am aua schalter stellte mir einen return aus, da der billiger war.

wenn allerdings ein flugsegment "in der mitte" nicht benutzt wird, dann musst du zahlen, üppig meistens.

kein aufpreis bei verfallenem rückflugticket

das überrascht sie wirklich? wie würden die aua denn an das geld kommen? einklagen? bei welchem gericht der welt würde derartiges durchgehen?

Bestrafung

Zahlen oder an die Heckflosse anbinden. Wer nicht mit uns fliegt - ist gegen uns. Und bisher hat noch immer jemand unser Defizit gezahlt.

Die umstrittene Klausel im Wortlaut: "Wird die Beförderung auf einer vorangehenden Teilstrecke nicht oder nicht in der im Flugschein vorhergesehenen Reihenfolge angetreten, so wird derjenige Flugpreis berechnet...

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Bei aller Berechtigung des Urteils, aber was hier als Anlass angeführt wird, bezieht sich nicht wirklich auf die im Artikel beschriebene Entscheidung.

In dieser geht es um die Verpflichtung, bei einem Rückflugticket auch den Rückflug zu nutzen, oder widrigenfalls mit einer Nachforderung rechnen zu müssen. Diese Klausel wird meines Wissens bisher bei der Lufthansa-Gruppe nicht exekutiert, sehr wohl aber bei diversen US-Linien.

Die beschriebene Klausel bezieht sich dagegen auf die Verpflichtung, vorangehende Teilstrecken (also einen Zubringerflug bei mehreren Teilstrecken oder den Hinflug bei einem Retourticket) zuerst abzufliegen. Wäre schön, wenn auch hier eingeschritten wird, denn diese Klausel wird sehr wohl angewandt.

"Was wir hier machen, ist Industriestandard in der Airlinebranche, also völlig üblich bei den Netzwerkairlines." Die Regel sei fair für alle Kunden, die sich legal verhalten.

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Man kann nur hoffen, dass der OGH

1.) diese Entscheidung bestätigt, und

2.) diese Replik zum Anlass nimmt, auch gleich die generellen Preisgestaltungen der diversen Airlines unter die Lupe zu nehmen und endlich derartig abstrusen Machenschaften wie "One-Way ist teurer als hin und retour" einen legalen Riegel vorschiebt.

"Was wir hier machen, ist Industriestandard in der Airlinebranche, also völlig üblich bei den Netzwerkairlines." Die Regel sei fair für alle Kunden, die sich legal verhalten.

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Man kann nur hoffen, dass der OGH

1.) diese Entscheidung bestätigt, und

2.) diese Replik zum Anlass nimmt, auch gleich die generellen Preisgestaltungen der diversen Airlines unter die Lupe nimmt und endlich derartig abstrusen Machenschaften wie "One-Way ist teurer als hin und retour" einen legalenn Riegel vorschiebt.

tolles argument:

"alle zocken ihre kunden ab. also darf ich auch..."

ich hoffe, unser höchstgericht (und die in anderen ländern) entscheiden gegen derartige praktiken.

Der Hintergrund

Die klassischen Airlines versuchen, von jedem Fahrgast so viel Geld zu bekommen, wie er zu zahlen bereit ist. Deshalb kostet eine Reise Mo-Fr (Geschäftsmann, Firma zahlt) mehr als eine übers Wochenende (Tourist, preissensibel). Einfach kostet deshalb viel mehr als hin/rück zusammen. Auch schon erlebt: Direktflug Lufthansa Frankfurt-Jerusalem kostet dasselbe wie Direktflug Swiss Zürich-Jerusalem. Beide Airlines bieten aber auch die jeweils andere Verbindung mit Umsteigen an. Und zwar um etwa den Preis einer Bahnfahrt Frankfurt-Zürich *billiger*.

Deshalb müssen alle Strecken wie gebucht abgeflogen werden. Tritt man irgendwo nicht an, verfällt der Rest und man muss evt. hohe Strafgebühren zahlen.

Riesensauerei, aber *bisher* legal.

..

legal? würde ich nicht sagen.

wenn der rückflug nicht angetreten wird, hat die lufthansa den vorteil, dass sie kassieren, obwohl sie nichts transportieren müssen. das ist noch zu verstehen.

was aber nicht ok ist, dass sie steuern und abgaben für den rückflug kassieren, die sie nicht abführen.

Die Steuern für einen nichtangetretenen Flug können Sie tatsächlich zurückverlangen -- minus eine Bearbeitungsgebühr von 35 Euro. Auch dazu gibt es bereits ein Urteil: Die Gebühr ist überhöht.

.

verlangen schon, aber die Fluglinien müssen sie trotzdem klagen, da diese vorher nicht einlenken.

Industriestandard in der Airlinebranche

kotzfreche abzocke

durch nichts zu rechtfertigen
ausser durch die tatsache, dass ein one way flug das dreifache eines return tickets kostet was auch schon unverschämt ist, aber irgendwie über 7 ecken begründbar ...

aber eine nicht benutzten, bezahlten platz mit einer völlig überhöhten strafgebühr zu belegen ist (unschuldsvermutet) kriminell

alle hoffnung beim obersten

siehe Wirtschaftsteil

Ich verstehe das Rot nicht. Der identische Artikel wurde tatsächlich zuerst im Wirtschaftsteil veröffentlicht und dort auch schon ausführlich kommentiert.

http://derstandard.at/133963841... setzwidrig

"Beförderungsbedingungen bewusst umgehen".

Verstehe ich nicht. Inwieferne umgehen? Ein Ticket mit Hin- u. Rückflug kann ja nicht billiger sein als ein einzelnes Ticket, oder? Also kann man davon ausgehen, dass der Rückflug nicht absichtlich ausgelassen wird.

Davon abgesehen ist es aus ökologischen Gründen nicht schlecht, die Platzbelegung im Flugzeug so voll als möglich zu halten.

Doch dann kann sein. Ist zwar schon ein paar Jährchen her, war seinerzeit aber üblich. Ich hatte immer 4 Tickets, weil Tickets, bei denen zwischen Hin- und Rückflug eine Wochenende lag, günstiger waren ein Flug in nur eine Richtung. Also wurden 2 Hin- /Rückflüge, die jeweils eine Woche versetzt waren gebucht um Kosten zu sparen. Dabei wurde aus einem "Set" der Hinflug und aus dem anderen "Set" der Rückflug verwendet. Die anderen beiden Flüge verfielen.

komisch, mir wurde vor ca. zwei Jahren mal erklärt, dass mein Rückflug automatisch verfällt, wenn ich den Hinflug nicht antrete. Ist das je nach Fluglinie unterschiedlich geregelt oder wurde das neu eingeführt?

Ja das stimmt. Wenn Sie beim Hinflug nicht erscheinen, sind Sie ein „No-show“, und der Rückflug verfällt automatisch.

ich versteh trotzdem nicht ganz, warum. Kann denen doch wurscht sein, wenn ich den Hinflug gegen ein Zugticket tausche.

Ich schrieb ja "Ist zwar schon ein paar Jährchen her, war seinerzeit...".

Zu den heutigen Gepflogenheiten kann ich mich nicht äussern. Sorry.

Nicht nur die AUA ist in der Kundenorientierung noch nicht ganz munter geworden

bei der Post must Du auch zahlen, damit sie das Paket oder den Brief suchen, den sie selbst zuvor als dein Dienstleister verloren haben.
Oder lesen Sie mal die Beförderungsbedingungen der ÖBB und schauen Sie wie die tw. mit den transportierten Fahrrädern beim Umladen umgehen...
Alle diese noch oder ehemals staatlichen Betriebe (na-so-ein Zufall!) leben bei uns (weiterhin) in Dienstleistungs-Denkwelten und alt hergebrachten Schein-Realitäten, wo Dir als zahlender "Kunde" nur die Luft wegbleibt.
Als Kunde sag ich zum Verhalten der AUA, mit und ohne Gerichtsurteile: mehr Slots in VIE für Airlines wie die Emirates, sie wollen es scheinbar so...

ENDLICH

ist doch ein Witz diese Regelung..

genauso irritierend wie die Tatsache, dass (zumindest bei einer bestimmten Fluglinie) der Rückflug automatisch verfällt, wenn man den Hinflug nicht antritt.

Die Erkenntnis kommt spät. Ich habe vor 12 Jahren für ein Ticket

Tripolis-Frankfurt-Manila-Frankfurt-Wien für meine Frau knapp 50.000 ATS bezahlt :-((((

Das ist sehr viel.

Aber rechnen sies in Euro, dann schauts viel weniger aus.

ich hab vor 30 Jahren für einen Flug Paris und retour 1000 Schilling bezahlt, wenn ich mich nicht irre :-)

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