Schlecker Österreich hat allein keine Chance

Laut Insolvenz­verwalter Geiwitz kommt eine Stand-alone-Lösung nicht in Frage, Gespräche mit Interessenten sollen noch laufen

Wien - Nach der Hiobsbotschaft am Vortag, dass für Schlecker Österreich kein Investor gefunden wurde und das Unternehmen deshalb vor der Pleite steht, versucht der deutsche Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, etwas zu beruhigen. "Ich habe persönlich kein Interesse, dass Schlecker Österreich in die Insolvenz gerät, und ich habe Schlecker Österreich ab Insolvenzeröffnung mit Liquidität unterstützt, weil die Kreditversicherung in Österreich aufgekündigt wurde", wurde Geiwitz in der Mittwochausgabe der "Wiener Zeitung" zitiert. Es liefen noch Gespräche mit potenziellen Käufern, aber "ich werde sicher nicht bis im August warten", kündigte der Insolvenzverwalter an. "Die Situation ist bedrohlich, man muss ja nur in die Läden gucken."

Große Abhängigkeit von Deutschland

Auch wenn in Österreich stets betont wird, dass man allein überlebensfähig sei und nicht mehr von Deutschland abhängig sei, zeichnet Geiwitz ein ganz anderes Bild: "Wir haben eine große Abhängigkeit von Schlecker Deutschland und eine Ergebnisverschlechterung von Schlecker Österreich, und uns war relativ schnell klar, dass eine Stand-alone-Lösung von Schlecker Österreich keine Chance hat." Geiwitz habe Schlecker Österreich bisher rund 27 Mio. Euro in Form von Waren und Bargeld geborgt - eine Summe, die er wieder haben möchte, anscheinend auch von potenziellen Käufern.

Zu schaffen machen Österreich auch Forderungen an die insolvente Mutter in Höhe von rund 170 Mio. Euro. In etwa so hoch ist auch das Eigenkapital in Österreich, das durch die Insolvenzforderung Richtung null berichtigt werden muss.

Unterlagen fehlen

Nach Angaben des österreichischen Firmenanwalters gibt es mehrere Interessenten. Öffentlich Interesse bekundet haben bisher die MTH-Gruppe des Industriellen Josef Taus und der Linzer Finanzinvestor Recap von Anton Stumpf. Beide sind nach wie vor im Rennen, bemängeln aber die fehlenden Unterlagen zu Österreich. Er habe nur die Bilanz 2011 und lediglich 17 Seiten eines Investor-Memorandums. "So lässt sich kein Unternehmen übernehmen", wird Stumpf im "Standard" zitiert. Für Geiwitz kommt eine Lösung mit einem Finanzinvestor "eher nicht infrage". Er rede im Moment aber mit fast jedem in Österreich, der vom Handelsgeschäft etwas versteht. "Es ist nicht so, dass das alles frustrierende Gespräche sind, sonst würde ich nicht zuwarten."

Auf jeden Fall läuft der Österreich-Tochter die Zeit davon. Bereits im August bzw. September könnte das Geld endgültig ausgehen. "Entweder es gibt einen Systempartner, der die Läden sinnvoll relativ schnell bestücken kann oder wenn wir keinen finden, dann droht im schlimmsten Fall auch die Insolvenz in Österreich", sagte Geiwitz laut "Wiener Zeitung". Derzeit kann Schlecker Österreich selbst keinen Insolvenzantrag beim Gericht in Linz einbringen, weil Anton Schlecker sein Amt als Geschäftsführer niedergelegt hat. Noch ist Schlecker Österreich aber nicht zahlungsunfähig. (APA, 20.6.2012)

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