Apple und Google reiben Konkurrenz zwischen sich auf

Konzerne kontrollieren 80 Prozent des Smartphone-Markts - mit neuen Strategien fischen sie nun nach dem Rest

2012 werden voraussichtlich 1,5 Milliarden Handys über die Ladentische gehen. Doch nur 35 Prozent davon sind Smartphones - ein Markt, der noch großes Wachstumspotenzial aufweist. 80 Prozent des Geschäfts konnten Apple und Google unter ihre Kontrolle bringen. Die anderen Mitspieler werden zwischen den beiden Konzernen aufgerieben. Und mit neuen Strategien angeln die beiden Rivalen nach dem Rest des Marktes.

Markt wächst weiter

Eine Sättigung des Marktes ist noch nicht erreicht. Die Nachfrage nach den hochentwickelten Endgeräten soll in den nächsten Jahren noch stärker ansteigen. Marktanalysten von Wedge Partners gehen davon aus, dass der Smartphone-Anteil von 35 Prozent in den kommenden fünf Jahren auf 75 Prozent anwachsen wird. Die einstigen Marktführer Nokia und Blackberry-Hersteller RIM drohen auf der Strecke zu bleiben.

Apple und Google wurden unterschätzt

Nokia gab erst vor kurzem bekannt, bis Ende 2013 rund 10.000 Stellen zu streichen. RIM sucht indes nach einem Wechsel der Konzernspitze nach neuen Strategien. Die Konkurrenz habe Apple und Google stark unterschätzt, erklärt Gartner-Analyst Michael Gartenberg gegenüber dem Wall Street Journal. Die neuen Marktführer konnten mit ihren mobilen Betriebssystemen und den Ökosystemen aus Apps, Spielen, Musik und E-Books einen enormen Vorsprung aufbauen.

Apple geht riskanten Weg

Der Markt wächst so schnell, dass sich das Geschäft sehr rasch ändern kann. Und davor sind auch die Apple und Google nicht gefeit. Eine fehlerhafte Entscheidung und die Konsumenten könnten sich wieder der Konkurrenz zuwenden. Vor allem Apples Schritt, ab iOS 6 Google Maps den Rücken zu kehren und eine eigene Kartenanwendung zu entwickeln, birgt ein Risiko. Immerhin gehören diese Apps zu den am meist genutzten Features auf Smartphones (der WebStandard berichtete).

Hoher Druck

Allerdings sehen Beobachter die Entscheidung, sich von Google in diesem Bereich loszusagen, auch als unumgänglich für Apple. Auf Tim Cooks Firma lastet der Druck der Investoren schwer, immer wieder Innovationen zu bringen, um das rasante Wachstum beibehalten zu können. In den USA will sich Apple daher unter anderem auch dem Prepaid-Markt öffnen, um neue Käuferschicken anzusprechen.

Probleme mit Android-Fragmentierung

Aber auch Google muss neue Wege beschreiten, um das restliche Marktpotenzial aufschlüsseln zu können. Als eines der größten Probleme gilt noch immer die starke Fragmentierung der Android-Software. Das betrifft sowohl die Software-Seite, wo fast jeder Hersteller ein eigenes Interface entwickelt und Updates nur mit Verzögerungen einspielt, als auch die Hardware-Seite. App-Entwickler müssen ihre Programme an eine Vielzahl von Smartphone-Modellen anpassen. Die User Experience von Android variiert somit von Hersteller zu Hersteller stark.

Google will Hardware strenger kontrollieren

Während sich Apple mit der eigenen Maps-App eine Scheibe von Google abschneidet, versucht Google wiederum einen Teil der Apple-Strategie zu adaptieren. Mit dem Kauf von Motorolas Handy-Geschäft holt sich das Unternehmen die Möglichkeit ins Haus, selbst Hardware zu produzieren und die Entwicklung von Endgeräten selbst zu kontrollieren. Zudem will Google über den Play Store eigene Geräte verkaufen - in den USA wird das aktuelle Lead-Device, das Galaxy Nexus, bereits über diesen Kanal angeboten.

"Ganzheitlicher" Ansatz

Apple und Google haben ihre Operationsfelder weit ausgedehnt. Die iOS-Plattform erstreckt sich von iPhone über iPod Touch bis zum iPad. Mit OS X Mountain Lion werden mehrere Features auch für den Desktop übernommen und die beiden Plattformen über iCloud noch enger verschweißt. Der Konzern arbeitet Berichten zufolge auch an einer starken Weiterentwicklung von Apple-TV mit einem eigenen Fernseher. Google bietet Android für Smartphones, Tablets, Fernseher und andere Unterhaltungselektronik an. Auf der Google I/O wird mit dem Nexus 7 ein eigenes Tablet des Konzerns erwartet. Konkurrenten, die diesen umspannenden Ansatz nicht bieten können, werden schlicht vom Markt gedrängt. (br, derStandard.at, 20.6.2012)

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