Schlecker Österreich hat allein keine Chance

20. Juni 2012, 10:47

Laut Insolvenz­verwalter Geiwitz kommt eine Stand-alone-Lösung nicht in Frage, Gespräche mit Interessenten sollen noch laufen

Wien - Nach der Hiobsbotschaft am Vortag, dass für Schlecker Österreich kein Investor gefunden wurde und das Unternehmen deshalb vor der Pleite steht, versucht der deutsche Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, etwas zu beruhigen. "Ich habe persönlich kein Interesse, dass Schlecker Österreich in die Insolvenz gerät, und ich habe Schlecker Österreich ab Insolvenzeröffnung mit Liquidität unterstützt, weil die Kreditversicherung in Österreich aufgekündigt wurde", wurde Geiwitz in der Mittwochausgabe der "Wiener Zeitung" zitiert. Es liefen noch Gespräche mit potenziellen Käufern, aber "ich werde sicher nicht bis im August warten", kündigte der Insolvenzverwalter an. "Die Situation ist bedrohlich, man muss ja nur in die Läden gucken."

Große Abhängigkeit von Deutschland

Auch wenn in Österreich stets betont wird, dass man allein überlebensfähig sei und nicht mehr von Deutschland abhängig sei, zeichnet Geiwitz ein ganz anderes Bild: "Wir haben eine große Abhängigkeit von Schlecker Deutschland und eine Ergebnisverschlechterung von Schlecker Österreich, und uns war relativ schnell klar, dass eine Stand-alone-Lösung von Schlecker Österreich keine Chance hat." Geiwitz habe Schlecker Österreich bisher rund 27 Mio. Euro in Form von Waren und Bargeld geborgt - eine Summe, die er wieder haben möchte, anscheinend auch von potenziellen Käufern.

Zu schaffen machen Österreich auch Forderungen an die insolvente Mutter in Höhe von rund 170 Mio. Euro. In etwa so hoch ist auch das Eigenkapital in Österreich, das durch die Insolvenzforderung Richtung null berichtigt werden muss.

Unterlagen fehlen

Nach Angaben des österreichischen Firmenanwalters gibt es mehrere Interessenten. Öffentlich Interesse bekundet haben bisher die MTH-Gruppe des Industriellen Josef Taus und der Linzer Finanzinvestor Recap von Anton Stumpf. Beide sind nach wie vor im Rennen, bemängeln aber die fehlenden Unterlagen zu Österreich. Er habe nur die Bilanz 2011 und lediglich 17 Seiten eines Investor-Memorandums. "So lässt sich kein Unternehmen übernehmen", wird Stumpf im "Standard" zitiert. Für Geiwitz kommt eine Lösung mit einem Finanzinvestor "eher nicht infrage". Er rede im Moment aber mit fast jedem in Österreich, der vom Handelsgeschäft etwas versteht. "Es ist nicht so, dass das alles frustrierende Gespräche sind, sonst würde ich nicht zuwarten."

Auf jeden Fall läuft der Österreich-Tochter die Zeit davon. Bereits im August bzw. September könnte das Geld endgültig ausgehen. "Entweder es gibt einen Systempartner, der die Läden sinnvoll relativ schnell bestücken kann oder wenn wir keinen finden, dann droht im schlimmsten Fall auch die Insolvenz in Österreich", sagte Geiwitz laut "Wiener Zeitung". Derzeit kann Schlecker Österreich selbst keinen Insolvenzantrag beim Gericht in Linz einbringen, weil Anton Schlecker sein Amt als Geschäftsführer niedergelegt hat. Noch ist Schlecker Österreich aber nicht zahlungsunfähig. (APA, 20.6.2012)

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12 Postings
Es geht schließlich ja um Arbeitsplätze,

deshalb sollte man jede Option prüfen!

Es geht um den Gewinn der Eigentümer.

Bitte vergessen Sie diese rosarote Sozialromantik wo es um den Erhalt von Arbeitsplätzen geht. Die Arbeitslätze interessieren nicht auf Unternehmerseite und schon gar nicht auf Eigentümerseite.

Im Gegenteil: jeder Angestellte ist ein lästiger Lohnempfänger mehr der den Gewinn des Unternehmen (des Eigentümers) schmälert. Und jeder Arbeitsplatz der abgebaut und durch Rationalisierung ersetzt werden kann, ist den Unternehmern willkommen: Weil damit störende Lohnkosten wegfallen.

Die Arbeitsplätze bei Schlecker waren so mies, so einen Arbeitsplatz wünscht man nichtmal seinen Feinden. Da kann man eher froh sein, dass es ein Ende hat.

Man kann eigentlich nur hoffen,.....

......dass das Taus-Konsortium beziehungsweise die Stumpf-Gruppe die Finger von Schlecker-Österreich lässt. Die Erfahrungen der Vergangenheit um die beiden Gruppen haben bedauerlicherweise gezeigt, wo die wahren Motive der letzten Übernahmen steckten. Ein im Sterben liegendes Unternehmen, im letzten Moment, aus reinem Kalkül aufzufangen hat sich in den wenigsten Fällen als lukrativ erwiesen.
Taus Pagro und Libro, wie auch Hollandblumen von Stumpf krankt am qualifizierten Personal. Aus Kostengründen köcheln die beiden Herrn ihre Neuerwerbungen auf Sparflamme und wundern sich, wenn sie mit ihrer Taktik keinen Erfolg einfahren.

.. jetzt bin ich kein Kener der Lage. Allerdings stand Libro vor dem Untergang & Pagro gings auch nicht gut. Beide Unternehmen sind nachwievor am Markt und eröffnen auch Filialen. Im Gegensatzu zur Quelle. Damit denk ich mir, besser dieses Konsortium als der Konkurs und der Verlust aller Arbeitsplätze.

Der Herr Stumpf ist ja kein Unbekannter.

Der hat bei diesem tollen Tower auch die Lieferanten mit geschickten Konkursen gewaltig abgezockt. Ist er dafür eigentlich verurteilt worden?

sie meinen glaube ich einen anderen Stumpf.... der hier baut keine gebaeude.
anton stumpf ist ein "sanierer", zumindest glaubt er, dass er einer ist (elias + recap).

Ein Wunder,....

...dass der mit seinen Ostblock-Läden überhaupt so lange überlebt hat.

MOMENT!

1. Die Forderung muss auf 0 berichtigt werden und das "geborgte" Geld muss zu 100 % retour bezahlt werden. Das kann nicht die ideale Lösung sein!

2. Seit wann hat Anton Schlecker bei der GmbH in Österreich sein Amt niedergelegt? Das wäre völlig neu! Zudem gibt es einen Notgeschäftsführer: "Mangelt es an Geschäftsführern, so sieht das Gesetz in dringenden Fällen vor, dass dieser auf Antrag durch das Gericht bestellt wird." Quelle: http://www.wirtschaftsblatt.at/archiv/un... 5/index.do

Zudem sollte die Übschrift von

"Schlecker Österreich hat allein keine Chance"

auf

Schlecker Österreich bekommt allein keine Chance

korrigiert werden. Es macht den Anschein, als dass das Interesse vom deutschen Insolvenzverwalter eher gering ist. Zudem ist die Aussage "Die Situation ist bedrohlich, man muss ja nur in die Läden gucken." mehr als entbehrlich! Die Situation wurde künstlich herbei geführt, da die Geschäfte nicht mit Ware versorgt werden!!!

Also es wird nichts passieren.

Der deutsche Masseanwalt hatte und hat gar kein Interesse etwas zu verkaufen, wie man in Dt. gesehen hat.
Wozu auch? Er bekommt immer sein Geld - und nicht wenig - egal ob er 200 mio. erzielt oder 0. Die Firma und die Mitarbeiter/innen sind ihm sowas von egal.

ich hatte schon bei Quelle das starke gefühl, dass die Konkurrenz einen lästigen Mitbewerber weghaben wollte. Leider haben diese "Konkursverwalter" keine Ahnung von einer Unternehmensführung - und zwischen der Bestellung und der Abwicklung/Verkauf liegt nunmehr eine Zeit des "Unternehmer seins". Es ehrt den lieben Herrn wenn er keinen Investor möchte. Die Frage ist allerdings, ob das nicht zumindest eine Chance wäre, wenn sonst keien Lösung gefunden werden kann. Lieber eine schlechte Chance als gar keine - in Konkurs kann man in einem halben Jahr noch immer gehen.

ein Herr Stumpf hat vor einigen jahren holland blumen mark uebernommen und dort exakt wenig im griff, was ich von einem partner von ihm weiss, obwohl er (logischerweise) den medien immer etwas anderes erzaehlt....wenn der jetzt den schlecker auch noch uebernimmt, sehe ich fuer beide firmen schwarz, da er mit HBM alleine schon ueberfordert ist....:-(

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